I, q. 65 a. 3
Ob die körperlichen Geschöpfe von Gott durch die Vermittlung der Engel hervorgebracht wurden?
Quaestio 65 · Das Werk der Schöpfung der körperlichen Geschöpfe
Einwand 1: Es scheint, dass die körperlichen Geschöpfe von Gott durch die Vermittlung der Engel hervorgebracht wurden. Denn wie alle Dinge durch die göttliche Weisheit regiert werden, so wurden durch sie alle Dinge gemacht, gemäß Ps 103,24: „Du hast alles in Weisheit gemacht.“ Aber „es gehört zur Weisheit, zu ordnen“, wie am Anfang der Metaphysik (I, 2) gesagt wird. Daher wird in der Regierung der Dinge das Niedere durch das Höhere in einer gewissen angemessenen Ordnung regiert, wie Augustinus sagt (De Trin. iii, 4). Deshalb war es bei der Hervorbringung der Dinge so geordnet, dass das Körperliche durch das Geistige hervorgebracht werden sollte, wie das Niedere durch das Höhere.
Einwand 2: Ferner zeigt die Verschiedenheit der Wirkungen eine Verschiedenheit der Ursachen an, da Gleiches immer Gleiches hervorbringt. Wenn also alle Geschöpfe, sowohl die geistigen als auch die körperlichen, unmittelbar von Gott hervorgebracht wurden, gäbe es keine Verschiedenheit in den Geschöpfen, denn eines wäre nicht weiter von Gott entfernt als ein anderes. Dies ist aber offensichtlich falsch; denn der Philosoph sagt, dass einige Dinge vergänglich sind, weil sie weit von Gott entfernt sind (De Gen. et Corrup. ii, text. 59).
Einwand 3: Ferner ist keine unendliche Macht erforderlich, um eine endliche Wirkung hervorzubringen. Aber jedes körperliche Ding ist endlich. Daher konnte es durch die endliche Macht geistiger Geschöpfe hervorgebracht werden und wurde es auch: denn in solchen Wesen gibt es keinen Unterschied zwischen dem, was ist, und dem, was möglich ist; zumal keine Würde, die einer Natur geziemt, dieser Natur verweigert wird, es sei denn zur Strafe für einen Fehler.
Dagegen spricht, dass es heißt (Gen 1,1): „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“; worunter die körperlichen Geschöpfe verstanden werden. Diese wurden also unmittelbar von Gott hervorgebracht.
Ich antworte darauf, dass einige behauptet haben, die Geschöpfe seien stufenweise von Gott ausgegangen, dergestalt, dass das erste Geschöpf unmittelbar von Ihm ausging und seinerseits ein anderes hervorbrachte, und so weiter bis zur Hervorbringung der körperlichen Geschöpfe. Aber diese Position ist unhaltbar, da die erste Hervorbringung der körperlichen Geschöpfe durch Schöpfung geschieht, durch welche die Materie selbst hervorgebracht wird: denn im Akt des Entstehens muss das Unvollkommene vor dem Vollkommenen gemacht werden: und es ist unmöglich, dass irgendetwas geschaffen werde, außer von Gott allein.
Zum Beweis dessen muss man bedenken, dass, je höher die Ursache ist, desto zahlreicher die Objekte sind, auf die sich ihre Verursachung erstreckt. Nun ist das zugrundeliegende Prinzip in den Dingen immer allgemeiner als das, was es formt und einschränkt; so ist das Sein allgemeiner als das Leben, das Leben als das Verstehen, die Materie als die Form. Je weiter also eine Sache anderen zugrunde liegt, desto direkter geht diese Sache von einer höheren Ursache aus. So gehört das Ding, das primär allen Dingen zugrunde liegt, eigentlich zur Kausalität der höchsten Ursache. Daher kann keine sekundäre Ursache etwas hervorbringen, es sei denn, in dem hervorgebrachten Ding wird etwas vorausgesetzt, das von einer höheren Ursache verursacht ist. Die Schöpfung aber ist die Hervorbringung eines Dinges in seiner ganzen Substanz, wobei nichts vorausgesetzt wird, weder Ungeschaffenes noch Geschaffenes. Daher bleibt es dabei, dass nichts schaffen kann außer Gott allein, der die erste Ursache ist. Um also zu zeigen, dass alle Körper unmittelbar von Gott geschaffen wurden, sagte Moses: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“
Antwort auf Einwand 1: In der Hervorbringung der Dinge existiert eine Ordnung, aber nicht so, dass ein Geschöpf von einem anderen geschaffen wird, denn das ist unmöglich; sondern vielmehr so, dass durch die göttliche Weisheit verschiedene Stufen in den Geschöpfen konstituiert werden.
Antwort auf Einwand 2: Gott selbst hat, obwohl er einer ist, Kenntnis von vielen und verschiedenen Dingen ohne Beeinträchtigung der Einfachheit Seiner Natur, wie oben gezeigt wurde (Frage [15], Artikel [2]); so dass Er durch Seine Weisheit die Ursache verschiedener Dinge ist, wie sie von Ihm erkannt werden, so wie auch ein Künstler, indem er verschiedene Formen erfasst, verschiedene Kunstwerke hervorbringt.
Antwort auf Einwand 3: Das Ausmaß der Macht eines Wirkenden bemisst sich nicht nur nach dem gemachten Ding, sondern auch nach der Art und Weise, es zu machen; denn ein und dasselbe Ding wird auf eine Weise durch eine höhere Macht gemacht, auf eine andere durch eine niedrigere. Aber die Hervorbringung endlicher Dinge, wo nichts als existierend vorausgesetzt wird, ist das Werk unendlicher Macht und kann als solches keinem Geschöpf zukommen.