I, q. 26 a. 2
Ob Gott hinsichtlich seines Intellekts selig genannt wird?
Quaestio 26 · Von der göttlichen Seligkeit
Einwand 1: Es scheint, dass Gott nicht hinsichtlich seines Intellekts selig genannt wird. Denn Seligkeit ist das höchste Gut. Das Gute aber wird von Gott hinsichtlich seiner Wesenheit ausgesagt, weil das Gute Bezug auf das Sein hat, welches gemäß der Wesenheit ist, nach Boethius (De Hebdom.). Also wird auch die Seligkeit von Gott hinsichtlich seiner Wesenheit ausgesagt und nicht hinsichtlich seines Intellekts.
Einwand 2: Ferner schließt Seligkeit den Begriff des Endziels ein. Das Endziel aber ist Gegenstand des Willens, wie auch das Gute. Also wird die Seligkeit in Gott in Bezug auf seinen Willen ausgesagt, und nicht in Bezug auf seinen Intellekt.
Dagegen spricht, was Gregor sagt (Moral. xxxii, 7): „Der ist in der Herrlichkeit, der, während er sich seiner selbst erfreut, keines weiteren Lobes bedarf.“ In der Herrlichkeit zu sein ist aber dasselbe wie selig zu sein. Da wir nun Gott hinsichtlich unseres Intellekts genießen, weil „die Schau der ganze Lohn ist“, wie Augustinus sagt (De Civ. Dei xxii), so scheint es, dass die Seligkeit in Gott hinsichtlich seines Intellekts ausgesagt wird.
Ich antworte darauf, dass die Seligkeit, wie oben gesagt (Artikel [1]), das vollkommene Gut einer geistigen Natur ist. So kommt es, dass, wie alles die Vollkommenheit seiner Natur erstrebt, die geistige Natur von Natur aus danach verlangt, glücklich zu sein. Das Vollkommenste nun in jeder geistigen Natur ist die geistige Tätigkeit, durch welche sie in gewissem Sinne alles erfasst. Daher besteht die Seligkeit jeder geistigen Natur im Erkennen. In Gott nun sind Sein und Erkennen ein und dasselbe; sie unterscheiden sich nur in der Art unseres Verstehens. Daher muss die Seligkeit Gott hinsichtlich seines Intellekts zugeschrieben werden; wie auch den Seligen, die selig [beati] genannt werden aufgrund der Angleichung an seine Seligkeit.
Antwort auf Einwand 1: Dieses Argument beweist, dass die Seligkeit Gott zukommt; nicht jedoch, dass die Seligkeit ihm wesentlich unter dem Aspekt seiner Wesenheit zukommt, sondern vielmehr unter dem Aspekt seines Intellekts.
Antwort auf Einwand 2: Da die Seligkeit ein Gut ist, ist sie Gegenstand des Willens; der Gegenstand aber wird als dem Akt einer Kraft vorausgehend verstanden. Daher geht nach unserer Art zu verstehen die göttliche Seligkeit dem Akt des Willens, der in ihr ruht, voraus. Dies kann nichts anderes sein als der Akt des Intellekts; und so findet sich die Seligkeit in einem Akt des Intellekts.