I, q. 67 a. 1
Ob das Wort "Licht" im eigentlichen Sinne gebraucht wird, wenn von geistigen Dingen die Rede ist?
Quaestio 67 · Vom Werk der Unterscheidung an sich
Einwand 1: Es scheint, dass "Licht" in geistigen Dingen im eigentlichen Sinne gebraucht wird. Denn Augustinus sagt (Gen. ad lit. iv, 28), dass "in geistigen Dingen das Licht besser und gewisser ist; und dass Christus nicht im selben Sinne Licht genannt wird, wie er Eckstein genannt wird; ersteres ist wörtlich zu nehmen, letzteres metaphorisch."
Einwand 2: Ferner zählt Dionysius (Div. Nom. iv) das Licht zu den intellektuellen Namen Gottes. Solche Namen aber werden in geistigen Dingen im eigentlichen Sinne gebraucht. Also wird Licht in geistigen Angelegenheiten im eigentlichen Sinne verwendet.
Einwand 3: Ferner sagt der Apostel (Eph 5,13): "Alles, was offenbar wird, ist Licht." Aber offenbar gemacht zu werden, kommt eher den geistigen Dingen zu als den körperlichen. Also gilt dies auch für das Licht.
Dagegen spricht, dass Ambrosius sagt (De Fide ii), "Glanz" gehöre zu jenen Dingen, die von Gott metaphorisch ausgesagt werden.
Ich antworte darauf, dass ein Wort auf zweierlei Weise gebraucht werden kann – nämlich entweder gemäß seiner ursprünglichen Beilegung oder gemäß seinem erweiterten Gebrauch. Dies zeigt sich deutlich am Wort "Sehen", das ursprünglich auf den Akt des Sinnes angewandt wurde und dann, da das Sehen der edelste und zuverlässigste der Sinne ist, im allgemeinen Sprachgebrauch auf jede Erkenntnis ausgedehnt wurde, die durch die anderen Sinne erlangt wird. So sagen wir: "Sieh, wie es schmeckt" oder "riecht" oder "brennt". Ferner wird das Sehen auf die Erkenntnis angewandt, die durch den Intellekt erlangt wird, wie in jenen Worten: "Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen" (Mt 5,8). Und so verhält es sich auch mit dem Wort Licht. In seiner primären Bedeutung bezeichnet es das, was dem Sehsinn etwas offenbar macht; danach wurde es auf das ausgedehnt, was der Erkenntnis jeglicher Art etwas offenbar macht. Wenn also das Wort in seiner strengen und primären Bedeutung genommen wird, ist es metaphorisch zu verstehen, wenn es auf geistige Dinge angewandt wird, wie Ambrosius sagt (De Fide ii). Wenn es aber in seinem allgemeinen und erweiterten Gebrauch genommen wird, wie es auf jede Art von Offenbarung angewandt wird, so kann es im eigentlichen Sinne auf geistige Dinge angewandt werden.
Die Antwort auf die Einwände ergibt sich hinreichend aus dem Gesagten.