I, q. 33 a. 2
Ob dieser Name "Vater" eigentlich der Name einer göttlichen Person ist?
Quaestio 33 · Von der Person des Vaters
Einwand 1: Es scheint, dass dieser Name "Vater" nicht eigentlich der Name einer göttlichen Person ist. Denn der Name "Vater" bezeichnet eine Beziehung. "Person" aber ist eine individuelle Substanz. Daher ist dieser Name "Vater" nicht eigentlich ein Name, der eine Person bezeichnet.
Einwand 2: Ferner ist ein Erzeuger allgemeiner als Vater; denn jeder Vater zeugt; aber nicht umgekehrt. Ein allgemeinerer Begriff aber wird Gott eigentlicher zugeschrieben, wie oben dargelegt (Frage [13], Artikel [11]). Daher ist der eigentlichere Name der göttlichen Person Erzeuger und Genitor als Vater.
Einwand 3: Ferner kann ein metaphorischer Begriff nicht der Eigenname von jemandem sein. Das Wort aber wird von uns metaphorisch Gezeugtes oder Nachkomme genannt; und folglich wird der, von dem das Wort ist, metaphorisch Vater genannt. Daher wird das Prinzip des Wortes in Gott nicht eigentlich Vater genannt.
Einwand 4: Ferner wird alles, was eigentlich von Gott ausgesagt wird, von Gott zuerst vor den Geschöpfen ausgesagt. Die Zeugung aber scheint auf die Geschöpfe eher zuzutreffen als auf Gott; weil die Zeugung wahrer zu sein scheint, wenn derjenige, der hervorgeht, von demjenigen, von dem er hervorgeht, nicht nur durch die Beziehung, sondern auch durch die Wesenheit unterschieden ist. Daher scheint der Name "Vater", der von der Zeugung hergenommen ist, nicht der eigentliche Name irgendeiner göttlichen Person zu sein.
Dagegen spricht, dass es heißt (Ps 88,27): "Er wird zu mir rufen: Du bist mein Vater."
Ich antworte darauf, dass der Eigenname einer jeden Person das bezeichnet, wodurch die Person von allen anderen Personen unterschieden wird. Denn wie Leib und Seele zur Natur des Menschen gehören, so gehören zum Begriff dieses bestimmten Menschen diese bestimmte Seele und dieser bestimmte Leib; und durch diese wird dieser bestimmte Mensch von allen anderen Menschen unterschieden. Nun ist es die Vaterschaft, die die Person des Vaters von allen anderen Personen unterscheidet. Daher ist dieser Name "Vater", durch den die Vaterschaft bezeichnet wird, der Eigenname der Person des Vaters.
Antwort auf Einwand 1: Bei uns ist die Beziehung keine subsistierende Person. So bezeichnet dieser Name "Vater" bei uns keine Person, sondern die Beziehung einer Person. In Gott jedoch ist es nicht so, wie einige fälschlich dachten; denn in Gott ist die durch den Namen "Vater" bezeichnete Beziehung eine subsistierende Person. Daher bezeichnet, wie oben erklärt (Frage [29], Artikel [4]), dieser Name "Person" in Gott eine in der göttlichen Natur subsistierende Beziehung.
Antwort auf Einwand 2: Gemäß dem Philosophen (De Anima ii, Text 49) wird ein Ding hauptsächlich nach seiner Vollkommenheit und nach seinem Ziel benannt. Nun bezeichnet Zeugung etwas im Werden Begriffenes, während Vaterschaft die Vervollständigung der Zeugung bezeichnet; und deshalb ist der Name "Vater" hinsichtlich der göttlichen Person ausdrucksstärker als Genitor oder Erzeuger.
Antwort auf Einwand 3: In der menschlichen Natur ist das Wort keine Subsistenz und wird daher nicht eigentlich Gezeugtes oder Sohn genannt. Aber das göttliche Wort ist etwas Subsistierendes in der göttlichen Natur; und daher wird Es eigentlich und nicht metaphorisch Sohn genannt, und Sein Prinzip wird Vater genannt.
Antwort auf Einwand 4: Die Begriffe "Zeugung" und "Vaterschaft" werden wie die anderen Begriffe, die eigentlich auf Gott angewandt werden, von Gott vor den Geschöpfen ausgesagt hinsichtlich der bezeichneten Sache, aber nicht hinsichtlich der Bezeichnungsweise. Daher sagt auch der Apostel: "Ich beuge meine Knie vor dem Vater meines Herrn Jesus Christus, von dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden benannt wird" (Eph 3,14). Dies wird so erklärt: Es ist offenkundig, dass die Zeugung ihre Spezies von dem Terminus empfängt, der die Form des Gezeugten ist; und je näher sie der Form des Erzeugers ist, desto wahrer und vollkommener ist die Zeugung; wie die univoke Zeugung vollkommener ist als die nicht-univoke, denn es gehört zum Wesen eines Erzeugers, das zu erzeugen, was ihm in der Form gleich ist. Daher zeigt gerade die Tatsache, dass in der göttlichen Zeugung die Form des Erzeugers und des Gezeugten numerisch dieselbe ist, während sie in den Geschöpfen nicht numerisch, sondern nur spezifisch dieselbe ist, dass Zeugung, und folglich Vaterschaft, auf Gott vor den Geschöpfen angewandt wird. Daher gehört gerade die Tatsache, dass in Gott eine Unterscheidung des Gezeugten vom Erzeuger nur hinsichtlich der Beziehung existiert, zur Wahrheit der göttlichen Zeugung und Vaterschaft.