II-II, q. 137 a. 3
Ob die Beständigkeit zur Beharrlichkeit gehört?
Quaestio 137 · Von der Beharrlichkeit
1. Einwand: Es scheint, dass die Beständigkeit nicht zur Beharrlichkeit gehört. Denn Beständigkeit gehört zur Geduld, wie oben dargelegt (Quaestio [137], Artikel [5]); und Geduld unterscheidet sich von der Beharrlichkeit. Also gehört die Beständigkeit nicht zur Beharrlichkeit.
2. Einwand: Ferner geht „Tugend auf das Schwere und das Gute“. Nun scheint es nicht schwer, in kleinen Werken beständig zu sein, sondern nur in großen Taten, welche zur Großartigkeit (magnificentia) gehören. Also gehört die Beständigkeit eher zur Großartigkeit als zur Beharrlichkeit.
3. Einwand: Ferner, wenn Beständigkeit zur Beharrlichkeit gehörte, schiene sie sich in keiner Weise von ihr zu unterscheiden, da beide eine Art von Unwandelbarkeit bezeichnen. Doch unterscheiden sie sich: denn Macrobius (In Somn. Scip. i) teilt die Beständigkeit zusammen mit der Festigkeit ein, womit er die Beharrlichkeit anzeigt, wie oben dargelegt (Quaestio [128], Artikel [6]). Also gehört die Beständigkeit nicht zur Beharrlichkeit.
Dagegen spricht: Man wird beständig genannt, weil man bei einer Sache steht. Nun gehört es zur Beharrlichkeit, bei gewissen Dingen zu stehen, wie aus der von Andronicus gegebenen Definition hervorgeht. Also gehört die Beständigkeit zur Beharrlichkeit.
Ich antworte darauf, dass Beharrlichkeit und Beständigkeit im Ziel übereinkommen, da es beiden zukommt, fest in einem Gut zu verharren; aber sie unterscheiden sich hinsichtlich jener Dinge, die es schwer machen, im Guten zu verharren. Denn die Tugend der Beharrlichkeit lässt den Menschen eigentlich fest im Guten verharren gegen die Schwierigkeit, die aus der bloßen Dauer des Aktes entsteht; wohingegen die Beständigkeit ihn fest im Guten verharren lässt gegen Schwierigkeiten, die aus irgendwelchen anderen äußeren Hindernissen entstehen. Daher hat die Beharrlichkeit Vorrang vor der Beständigkeit als Teil der Tapferkeit, weil die Schwierigkeit, die aus der Dauer der Handlung entsteht, dem Akt der Tugend innerlicher ist als jene, die aus äußeren Hindernissen entsteht.
Antwort auf den 1. Einwand: Äußere Hindernisse für das Verharren im Guten sind besonders jene, die Traurigkeit verursachen. Nun geht die Geduld auf die Traurigkeit, wie oben dargelegt (Quaestio [136], Artikel [1]). Daher stimmt die Beständigkeit mit der Beharrlichkeit hinsichtlich des Ziels überein, während sie mit der Geduld hinsichtlich jener Dinge übereinstimmt, die Schwierigkeit verursachen. Nun ist das Ziel von größter Bedeutung: weshalb die Beständigkeit eher zur Beharrlichkeit gehört als zur Geduld.
Antwort auf den 2. Einwand: Es ist schwerer, in großen Taten zu verharren; doch ist es in kleinen oder gewöhnlichen Taten schwer, für irgendeine Länge der Zeit zu verharren, wenn nicht wegen der Größe der Tat, welche die Großartigkeit betrachtet, so doch wegen ihrer bloßen Dauer, welche die Beharrlichkeit beachtet. Daher kann die Beständigkeit zu beiden gehören.
Antwort auf den 3. Einwand: Beständigkeit gehört zur Beharrlichkeit, insofern sie etwas mit ihr gemein hat; aber sie ist nicht dasselbe im Punkt ihrer Unterscheidung, wie im Artikel dargelegt.