I-II, q. 37 a. 3
Ob Trauer oder Schmerz jede Tätigkeit schwächt?
Quaestio 37 · Von den Wirkungen des Schmerzes oder der Traurigkeit.
Einwand 1: Es scheint, dass Trauer nicht jede Tätigkeit schwächt. Denn Sorgfalt wird durch Trauer verursacht, wie aus der oben zitierten Stelle des Apostels klar ist (Artikel [2], Einwand [1]). Aber Sorgfalt trägt zu guter Arbeit bei: weshalb der Apostel sagt (2 Tim 2,15): „Bemühe dich sorgfältig, dich darzustellen ... als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht.“ Daher ist Trauer kein Hindernis für die Arbeit, sondern hilft einem, gut zu arbeiten.
Einwand 2: Ferner verursacht Trauer in vielen Fällen Begierde, wie in Ethic. VII, 14 gesagt wird. Begierde aber verursacht Intensität der Handlung. Daher tut dies auch die Trauer.
Einwand 3: Ferner, wie einige Handlungen den Fröhlichen eigen sind, so sind andere den Traurigen eigen; zum Beispiel zu klagen. Nun wird eine Sache durch das verbessert, was ihr angemessen ist. Daher werden gewisse Handlungen durch die Trauer nicht gehindert, sondern verbessert.
Dagegen spricht, dass der Philosoph sagt (Ethic. X, 4), dass „das Vergnügen die Tätigkeit vervollkommnet“, wohingegen andererseits „die Trauer sie hindert“ (Ethic. X, 5).
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel [2]), die Trauer die Seele zuweilen nicht so niederdrückt oder verzehrt, dass sie jede Bewegung, innerlich oder äußerlich, ausschließt; sondern gewisse Bewegungen werden manchmal durch die Trauer selbst verursacht. Dementsprechend steht die Handlung in einer zweifachen Beziehung zur Trauer. Erstens, als Gegenstand der Trauer: und so hindert die Trauer jede Handlung: denn wir tun niemals das, was wir mit Trauer tun, so gut wie das, was wir mit Vergnügen oder ohne Trauer tun. Der Grund dafür ist, dass der Wille die Ursache der menschlichen Handlungen ist: und folglich, wenn wir etwas tun, das Schmerz bereitet, muss die Handlung infolgedessen notwendigerweise geschwächt werden. Zweitens steht die Handlung in Beziehung zur Trauer wie zu ihrem Prinzip und ihrer Ursache: und eine solche Handlung muss durch die Trauer notwendigerweise verbessert werden: so strebt man, je mehr man wegen einer bestimmten Sache trauert, desto mehr danach, die Trauer abzuschütteln, vorausgesetzt es besteht eine Hoffnung, sie abzuschütteln: andernfalls würde aus dieser Trauer keine Bewegung oder Handlung resultieren.
Aus dem Gesagten sind die Antworten auf die Einwände ersichtlich.