II-II, q. 14 a. 3
Ob die Sünde wider den Heiligen Geist vergeben werden kann?
Quaestio 14 · Von der Lästerung wider den Heiligen Geist
Einwand 1: Es scheint, dass die Sünde wider den Heiligen Geist vergeben werden kann. Denn Augustinus sagt (De Verb. Dom., Serm. lxxi): „Wir sollten an keinem Menschen verzweifeln, solange die Geduld unseres Herrn ihn zur Reue zurückführt.“ Wenn aber irgendeine Sünde nicht vergeben werden könnte, wäre es möglich, an einigen Sündern zu verzweifeln. Also kann die Sünde wider den Heiligen Geist vergeben werden.
Einwand 2: Ferner wird keine Sünde vergeben, außer dadurch, dass die Seele von Gott geheilt wird. Aber „keine Krankheit ist unheilbar für einen allmächtigen Arzt“, wie eine Glosse zu Ps 102,3 sagt: „Der alle deine Krankheiten heilt.“ Also kann die Sünde wider den Heiligen Geist vergeben werden.
Einwand 3: Ferner ist der freie Wille indifferent gegenüber Gut oder Böse. Nun kann der Mensch, solange er ein Pilger ist, von jeder Tugend abfallen, da sogar ein Engel vom Himmel fiel, weshalb geschrieben steht (Ijob 4,18.19): „In seinen Engeln fand er Bosheit: wie viel mehr werden jene, die in Lehmhäusern wohnen?“ Daher kann ein Mensch in gleicher Weise von jeder Sünde in den Stand der Gerechtigkeit zurückkehren. Also kann die Sünde wider den Heiligen Geist vergeben werden.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Mt 12,32): „Wer wider den Heiligen Geist reden wird, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Welt noch in der zukünftigen“: und Augustinus sagt (De Serm. Dom. in Monte i, 22), dass „so groß der Absturz dieser Sünde ist, dass sie sich nicht der Demütigung unterwerfen kann, um Vergebung zu bitten.“
Ich antworte darauf, dass gemäß den verschiedenen Auslegungen der Sünde wider den Heiligen Geist es verschiedene Weisen gibt, in denen gesagt werden kann, dass sie nicht vergeben werden kann. Denn wenn wir unter der Sünde wider den Heiligen Geist die endgültige Unbussfertigkeit verstehen, so wird sie als unverzeihlich bezeichnet, da sie in keiner Weise verziehen wird: weil die Todsünde, worin ein Mensch bis zum Tode verharrt, im zukünftigen Leben nicht vergeben wird, da sie in diesem Leben nicht durch Reue erlassen wurde.
Gemäß den anderen beiden Auslegungen wird sie als unverzeihlich bezeichnet, nicht als ob sie keineswegs vergeben wird, sondern weil sie, an sich betrachtet, es nicht verdient, verziehen zu werden: und dies auf zweierlei Weise. Erstens in Bezug auf die Strafe, da derjenige, der aus Unwissenheit oder Schwachheit sündigt, weniger Strafe verdient, wohingegen derjenige, der aus bestimmter Bosheit sündigt, keine Entschuldigung zur Linderung seiner Strafe vorbringen kann. Ebenso konnten jene, die wider den Menschensohn lästerten, bevor seine Gottheit offenbart war, eine gewisse Entschuldigung haben aufgrund der Schwachheit des Fleisches, die sie an ihm wahrnahmen, und daher verdienten sie weniger Strafe; wohingegen jene, die wider seine Gottheit selbst lästerten, indem sie dem Teufel die Werke des Heiligen Geistes zuschrieben, keine Entschuldigung zur Minderung ihrer Strafe hatten. Weshalb gemäß dem Kommentar des Chrysostomus (Hom. xlii in Matth.) von den Juden gesagt wird, dass ihnen diese Sünde nicht vergeben wird, weder in dieser Welt noch in der zukünftigen, weil sie dafür bestraft wurden, sowohl im gegenwärtigen Leben durch die Römer als auch im zukünftigen Leben in den Qualen der Hölle. So führt auch Athanasius das Beispiel ihrer Vorväter an, die zuerst wegen des Mangels an Wasser und Brot mit Mose haderten; und dies ertrug der Herr mit Geduld, weil sie aufgrund der Schwachheit des Fleisches zu entschuldigen waren: aber danach sündigten sie schwerer, als sie, indem sie einem Götzen die Gunstbezeugungen zuschrieben, die von Gott verliehen waren, der sie aus Ägypten herausgeführt hatte, sozusagen wider den Heiligen Geist lästerten und sagten (Ex 32,4): „Das sind deine Götter, O Israel, die dich aus dem Land Ägypten herausgeführt haben.“ Daher fügte der Herr ihnen sowohl zeitliche Strafe zu, da „an jenem Tag etwa dreiundzwanzigtausend Mann erschlagen wurden“ (Ex 32,28), als auch drohte er ihnen mit Strafe im zukünftigen Leben, indem er sagte (Ex 32,34): „Ich werde am Tag der Rache diese ihre Sünde ... heimsuchen.“
Zweitens kann dies so verstanden werden, dass es sich auf die Schuld bezieht: so wird eine Krankheit als unheilbar bezeichnet in Bezug auf die Natur der Krankheit, welche alles entfernt, was ein Mittel zur Heilung sein könnte, wie wenn sie die Kraft der Natur wegnimmt oder Ekel vor Nahrung und Medizin verursacht, obwohl Gott fähig ist, eine solche Krankheit zu heilen. So auch wird die Sünde wider den Heiligen Geist als unverzeihlich bezeichnet aufgrund ihrer Natur, insofern sie jene Dinge entfernt, die ein Mittel zur Vergebung der Sünden sind. Dies verschließt jedoch nicht den Weg der Vergebung und Heilung für einen allmächtigen und barmherzigen Gott, der manchmal, sozusagen durch ein Wunder, solchen Menschen die geistliche Gesundheit wiederherstellt.
Antwort auf Einwand 1: Wir sollten an keinem Menschen in diesem Leben verzweifeln, in Anbetracht von Gottes Allmacht und Barmherzigkeit. Aber wenn wir die Umstände der Sünde betrachten, werden einige (Eph 2,2) „Kinder der Verzweiflung“ [*'Filios diffidentiae', was die Douay-Version mit 'Kinder des Unglaubens' wiedergibt] genannt.
Antwort auf Einwand 2: Dieses Argument betrachtet die Frage aufseiten von Gottes Allmacht, nicht auf der der Umstände der Sünde.
Antwort auf Einwand 3: In diesem Leben bleibt der freie Wille zwar immer dem Wandel unterworfen: doch manchmal weist er das zurück, wodurch er, soweit es ihn betrifft, zum Guten gewendet werden kann. Daher ist diese Sünde, an sich betrachtet, unverzeihlich, obwohl Gott sie verzeihen kann.