I-II, q. 16 a. 1
Ob der Gebrauch ein Akt des Willens ist?
Quaestio 16 · Vom Gebrauch, der ein Akt des Willens in Bezug auf die Mittel ist.
Einwand 1: Es scheint, dass der Gebrauch kein Akt des Willens ist. Denn Augustinus sagt (De Doctr. Christ. i, 4), dass „gebrauchen heißt, das, was Gegenstand des Gebrauchs ist, auf die Erlangung von etwas anderem zu beziehen.“ Aber etwas auf etwas anderes zu „beziehen“, ist ein Akt der Vernunft, der das Vergleichen und Lenken zukommt. Daher ist der Gebrauch ein Akt der Vernunft und nicht des Willens.
Einwand 2: Ferner sagt Damascenus (De Fide Orth. ii, 22), dass der Mensch „zur Tätigkeit schreitet, und dies wird Antrieb genannt; dann macht er Gebrauch (von den Vermögen), und dies wird Gebrauch genannt.“ Die Tätigkeit aber gehört zur ausführenden Kraft; und der Akt des Willens folgt nicht auf den Akt der ausführenden Kraft, im Gegenteil, die Ausführung kommt zuletzt. Daher ist der Gebrauch kein Akt des Willens.
Einwand 3: Ferner sagt Augustinus (Quaest. 83, qu. 30): „Alle Dinge, die gemacht wurden, wurden zum Gebrauch des Menschen gemacht, weil die Vernunft, mit der der Mensch begabt ist, alle Dinge durch ihr Urteil über sie gebraucht.“ Das Urteil über die von Gott geschaffenen Dinge gehört aber zur spekulativen Vernunft, die vom Willen, welcher das Prinzip menschlicher Handlungen ist, gänzlich verschieden zu sein scheint. Daher ist der Gebrauch kein Akt des Willens.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (De Trin. x, 11): „Gebrauchen heißt, etwas dem Zweck des Willens anheimstellen.“
Ich antworte darauf, dass der Gebrauch eines Dinges die Anwendung dieses Dinges auf eine Tätigkeit besagt: daher wird die Tätigkeit, auf die wir ein Ding anwenden, sein Gebrauch genannt; so ist der Gebrauch eines Pferdes das Reiten und der Gebrauch eines Stockes das Schlagen. Nun wenden wir auf eine Tätigkeit nicht nur die inneren Prinzipien des Handelns an, nämlich die Vermögen der Seele oder die Glieder des Leibes – wie den Verstand zum Verstehen und das Auge zum Sehen –, sondern auch äußere Dinge, wie einen Stock zum Schlagen. Es ist aber offensichtlich, dass wir äußere Dinge nur durch die inneren Prinzipien auf eine Tätigkeit anwenden, welche entweder die Vermögen der Seele sind oder die Habitus dieser Vermögen oder die Organe, die Teile des Leibes sind. Nun wurde oben gezeigt (Frage [9], Artikel [1]), dass es der Wille ist, der die Vermögen der Seele zu ihren Akten bewegt, und dies bedeutet, sie auf die Tätigkeit anzuwenden. Daher ist es offensichtlich, dass der Gebrauch erstens und hauptsächlich dem Willen als erstem Beweger zukommt; der Vernunft als lenkender Instanz; und den anderen Vermögen als jenen, die die Tätigkeit ausführen, wobei diese Vermögen sich zu dem Willen, der sie zum Akt anwendet, verhalten wie die Werkzeuge zur wirkenden Hauptursache. Nun wird das Handeln eigentlich nicht dem Werkzeug zugeschrieben, sondern der Hauptursache, wie das Bauen dem Baumeister zugeschrieben wird, nicht seinen Werkzeugen. Daher ist es offensichtlich, dass der Gebrauch, eigentlich gesprochen, ein Akt des Willens ist.
Antwort auf Einwand 1: Die Vernunft bezieht zwar ein Ding auf ein anderes; aber der Wille strebt zu dem, was von der Vernunft auf etwas anderes bezogen wird. Und in diesem Sinne heißt gebrauchen, ein Ding auf ein anderes beziehen.
Antwort auf Einwand 2: Damascenus spricht vom Gebrauch, insofern er zu den ausführenden Vermögen gehört.
Antwort auf Einwand 3: Auch die spekulative Vernunft wird vom Willen auf den Akt des Verstehens oder Urteilens angewandt. Folglich sagt man, dass die spekulative Vernunft gebraucht, insofern sie vom Willen bewegt wird, auf die gleiche Weise wie die anderen Vermögen.