II-II, q. 168 a. 4
Ob im Mangel an Fröhlichkeit eine Sünde liegt?
Quaestio 168 · Von der Bescheidenheit, wie sie in den äußeren Bewegungen des Körpers besteht.
Einwand 1: Es scheint, dass im Mangel an Fröhlichkeit keine Sünde liegt. Denn einem Büßer ist keine Sünde vorgeschrieben. Aber Augustinus sagt, indem er von einem Büßer spricht (De Vera et Falsa Poenit. 15) [*Unecht]: „Er enthalte sich der Spiele und der Schauspiele der Welt, wenn er die Gnade einer vollen Vergebung erlangen will.“ Also liegt im Mangel an Fröhlichkeit keine Sünde.
Einwand 2: Ferner ist im Lob, das heiligen Männern zuteilwird, keine Sünde enthalten. Aber einige Personen werden dafür gelobt, dass sie sich der Fröhlichkeit enthalten haben; denn es steht geschrieben (Jer 15,17): „Ich saß nicht in der Versammlung der Scherzenden“, und (Tobias 3,17): „Niemals habe ich mich denen zugesellt, die spielen; noch habe ich mich mit denen gemein gemacht, die in Leichtfertigkeit wandeln.“ Also kann im Mangel an Fröhlichkeit keine Sünde liegen.
Einwand 3: Ferner zählt Andronicus die Austerität zu den Tugenden, und er beschreibt sie als einen Habitus, wodurch ein Mensch die Vergnügungen der Unterhaltung weder gibt noch empfängt. Nun gehört dies zum Mangel an Fröhlichkeit. Also ist der Mangel an Fröhlichkeit eher tugendhaft als sündhaft.
Dagegen spricht, dass der Philosoph (Ethic. ii, 7; iv, 8) den Mangel an Fröhlichkeit als ein Laster rechnet.
Ich antworte darauf, dass in menschlichen Angelegenheiten alles, was gegen die Vernunft ist, eine Sünde ist. Nun ist es gegen die Vernunft, dass ein Mensch anderen zur Last fällt, indem er anderen kein Vergnügen bietet und indem er ihren Genuss behindert. Weshalb Seneca [*Martin von Braga, Formula Vitae Honestae: cap. De Continentia] sagt (De Quat. Virt., cap. De Continentia): „Lass dein Verhalten von Weisheit geleitet sein, damit niemand dich für grob hält oder dich als verachtenswert gering schätzt.“ Nun ist ein Mensch, der ohne Fröhlichkeit ist, nicht nur mangelhaft in spielerischer Rede, sondern er ist auch anderen lästig, da er taub für die maßvolle Fröhlichkeit anderer ist. Folglich sind sie lasterhaft und werden als bäurisch oder grob bezeichnet, wie der Philosoph feststellt (Ethic. iv, 8).
Da jedoch Fröhlichkeit um der Ruhe und des Vergnügens willen nützlich ist, die sie gewährt; und da im menschlichen Leben Vergnügen und Ruhe nicht um ihrer selbst willen gesucht werden, sondern um der Tätigkeit willen, wie in Ethic. x, 6 dargelegt, folgt daraus, dass „Mangel an Fröhlichkeit weniger sündhaft ist als ihr Übermaß“. Daher sagt der Philosoph (Ethic. ix, 10): „Wir sollten wenige Freunde um des Vergnügens willen machen, da nur wenig Süße ausreicht, um das Leben zu würzen, so wie wenig Salz für unsere Speise ausreicht.“
Antwort auf Einwand 1: Fröhlichkeit ist dem Büßer verboten, weil er aufgerufen ist, um seine Sünden zu trauern. Auch impliziert dies kein Laster im Mangel, weil eben diese Verminderung der Fröhlichkeit in ihnen in Übereinstimmung mit der Vernunft ist.
Antwort auf Einwand 2: Jeremias spricht dort in Übereinstimmung mit den Zeiten, deren Zustand es erforderte, dass der Mensch trauern sollte; weshalb er hinzufügt: „Ich saß allein, weil Du mich mit Drohungen erfüllt hast.“ Die Worte von Tobias 3 beziehen sich auf übermäßige Fröhlichkeit; und dies ist offensichtlich daraus, dass er hinzufügt: „Noch habe ich mich mit denen gemein gemacht, die in Leichtfertigkeit wandeln.“
Antwort auf Einwand 3: Austerität als Tugend schließt nicht alle Vergnügungen aus, sondern nur solche, die übermäßig und ungeordnet sind; weshalb sie zur Affabilität zu gehören scheint, die der Philosoph (Ethic. iv, 6) „Freundlichkeit“ oder {Eutrapelia}, andernfalls Gewandtheit, nennt. Dennoch benennt und definiert er sie so in Bezug auf ihre Übereinstimmung mit der Mäßigung, zu der es gehört, das Vergnügen zu zügeln.