I, q. 26 a. 4
Ob jede andere Seligkeit in der Seligkeit Gottes eingeschlossen ist?
Quaestio 26 · Von der göttlichen Seligkeit
Einwand 1: Es scheint, dass die göttliche Seligkeit nicht alle anderen Seligkeiten umfasst. Denn es gibt einige falsche Seligkeiten. Aber nichts Falsches kann in Gott sein. Also umfasst die göttliche Seligkeit nicht alle anderen Seligkeiten.
Einwand 2: Ferner besteht eine gewisse Seligkeit nach einigen in körperlichen Dingen; wie in Vergnügen, Reichtum und dergleichen. Nun hat nichts davon mit Gott zu tun, da er unkörperlich ist. Also umfasst seine Seligkeit nicht alle anderen Seligkeiten.
Dagegen spricht: Seligkeit ist eine gewisse Vollkommenheit. Aber die göttliche Vollkommenheit umfasst jede andere Vollkommenheit, wie oben gezeigt wurde (Frage [4], Artikel [2]). Also umfasst die göttliche Seligkeit alle anderen Seligkeiten.
Ich antworte darauf, dass alles, was in irgendeiner Seligkeit wünschenswert ist, sei sie wahr oder falsch, gänzlich und in vorzüglicherem Grade in der göttlichen Seligkeit zuvor existiert. Was das beschauliche Glück betrifft, so besitzt Gott eine stetige und gewisseste Betrachtung seiner selbst und aller anderen Dinge; und was das aktive betrifft, so hat er die Lenkung des ganzen Universums. Was das irdische Glück betrifft, das in Vergnügen, Reichtum, Macht, Würde und Ruhm besteht, nach Boethius (De Consol. iii, 10), so besitzt er Freude an sich selbst und an allen anderen Dingen zu seinem Vergnügen; statt Reichtum hat er jene vollkommene Selbstgenügsamkeit, die durch Reichtum versprochen wird; anstelle von Macht hat er die Allmacht; für Würden die Regierung aller Dinge; und anstelle von Ruhm besitzt er die Bewunderung aller Geschöpfe.
Antwort auf Einwand 1: Eine bestimmte Art von Seligkeit ist falsch, insofern sie hinter der Idee der wahren Seligkeit zurückbleibt; und so ist sie nicht in Gott. Aber was immer sie an Schein der Seligkeit hat, wie gering auch immer, das Ganze existiert zuvor in der göttlichen Seligkeit.
Antwort auf Einwand 2: Das Gute, das in den körperlichen Dingen auf körperliche Weise existiert, ist auch in Gott, aber auf geistige Weise.
Wir haben nun genug über das gesprochen, was zur Einheit der göttlichen Wesenheit gehört.