II-II, q. 14 a. 1
Ob die Sünde wider den Heiligen Geist dasselbe ist wie die Sünde aus bestimmter Bosheit?
Quaestio 14 · Von der Lästerung wider den Heiligen Geist
Einwand 1: Es scheint, dass die Sünde wider den Heiligen Geist nicht dasselbe ist wie die Sünde aus bestimmter Bosheit. Denn die Sünde wider den Heiligen Geist ist die Sünde der Gotteslästerung, gemäß Mt 12,32. Aber nicht jede Sünde aus bestimmter Bosheit ist eine Sünde der Gotteslästerung: denn viele andere Arten von Sünden können aus bestimmter Bosheit begangen werden. Also ist die Sünde wider den Heiligen Geist nicht dasselbe wie die Sünde aus bestimmter Bosheit.
Einwand 2: Ferner wird die Sünde aus bestimmter Bosheit der Sünde aus Unwissenheit und der Sünde aus Schwachheit gegenübergestellt: wohingegen die Sünde wider den Heiligen Geist der Sünde wider den Menschensohn gegenübergestellt wird (Mt 12,32). Also ist die Sünde wider den Heiligen Geist nicht dasselbe wie die Sünde aus bestimmter Bosheit, da Dinge, deren Gegensätze verschieden sind, selbst verschieden sind.
Einwand 3: Ferner ist die Sünde wider den Heiligen Geist selbst eine Gattung von Sünde, die ihre eigene bestimmte Art hat: wohingegen die Sünde aus bestimmter Bosheit keine spezielle Art von Sünde ist, sondern eine Bedingung oder allgemeine Begleitumstand der Sünde, welcher jede Art von Sünde betreffen kann. Also ist die Sünde wider den Heiligen Geist nicht dasselbe wie die Sünde aus bestimmter Bosheit.
Dagegen spricht, dass der Magister sagt (Sent. ii, D, 43), dass „wider den Heiligen Geist zu sündigen bedeutet, Gefallen an der Bosheit der Sünde um ihrer selbst willen zu haben.“ Dies aber heißt, aus bestimmter Bosheit zu sündigen. Also scheint es, dass die Sünde aus bestimmter Bosheit dasselbe ist wie die Sünde wider den Heiligen Geist.
Ich antworte darauf, dass der Sünde wider den Heiligen Geist dreierlei Bedeutung beigelegt wurde. Denn die früheren Lehrer, nämlich Athanasius (Super Matth. xii, 32), Hilarius (Can. xii in Matth.), Ambrosius (Super Luc. xii, 10), Hieronymus (Super Matth. xii) und Chrysostomus (Hom. xli in Matth.), sagen, dass die Sünde wider den Heiligen Geist wörtlich das Aussprechen einer Lästerung gegen den Heiligen Geist ist, sei es, dass wir unter Heiligem Geist den Wesensnamen verstehen, der auf die ganze Dreifaltigkeit anwendbar ist, von der jede Person Geist und heilig ist, oder den persönlichen Namen einer der Personen der Dreifaltigkeit. In diesem Sinne ist die Lästerung wider den Heiligen Geist unterschieden von der Lästerung wider den Menschensohn (Mt 12,32); denn Christus tat gewisse Dinge in Bezug auf seine menschliche Natur, indem er aß, trank und dergleichen Handlungen vollzog, während er andere in Bezug auf seine Gottheit tat, indem er Teufel austrieb, Tote auferweckte und dergleichen: welche Dinge er sowohl durch die Kraft seiner eigenen Gottheit als auch durch das Wirken des Heiligen Geistes tat, von dem er seiner menschlichen Natur nach voll war. Nun begannen die Juden damit, Lästerungen gegen den Menschensohn auszusprechen, als sie sagten (Mt 11,19), er sei „ein Fresser ... und Weinsäufer“ und ein „Freund der Zöllner“: aber danach lästerten sie wider den Heiligen Geist, als sie dem Fürsten der Teufel jene Werke zuschrieben, die Christus durch die Kraft seiner eigenen göttlichen Natur und durch das Wirken des Heiligen Geistes tat.
