II-II, q. 5 a. 2
Ob in den Dämonen Glaube ist?
Quaestio 5 · Von denen, die den Glauben haben
1. Einwand: Es scheint, dass die Dämonen keinen Glauben haben. Denn Augustinus sagt (De Praedest. Sanct. v), dass „der Glaube vom Willen des Gläubigen abhängt“: und dies ist ein guter Wille, da der Mensch durch ihn an Gott glauben will. Da nun kein überlegter Wille der Dämonen gut ist, wie oben dargelegt (I, Frage [64], Artikel [2], ad 5), scheint es, dass in den Dämonen kein Glaube ist.
2. Einwand: Ferner ist der Glaube eine Gabe der göttlichen Gnade, gemäß Eph 2,8: „Aus Gnade seid ihr gerettet durch den Glauben ... denn es ist Gottes Gabe.“ Nun haben die Dämonen gemäß einer Glosse zu Hosea 3,1 („Sie schauen auf fremde Götter und lieben die Trester der Trauben“) ihre Gnadengaben durch die Sünde verloren. Daher blieb der Glaube nach ihrer Sünde nicht in den Dämonen.
3. Einwand: Ferner scheint der Unglaube schwerwiegender zu sein als andere Sünden, wie Augustinus (Tract. lxxxix in Joan.) zu Joh 15,22 bemerkt: „Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen gesprochen hätte, hätten sie keine Sünde: nun aber haben sie keine Entschuldigung für ihre Sünde.“ Nun findet sich die Sünde des Unglaubens bei einigen Menschen. Wenn folglich die Dämonen Glauben haben, würden sich einige Menschen einer schwereren Sünde schuldig machen als die Dämonen, was unvernünftig erscheint. Daher ist in den Dämonen kein Glaube.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Jak 2,19): „Die Teufel ... glauben und zittern.“
Ich antworte darauf, Wie oben dargelegt (Frage [1], Artikel [4]; Frage [2], Artikel [1]), stimmt der Intellekt des Gläubigen dem zu, was er glaubt, nicht weil er es entweder in sich selbst sieht oder durch Rückführung auf erste, an sich evidente Prinzipien, sondern weil sein Wille seinem Intellekt befiehlt zuzustimmen. Dass nun der Wille den Intellekt zur Zustimmung bewegt, kann zwei Ursachen haben. Erstens, weil der Wille auf das Gute gerichtet ist, und auf diese Weise ist das Glauben eine lobenswerte Handlung. Zweitens, weil der Intellekt überzeugt ist, dass er glauben muss, was gesagt wird, obwohl diese Überzeugung nicht auf objektiver Evidenz beruht. Wenn zum Beispiel ein Prophet, während er das Wort Gottes predigt, etwas vorhersagen und ein Zeichen geben würde, indem er einen Toten zum Leben erweckt, würde der Intellekt eines Zeugen so überzeugt werden, dass er klar erkennt, dass Gott, der nicht lügt, gesprochen hat, obwohl die vorhergesagte Sache selbst nicht in sich evident wäre, und folglich das Wesen des Glaubens nicht aufgehoben würde.
Demnach müssen wir sagen, dass der Glaube im ersten Sinne bei den Gläubigen Christi gelobt wird; und auf diese Weise ist der Glaube nicht in den Dämonen, sondern nur auf die zweite Weise, denn sie sehen viele evidente Zeichen, durch die sie erkennen, dass die Lehre der Kirche von Gott ist, obwohl sie die Dinge selbst nicht sehen, die die Kirche lehrt, zum Beispiel, dass drei Personen in Gott sind, und so weiter.
Antwort auf den 1. Einwand: Die Dämonen sind in gewisser Weise gezwungen zu glauben, durch die Evidenz der Zeichen, und so verdient ihr Wille kein Lob für ihren Glauben.
Antwort auf den 2. Einwand: Der Glaube, der eine Gabe der Gnade ist, neigt den Menschen dazu, zu glauben, indem er ihm eine gewisse Zuneigung zum Guten gibt, selbst wenn dieser Glaube tot ist. Folglich ist der Glaube, den die Dämonen haben, keine Gabe der Gnade. Vielmehr sind sie durch ihre natürliche Schärfe des Verstandes gezwungen zu glauben.
Antwort auf den 3. Einwand: Eben die Tatsache, dass die Zeichen des Glaubens so evident sind, dass die Dämonen gezwungen sind zu glauben, missfällt ihnen, so dass ihre Bosheit durch ihren Glauben keineswegs vermindert wird.