II-II, q. 18 a. 4
Ob die Hoffnung eines Pilgers Gewissheit hat?
Quaestio 18 · Vom Subjekt der Hoffnung
Einwand 1: Es scheint, dass die Hoffnung eines Pilgers keine Gewissheit hat. Denn die Hoffnung hat ihren Sitz im Willen. Gewissheit aber gehört nicht zum Willen, sondern zum Verstand. Also gibt es in der Hoffnung keine Gewissheit.
Einwand 2: Ferner gründet sich die Hoffnung auf Gnade und Verdienste, wie oben dargelegt (Frage [17], Artikel [1]). Nun ist es in diesem Leben unmöglich, mit Gewissheit zu wissen, dass wir im Stand der Gnade sind, wie oben dargelegt (FS, Frage [112], Artikel [5]). Also gibt es in der Hoffnung eines Pilgers keine Gewissheit.
Einwand 3: Ferner kann es keine Gewissheit über das geben, was scheitern kann. Nun verfehlen viele hoffende Pilger die Erlangung der Glückseligkeit. Also hat die Hoffnung des Pilgers keine Gewissheit.
Dagegen spricht: „Hoffnung ist die gewisse Erwartung der zukünftigen Glückseligkeit“, wie der Magister feststellt (Sent. iii, D, 26): und dies kann aus 2 Tim 1,12 entnommen werden: „Ich weiß, wem ich geglaubt habe, und ich bin gewiss, dass er mächtig ist, das mir anvertraute Gut zu bewahren.“
Ich antworte darauf, Gewissheit findet sich in einem Ding auf zwei Weisen, wesentlich und durch Teilhabe. Sie findet sich wesentlich in der Erkenntniskraft; durch Teilhabe in allem, was von der Erkenntniskraft unfehlbar zu seinem Ziel bewegt wird. Auf diese Weise sagen wir, dass die Natur mit Gewissheit wirkt, da sie vom göttlichen Verstand bewegt wird, der alles mit Gewissheit zu seinem Ziel bewegt. Auf diese Weise werden auch die moralischen Tugenden gesagt, mit größerer Gewissheit zu wirken als die Kunst, insofern sie, wie eine zweite Natur, durch die Vernunft zu ihren Akten bewegt werden: und so strebt auch die Hoffnung mit Gewissheit zu ihrem Ziel, als ob sie an der Gewissheit des Glaubens teilhätte, der im Erkenntnisvermögen ist.
Dies genügt für die Antwort auf den ersten Einwand.
Antwort auf Einwand 2: Die Hoffnung vertraut nicht hauptsächlich auf die bereits empfangene Gnade, sondern auf Gottes Allmacht und Barmherzigkeit, durch die auch derjenige, der die Gnade nicht hat, sie erlangen kann, um zum ewigen Leben zu gelangen. Wer nun den Glauben hat, ist der Allmacht und Barmherzigkeit Gottes gewiss.
Antwort auf Einwand 3: Dass einige, die Hoffnung haben, die Glückseligkeit nicht erlangen, liegt an einem Fehler des freien Willens, der das Hindernis der Sünde setzt, aber nicht an einem Mangel in Gottes Macht oder Barmherzigkeit, auf die die Hoffnung ihr Vertrauen setzt. Daher beeinträchtigt dies die Gewissheit der Hoffnung nicht.