I-II, q. 16 a. 3
Ob der Gebrauch auch das letzte Ziel betrifft?
Quaestio 16 · Vom Gebrauch, der ein Akt des Willens in Bezug auf die Mittel ist.
Einwand 1: Es scheint, dass der Gebrauch auch das letzte Ziel betreffen kann. Denn Augustinus sagt (De Trin. x, 11): „Wer genießt, gebraucht.“ Aber der Mensch genießt das letzte Ziel. Also gebraucht er das letzte Ziel.
Einwand 2: Ferner: „Gebrauchen heißt, etwas dem Zweck des Willens anheimstellen“ (De Trin. x, 11). Aber das letzte Ziel ist mehr als alles andere Gegenstand der Anwendung des Willens. Daher kann es Gegenstand des Gebrauchs sein.
Einwand 3: Ferner sagt Hilarius (De Trin. ii), dass „die Ewigkeit im Vater ist, die Ähnlichkeit im Bild“, d.h. im Sohn, „der Gebrauch in der Gabe“, d.h. im Heiligen Geist. Aber der Heilige Geist ist, da Er Gott ist, das letzte Ziel. Daher kann das letzte Ziel Gegenstand des Gebrauchs sein.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (Quaest. 83, qu. 30): „Niemand gebraucht Gott recht, sondern man genießt Ihn.“ Aber Gott allein ist das letzte Ziel. Daher können wir das letzte Ziel nicht gebrauchen.
Ich antworte darauf, dass der Gebrauch, wie oben gesagt (Artikel [1]), die Anwendung eines Dinges auf ein anderes besagt. Nun wird das, was auf ein anderes angewandt wird, im Lichte eines Mittels zum Zweck betrachtet; und folglich betrifft der Gebrauch immer die Mittel. Aus diesem Grund werden Dinge, die für einen bestimmten Zweck geeignet sind, „nützlich“ genannt; ja, ihre Nützlichkeit selbst wird manchmal Gebrauch genannt.
Es muss jedoch beachtet werden, dass das letzte Ziel auf zweifache Weise aufgefasst werden kann: erstens schlechthin; zweitens in Bezug auf ein Individuum. Da nämlich das Ziel, wie oben dargelegt (Frage [1], Artikel [8]; Frage [2], Artikel [7]), manchmal das Ding selbst bezeichnet und manchmal die Erlangung oder den Besitz dieses Dinges (so ist das Ziel des Geizhalses entweder das Geld oder der Besitz desselben), ist es offensichtlich, dass, schlechthin gesprochen, das letzte Ziel das Ding selbst ist; denn der Besitz von Geld ist nur gut, insofern im Geld irgendein Gut ist. Aber in Bezug auf das Individuum ist die Erlangung des Geldes das letzte Ziel; denn der Geizhals würde nicht nach Geld streben, außer damit er es habe. Daher genießt ein Mensch, schlechthin und eigentlich gesprochen, das Geld, weil er sein letztes Ziel darin setzt; aber insofern er danach strebt, es zu besitzen, sagt man, dass er es gebraucht.
Antwort auf Einwand 1: Augustinus spricht vom Gebrauch im Allgemeinen, insofern er die Beziehung eines Ziels auf den Genuss impliziert, den ein Mensch in diesem Ziel sucht.
Antwort auf Einwand 2: Das Ziel wird dem Zweck des Willens anheimgestellt, damit der Wille darin Ruhe finde. Folglich wird dieses Ruhen im Ziel, welches dessen Genuss ist, in diesem Sinne Gebrauch des Ziels genannt. Aber die Mittel werden dem Zweck des Willens anheimgestellt, nicht nur indem sie als Mittel gebraucht werden, sondern als auf etwas anderes hingeordnet, worin der Wille Ruhe findet.
Antwort auf Einwand 3: Die Worte des Hilarius beziehen sich auf den Gebrauch, wie er auf das Ruhen im letzten Ziel anwendbar ist; so wie man, in einem allgemeinen Sinne sprechend, sagen kann, dass jemand das Ziel gebraucht, um es zu erlangen, wie oben gesagt. Daher sagt Augustinus (De Trin. vi, 10), dass „diese Liebe, Wonne, Glückseligkeit oder Seligkeit von ihm Gebrauch genannt wird.“