Augustinus jedoch (De Verb. Dom., Serm. lxxi) sagt, dass die Lästerung oder die Sünde wider den Heiligen Geist die endgültige Unbussfertigkeit ist, wenn nämlich ein Mensch in der Todsünde bis zum Tode verharrt; und dass sie nicht auf die Äußerung durch das mündliche Wort beschränkt ist, sondern sich auf Worte in Gedanken und Tat erstreckt, und nicht nur auf ein Wort, sondern auf viele. Nun wird dieses Wort in diesem Sinne als wider den Heiligen Geist geäußert bezeichnet, weil es der Vergebung der Sünden entgegensteht, welche das Werk des Heiligen Geistes ist, der die Liebe sowohl des Vaters als auch des Sohnes ist. Auch sagte unser Herr dies nicht zu den Juden, als hätten sie bereits wider den Heiligen Geist gesündigt, da sie noch nicht der endgültigen Unbussfertigkeit schuldig waren, sondern er warnte sie, damit sie nicht durch ähnliche Äußerungen dazu kämen, wider den Heiligen Geist zu sündigen: und in diesem Sinne müssen wir Markus 3,29.30 verstehen, wo der Evangelist, nachdem unser Herr gesagt hatte: „Wer aber wider den Heiligen Geist lästert“ usw., hinzufügt: „Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.“
Andere aber verstehen es anders und sagen, dass die Sünde der Lästerung wider den Heiligen Geist eine Sünde ist, die gegen jenes Gut begangen wird, das dem Heiligen Geist zugeschrieben (appropriiert) wird: weil die Güte dem Heiligen Geist zugeschrieben wird, so wie die Macht dem Vater und die Weisheit dem Sohn zugeschrieben wird. Daher sagen sie, dass, wenn ein Mensch aus Schwachheit sündigt, es eine Sünde „wider den Vater“ ist; dass, wenn er aus Unwissenheit sündigt, es eine Sünde „wider den Sohn“ ist; und dass, wenn er aus bestimmter Bosheit sündigt, d.h. durch das eigentliche Erwählen des Bösen, wie oben erklärt (FS, Frage [78], Artikel [1],3), es eine Sünde „wider den Heiligen Geist“ ist.
Dies kann nun auf zweierlei Weise geschehen. Erstens aufgrund der bloßen Neigung eines lasterhaften Habitus, den wir Bosheit nennen, und auf diese Weise ist das Sündigen aus Bosheit nicht dasselbe wie das Sündigen wider den Heiligen Geist. Auf eine andere Weise geschieht es, dass aufgrund von Verachtung dasjenige zurückgewiesen oder entfernt wird, was die Wahl des Bösen hätte verhindern können; so wird die Hoffnung durch Verzweiflung entfernt und die Furcht durch Vermessenheit, und so weiter, wie wir später erklären werden (Fragen [20], 21). Nun sind all diese Dinge, die die Wahl der Sünde verhindern, Wirkungen des Heiligen Geistes in uns; so dass in diesem Sinne aus Bosheit zu sündigen bedeutet, wider den Heiligen Geist zu sündigen.
Antwort auf Einwand 1: So wie das Glaubensbekenntnis nicht nur in einem Bekenntnis der Worte, sondern auch der Taten besteht, so kann die Lästerung wider den Heiligen Geist in Wort, Gedanke und Tat geäußert werden.
Antwort auf Einwand 2: Gemäß der dritten Auslegung wird die Lästerung wider den Heiligen Geist der Lästerung wider den Menschensohn gegenübergestellt, insofern dieser auch der Sohn Gottes ist, d.h. die „Kraft Gottes und die Weisheit Gottes“ (1 Kor 1,24). Daher wird in diesem Sinne die Sünde wider den Menschensohn jene sein, die aus Unwissenheit oder aus Schwachheit begangen wird.
Antwort auf Einwand 3: Die Sünde aus bestimmter Bosheit ist, insofern sie aus der Neigung eines Habitus resultiert, keine spezielle Sünde, sondern eine allgemeine Bedingung der Sünde: wohingegen sie, insofern sie aus einer speziellen Verachtung einer Wirkung des Heiligen Geistes in uns resultiert, den Charakter einer speziellen Sünde hat. Gemäß dieser Auslegung ist die Sünde wider den Heiligen Geist eine spezielle Art von Sünde, wie auch gemäß der ersten Auslegung: wohingegen sie gemäß der zweiten keine Spezies der Sünde ist, weil die endgültige Unbussfertigkeit ein Umstand jeder Art von Sünde sein kann.