I-II, q. 7 a. 3
Ob die Umstände im dritten Buch der Ethik zweckmäßig aufgeführt sind?
Quaestio 7 · Von den Umständen der menschlichen Handlungen
Einwand 1: Es scheint, dass die Umstände in Ethic. iii, 1 nicht zweckmäßig aufgeführt sind. Denn ein Umstand einer Handlung wird als etwas außerhalb der Handlung beschrieben. Nun entsprechen Zeit und Ort dieser Beschreibung. Daher gibt es nur zwei Umstände, nämlich „wann“ und „wo“.
Einwand 2: Ferner urteilen wir aus den Umständen, ob eine Sache gut oder schlecht getan ist. Dies aber gehört zum Modus einer Handlung. Daher sind alle Umstände unter einem einzigen eingeschlossen, welcher der „Modus des Handelns“ ist.
Einwand 3: Ferner sind Umstände kein Teil der Substanz einer Handlung. Die Ursachen einer Handlung scheinen aber zu ihrer Substanz zu gehören. Daher sollte kein Umstand von der Ursache der Handlung selbst genommen werden. Dementsprechend sind weder „wer“, noch „warum“, noch „worum“ Umstände: da sich „wer“ auf die Wirkursache bezieht, „warum“ auf die Finalursache und „worum“ auf die Materialursache.
Dagegen spricht die Autorität des Philosophen in Ethic. iii, 1.
Ich antworte darauf, dass Tullius in seiner Rhetorik (De Invent. Rhetor. i) sieben Umstände angibt, die in diesem Vers enthalten sind:
„Quis, quid, ubi, quibus auxiliis, cur, quomodo, quando---
Wer, was, wo, durch welche Hilfsmittel, warum, wie und wann.“ Denn bei Handlungen müssen wir beachten, „wer“ es tat, „durch welche Hilfsmittel“ oder „Instrumente“ er es tat, „was“ er tat, „wo“ er es tat, „warum“ er es tat, „wie“ und „wann“ er es tat. Aber Aristoteles fügt in Ethic. iii, 1 noch einen weiteren hinzu, nämlich „worum“ [bzw. worüber], was Tullius in dem Umstand „was“ einschließt.
Der Grund für diese Aufzählung kann wie folgt dargelegt werden. Denn ein Umstand wird als etwas beschrieben, das außerhalb der Substanz der Handlung liegt und sie doch in einer Weise berührt. Dies geschieht nun auf drei Arten: erstens, insofern er die Handlung selbst berührt; zweitens, insofern er die Ursache der Handlung berührt; drittens, insofern er die Wirkung berührt. Er berührt die Handlung selbst, entweder nach Art eines Maßes, wie „Zeit“ und „Ort“; oder indem er die Handlung qualifiziert, wie der „Modus des Handelns“. Er berührt die Wirkung, wenn wir betrachten, „was“ getan wird. Er berührt die Ursache der Handlung, hinsichtlich der Finalursache durch den Umstand „warum“; hinsichtlich der Materialursache oder des Objekts im Umstand „worum“; hinsichtlich der hauptsächlichen Wirkursache im Umstand „wer“; und hinsichtlich der instrumentalen Wirkursache im Umstand „durch welche Hilfsmittel“.
Antwort auf Einwand 1: Zeit und Ort umgeben [circumstant] die Handlung nach Art eines Maßes; aber die anderen umgeben die Handlung, indem sie sie auf irgendeine andere Weise berühren, während sie der Substanz der Handlung äußerlich sind.
Antwort auf Einwand 2: Dieser Modus „gut“ oder „schlecht“ ist kein Umstand, sondern resultiert aus allen Umständen. Aber der Modus, der sich auf eine Qualität der Handlung bezieht, ist ein spezieller Umstand; zum Beispiel, dass ein Mensch schnell oder langsam geht; dass er hart oder sanft schlägt, und so weiter.
Antwort auf Einwand 3: Eine Bedingung der Ursache, von der die Substanz der Handlung abhängt, ist kein Umstand; es muss eine zusätzliche Bedingung sein. So ist es in Bezug auf das Objekt kein Umstand des Diebstahls, dass das Objekt das Eigentum eines anderen ist, denn dies gehört zur Substanz der Handlung; sondern dass es groß oder klein ist. Und dasselbe gilt für die anderen Umstände, die in Bezug auf die anderen Ursachen betrachtet werden. Denn das Ziel, das die Handlung spezifiziert, ist kein Umstand, sondern irgendein zusätzliches Ziel. So ist es kein Umstand, dass ein tapferer Mann „tapfer um des Gutes der Tugend oder der Tapferkeit willen“ handelt; wohl aber, wenn er tapfer handelt um der Befreiung des Staates oder der Christenheit oder eines solchen Zweckes willen. Dasselbe ist in Bezug auf den Umstand „was“ zu sagen; denn dass ein Mensch, indem er Wasser über jemanden gießt, ihn zufällig wäscht, ist kein Umstand des Waschens; wohl aber, dass er ihm dabei eine Erkältung zufügt oder ihn verbrüht; ihn heilt oder ihm schadet, dies sind Umstände.