II-II, q. 132 a. 5
Ob die Töchter der Ruhmsucht passend aufgezählt werden: Ungehorsam, Prahlerei, Heuchelei, Zank, Eigensinn, Zwietracht und Neuerungssucht?
Quaestio 132 · Vom eitlen Ruhm
Einwand 1: Es scheint, dass die Töchter der Ruhmsucht unpassend aufgezählt werden als „Ungehorsam, Prahlerei, Heuchelei, Zank, Eigensinn, Zwietracht und Neuerungssucht [praesumptio novitatum]“. Denn gemäß Gregor (Moral. xxiii) wird Prahlerei unter die Arten des Stolzes gezählt. Nun entsteht Stolz nicht aus Ruhmsucht, sondern es ist vielmehr umgekehrt, wie Gregor sagt (Moral. xxxi). Also sollte Prahlerei nicht unter die Töchter der Ruhmsucht gerechnet werden.
Einwand 2: Ferner scheinen Zank und Zwietracht hauptsächlich das Ergebnis des Zorns zu sein. Aber Zorn ist ein Hauptlaster, das von der Ruhmsucht unterschieden wird. Also scheint es, dass sie nicht die Töchter der Ruhmsucht sind.
Einwand 3: Ferner sagt Chrysostomus (Hom. xix in Matth.), dass Ruhmsucht immer böse ist, aber besonders in der Philanthropie, d.h. Barmherzigkeit. Und doch ist dies nichts Neues, denn es ist ein etablierter Brauch unter den Menschen. Also sollte Neuerungssucht nicht speziell als eine Tochter der Ruhmsucht gerechnet werden.
Dagegen spricht die Autorität Gregors (Moral. xxxi), der dort die oben genannten Töchter der Ruhmsucht zuweist.
Ich antworte darauf, Wie oben gesagt (Quaestio 34, Artikel 5; Quaestio 35, Artikel 4; FS, Quaestio 84, Artikel 3, 4), werden die Laster, die ihrer Natur nach so beschaffen sind, dass sie auf das Ziel eines gewissen Hauptlasters gerichtet sind, dessen Töchter genannt. Nun ist das Ziel der Ruhmsucht die Offenbarung der eigenen Vorzüglichkeit, wie oben gesagt (Artikel 1, 4): und auf dieses Ziel kann ein Mensch auf zweifache Weise tendieren. Auf eine Weise direkt, entweder durch Worte, und dies ist Prahlerei, oder durch Taten, und dann, wenn sie wahr sind und Staunen hervorrufen, ist es Neuerungssucht, worüber die Menschen sich am meisten zu wundern pflegen; wenn sie aber falsch sind, ist es Heuchelei. Auf eine andere Weise strebt ein Mensch danach, seine Vorzüglichkeit bekannt zu machen, indem er zeigt, dass er einem anderen nicht unterlegen ist, und dies auf vierfache Weise. Erstens in Bezug auf den Intellekt, und so haben wir „Eigensinn“, wodurch ein Mensch zu sehr an seiner eigenen Meinung hängt und nicht bereit ist, einer besseren zu glauben. Zweitens in Bezug auf den Willen, und dann haben wir „Zwietracht“, wodurch ein Mensch nicht bereit ist, seinen eigenen Willen aufzugeben und anderen zuzustimmen. Drittens in Bezug auf die „Rede“, und dann haben wir „Zank“, wodurch ein Mensch lautstark mit einem anderen streitet. Viertens in Bezug auf Taten, und dies ist „Ungehorsam“, wodurch ein Mensch sich weigert, den Befehl seiner Oberen auszuführen.
Antwort auf Einwand 1: Wie oben gesagt (Quaestio 112, Artikel 1, ad 2), wird Prahlerei als eine Art von Stolz gerechnet in Bezug auf ihre innere Ursache, welche die Arroganz ist: aber äußere Prahlerei ist, gemäß Ethic. iv, manchmal auf Gewinn gerichtet, aber öfter auf Ruhm und Ehre, und so ist sie das Ergebnis der Ruhmsucht.
Antwort auf Einwand 2: Zorn ist nicht die Ursache von Zwietracht und Zank, außer in Verbindung mit Ruhmsucht, indem ein Mensch es für eine ruhmreiche Sache hält, dem Willen und den Worten anderer nicht nachzugeben.
Antwort auf Einwand 3: Ruhmsucht wird in Verbindung mit Almosen geben getadelt wegen des Mangels an Liebe, der in einem sichtbar wird, der die Ruhmsucht dem Wohl seines Nächsten vorzieht, da er letzteres um des ersteren willen tut. Aber ein Mensch wird nicht getadelt, weil er sich anmaßt, Almosen zu geben, als wäre dies etwas Neues.