I-II, q. 12 a. 5
Ob die Intention vernunftlosen Tieren zukommt?
Quaestio 12 · Von der Absicht
Einwand 1: Es scheint, dass vernunftlose Tiere das Ziel intendieren. Denn in Dingen, die der Vernunft ermangeln, steht die Natur der vernünftigen Natur ferner als die sinnliche Natur in vernunftlosen Tieren. Aber die Natur intendiert das Ziel sogar in Dingen, die der Vernunft ermangeln, wie in Phys. ii, 8 bewiesen wird. Viel mehr also intendieren vernunftlose Tiere das Ziel.
Einwand 2: Ferner, so wie die Intention auf das Ziel geht, so auch der Genuss. Aber Genuss findet sich in vernunftlosen Tieren, wie oben gesagt (Quaestio [11], Artikel [2]). Also auch die Intention.
Einwand 3: Ferner gehört das Intendieren eines Ziels zu dem, der um eines Ziels willen handelt; da Intendieren nichts anderes ist, als auf etwas zu tendieren. Aber vernunftlose Tiere handeln um eines Ziels willen; denn ein Tier wird bewegt, entweder um Nahrung zu suchen oder um etwas dergleichen zu tun. Also intendieren vernunftlose Tiere ein Ziel.
Dagegen spricht, dass die Intention eines Ziels das Hinordnen von etwas auf ein Ziel impliziert: was zur Vernunft gehört. Da also vernunftlose Tiere der Vernunft ermangeln, scheint es, dass sie kein Ziel intendieren.
Ich antworte darauf, dass, wie oben gesagt (Artikel [1]), Intendieren bedeutet, auf etwas zu tendieren; und dies gehört zum Bewegenden und zum Bewegten. Insofern also das, was von einem anderen zu einem Ziel bewegt wird, als das Ziel intendierend bezeichnet wird, so wird gesagt, dass die Natur ein Ziel intendiert, da sie von Gott zu ihrem Ziel bewegt wird, wie der Pfeil vom Schützen bewegt wird. Und auf diese Weise intendieren vernunftlose Tiere ein Ziel, insofern sie durch natürlichen Instinkt zu etwas bewegt werden. Die andere Art, ein Ziel zu intendieren, gehört dem Bewegenden zu; insofern er die Bewegung von etwas, entweder seine eigene oder die eines anderen, auf ein Ziel hinordnet. Dies gehört allein der Vernunft zu. Daher intendieren vernunftlose Tiere auf diese Weise kein Ziel, was das eigentliche und prinzipielle Intendieren ist, wie oben gesagt (Artikel [1]).
Antwort auf Einwand 1: Dieses Argument nimmt Intention im Sinne von „zu einem Ziel bewegt werden“.
Antwort auf Einwand 2: Genuss impliziert nicht das Hinordnen einer Sache auf eine andere, wie die Intention es tut, sondern absolute Ruhe im Ziel.
Antwort auf Einwand 3: Vernunftlose Tiere werden zu einem Ziel bewegt, nicht als ob sie dächten, dass sie das Ziel durch diese Bewegung erreichen können; dies gehört zu einem, der intendiert; sondern indem sie das Ziel durch natürlichen Instinkt begehren, werden sie zu einem Ziel bewegt, gleichsam von einem anderen bewegt, wie andere Dinge, die natürlich bewegt werden.