I-II, q. 7 a. 4
Ob die wichtigsten Umstände „warum“ und „worin die Handlung besteht“ sind?
Quaestio 7 · Von den Umständen der menschlichen Handlungen
Einwand 1: Es scheint, dass dies nicht die wichtigsten Umstände sind, nämlich „warum“ und jene, „in denen die Handlung ist, [*hen ois e praxis]“ wie in Ethic. iii, 1 dargelegt. Denn jene, in denen die Handlung ist, scheinen Ort und Zeit zu sein: und diese scheinen nicht die wichtigsten der Umstände zu sein, da sie von allen der Handlung am äußersten sind. Daher sind jene Dinge, in denen die Handlung ist, nicht die wichtigsten Umstände.
Einwand 2: Ferner ist das Ziel eines Dinges ihm äußerlich. Daher ist es nicht der wichtigste Umstand.
Einwand 3: Ferner ist dasjenige, was in Bezug auf jedes Ding den vordersten Platz einnimmt, seine Ursache und seine Form. Die Ursache einer Handlung aber ist die Person, die sie tut; während die Form einer Handlung die Art und Weise ist, in der sie getan wird. Daher scheinen diese zwei Umstände von größter Wichtigkeit zu sein.
Dagegen spricht, dass Gregor von Nyssa [*Nemesius, De Nat. Hom. xxxi.] sagt, dass „die wichtigsten Umstände“ sind, „warum es getan wird“ und „was getan wird“.
Ich antworte darauf, dass, wie oben dargelegt (Frage [1], Artikel [1]), Handlungen eigentlich menschlich genannt werden, insofern sie freiwillig sind. Nun ist das Motiv und Objekt des Willens das Ziel. Daher ist jener Umstand der wichtigste von allen, der die Handlung seitens des Ziels berührt, nämlich der Umstand „warum“: und der zweitwichtigste ist jener, der die Substanz der Handlung selbst berührt, nämlich der Umstand „was er tat“. Was die anderen Umstände betrifft, so sind sie mehr oder weniger wichtig, je nachdem, wie sie sich diesen mehr oder weniger annähern.
Antwort auf Einwand 1: Mit jenen Dingen, „in denen die Handlung ist“, meint der Philosoph nicht Zeit und Ort, sondern jene Umstände, die an die Handlung selbst angeheft sind. Weshalb Gregor von Nyssa [*Nemesius, De Nat. Hom. xxxi], als ob er den Ausspruch des Philosophen erklärte, anstelle von dessen Begriff – „in denen die Handlung ist“ – sagte: „was getan wird“.
Antwort auf Einwand 2: Obwohl das Ziel kein Teil der Substanz der Handlung ist, ist es doch die wichtigste Ursache der Handlung, insofern es den Handelnden zum Handeln bewegt. Weshalb die moralische Handlung hauptsächlich durch das Ziel spezifiziert wird.
Antwort auf Einwand 3: Die Person, die die Handlung vollzieht, ist die Ursache jener Handlung, insofern sie durch das Ziel dazu bewegt wird; und hauptsächlich in dieser Hinsicht ist sie auf die Handlung ausgerichtet; während andere Bedingungen der Person keine so wichtige Beziehung zur Handlung haben. Was den Modus betrifft, so ist er nicht die substantielle Form der Handlung, denn in einer Handlung hängt die substantielle Form vom Objekt und Terminus oder Ziel ab; sondern er ist gewissermaßen eine gewisse akzidentelle Qualität der Handlung.