I-II, q. 16 a. 2
Ob sich der Gebrauch bei den vernunftlosen Tieren findet?
Quaestio 16 · Vom Gebrauch, der ein Akt des Willens in Bezug auf die Mittel ist.
Einwand 1: Es scheint, dass sich der Gebrauch bei den vernunftlosen Tieren findet. Denn es ist besser zu genießen als zu gebrauchen, weil, wie Augustinus sagt (De Trin. x, 10): „Wir gebrauchen Dinge, indem wir sie auf etwas anderes beziehen, das wir genießen wollen.“ Aber das Genießen findet sich bei den vernunftlosen Tieren, wie oben dargelegt wurde (Frage [11], Artikel [2]). Umso mehr ist es ihnen also möglich zu gebrauchen.
Einwand 2: Ferner: Die Glieder auf eine Handlung anzuwenden, heißt, sie zu gebrauchen. Aber vernunftlose Tiere wenden ihre Glieder auf Handlungen an; zum Beispiel ihre Füße zum Gehen, ihre Hörner zum Stoßen. Daher ist es vernunftlosen Tieren möglich zu gebrauchen.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (Quaest. 83, qu. 30): „Nichts außer einem vernunftbegabten Lebewesen kann von einer Sache Gebrauch machen.“
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel [1]), gebrauchen heißt, ein aktives Prinzip auf eine Handlung anzuwenden: so heißt zustimmen, die strebende Bewegung auf das Begehren von etwas anzuwenden, wie oben dargelegt (Frage [15], Artikel [1], 2, 3). Nun kann nur derjenige ein Ding auf etwas anderes anwenden, der die Verfügungsgewalt über dieses Ding hat; und dies kommt nur jenem zu, der weiß, wie man es auf etwas anderes bezieht, was ein Akt der Vernunft ist. Und deshalb stimmt nur ein vernunftbegabtes Lebewesen zu und gebraucht.
Antwort auf Einwand 1: Genießen besagt die absolute Bewegung des Begehrens hin zum Begehrenswerten: Gebrauchen hingegen besagt eine Bewegung des Begehrens zu etwas, insofern es auf etwas anderes hingeordnet ist. Wenn wir daher Gebrauch und Genuss hinsichtlich ihrer Objekte vergleichen, ist der Genuss besser als der Gebrauch; denn das, was absolut begehrenswert ist, ist besser als das, was nur als auf etwas anderes hingeordnet begehrenswert ist. Wenn wir sie aber hinsichtlich der Erkenntniskraft vergleichen, die ihnen vorausgeht, so ist auf Seiten des Gebrauchs eine größere Vorzüglichkeit erforderlich: denn ein Ding auf ein anderes hinzuordnen, ist ein Akt der Vernunft; wohingegen etwas absolut zu erfassen, sogar in der Kompetenz des Sinnes liegt.
Antwort auf Einwand 2: Tiere tun mittels ihrer Glieder etwas aus natürlichem Instinkt, nicht durch Erkenntnis der Beziehung ihrer Glieder zu diesen Tätigkeiten. Daher wenden sie, eigentlich gesprochen, ihre Glieder nicht zur Handlung an, noch gebrauchen sie sie.