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„Ich fühle mich völlig von Gott verlassen“ ein Bischof im Gespräch mit einer Büßerin über geistliche Dürre, Skrupel und die Frage: Sucht man Gottes Willen oder nur den süßen Trost? Eine zeitlose Lektion über Demut und Vertrauen.

Lesezeit ca. 15 Min.
Bischof. Vertraut mir in voller Gelassenheit und Freiheit an, welches die Ängste sind, die Euch – wie Ihr sagt – so sehr bedrücken.
Büßerin. Mein Vater, seit etwa drei Jahren sehe ich mich geistlich so dürr und trostlos, dass ich Gott weder im Gebet noch während der eucharistischen Anbetung noch in der Kommunion "finden" kann. Ich fühle mich ohne Liebe, ohne Glauben, ohne Hoffnung. Kurz gesagt, völlig von Gott verlassen.
Weder beim Leiden Christi noch bei der Eucharistie selbst empfinde ich irgendeine Regung der Zärtlichkeit. Ich bin gegenüber jedem Akt der Andacht völlig unempfindlich. Ich halte dafür, und ich gestehe es offen, dass dies alles meinen Sünden geschuldet ist. Ich verdiene die Hölle.
Bischof. Für eine aufrichtige und angemessene Antwort müsste ich die Art Eurer Dürre genau kennen, ob sie freiwillig oder unfreiwillig ist. Ich will es erklären.
Die Dürre heißt freiwillig, wenn die Person freiwillige lässliche Sünden begeht, das heißt mit vollem Bewusstsein, überlegt. Und obendrein sich nicht darum bemüht, sich zu bessern.
Diese Dürre sollte man nicht freiwillig nennen, sondern vielmehr Lauheit.
Wenn die Person nicht versucht, aus dieser Lauheit herauszukommen, wird es gewiss von schlecht zu schlimmer gehen. Und – Gott bewahre – mit der Zeit könnte sie in ein wahres und eigentliches Unglück fallen.
Diese Art von Dürre wird auch ethisches Fieber genannt. Sie tötet nicht sofort, sondern langsam, sie ebnet den Weg zum "Tod".
Die Dürre hingegen heißt unfreiwillig, wenn die Person den Weg der Vollkommenheit zu gehen sucht, sich wohl hütet, Sünden zu begehen, beharrlich betet, die Sakramente häufig empfängt, aber dennoch trotz allem geistliche Dürre verspürt.
Nun zu uns. Ihr habt mir von Sünden des vergangenen Lebens gesprochen, und ich frage Euch: Habt Ihr diese Sünden gebeichtet?
Büßerin. Ja, Monsignore. Ich habe sogar eine Generalbeichte abgelegt, und das mehrmals.
Bischof. Und was hat Euer geistlicher Leiter dazu gesagt?
Büßerin. Er hat mir streng verboten, die Dinge des vergangenen Lebens wieder aufzurühren. Aber ich bleibe leider immer unruhig. Ich fürchte, nicht alles klar und deutlich gebeichtet zu haben.
Außerdem sehe ich mich fortwährend von tausend Versuchungen gegen den Glauben, die Keuschheit, den Hochmut angefochten. In aller Wahrheit suche ich sie nicht sogleich zu verscheuchen. Und ich bleibe in einer gewissen Furcht zurück, ihnen stillschweigend zugestimmt zu haben.
Mein Vater, was sagt Ihr mir dazu? Gebt mir eine passendere Erklärung zu ein wenig geistlichem Trost.
Bischof. Und was sollte ich Euch sagen? Ich sage Euch schlicht, großes Vertrauen zu haben und Eurem geistlichen Leiter stets Gehorsam zu leisten.
Hört diesbezüglich, was der heilige Philipp Neri schreibt[^1]: „Wer seinem geistlichen Leiter gehorcht, muss Gott über seine eigenen Handlungen keine Rechenschaft ablegen."
Der Heilige fügt hinzu: „Man muss dem Beichtvater vertrauen. Gott lässt ihn nicht irren. Es gibt kein sichereres Mittel, sich aus den Schlingen des Teufels zu befreien, als dem eigenen geistlichen Vater in den 'Dingen Gottes' zu gehorchen. Es gibt hingegen nichts Gefährlicheres, als sich auf das eigene Urteil zu verlassen."
Der heilige Franz von Sales2 schreibt, über den Gehorsam gegenüber dem geistlichen Leiter sprechend: „Die wichtigste aller Ermahnungen ist diese: So sehr Ihr auch suchen und forschen möget – sagt der selige Johannes von Avila – Ihr werdet niemals mit Gewissheit den Willen Gottes finden, wenn Ihr nicht den Weg des demütigen Gehorsams geht, der so sehr empfohlen und von den Menschen geistlichen Lebens geübt wird."
Dasselbe schreibt die heilige Teresa von Jesus: „Die Person muss sich dem Beichtvater mit solcher Entschiedenheit anvertrauen, dass sie nicht mehr an ihre eigene Sache denkt, sondern nur an die Worte des Herrn: 'Wer euch hört, hört mich' (Lk 10,16). Diese demütige Unterwerfung gefällt Gott. Bei tausend Kämpfen, mit oder ohne Schmerz, wollen wir uns stets dem Willen Gottes gleichförmig machen."
Der heilige Johannes vom Kreuz3 spricht so im Namen Christi zu uns: „Wenn du dem Beichtvater untreu bist, bist du es auch mir, der ich gesagt habe: 'Wer euch verachtet, verachtet mich selbst'" (vgl. Lk 10,16). Und er fügt hinzu: „Sich dem Beichtvater nicht zu überlassen, ist ein feiner Hochmut und Mangel an Glauben."
Der heilige Franz von Sales4 schlägt drei sehr nützliche Grundsätze vor. Der erste: „Eine gehorsame Person ist noch nie verloren gegangen." Der zweite: „Man muss sich damit begnügen, vom geistlichen Vater zu erfahren, dass man gut voranschreitet, ohne Erklärungen zu verlangen." Dies ist wahrlich ein sehr wichtiger Rat für skrupulöse Seelen, die die Gründe für alles wissen wollen, was ihnen der geistliche Vater auferlegt.
Der dritte ist ebenso nützlich und mit dem zweiten verbunden: „Die beste Lösung ist, blindlings zu gehen, sich der göttlichen Vorsehung anvertrauend, auch inmitten der Finsternis und Ratlosigkeit dieses Lebens."
Es ist zudem gemeinsame Lehre unter den heiligen Vätern und Kirchenlehrern, dass es in Gewissenszweifeln darauf ankommt, dem geistlichen Vater zu gehorchen. Für alle gilt die Lehre des heiligen Bernhard von Clairvaux[^5]: „Wenn etwas im Namen Gottes auferlegt wird, sofern es keine offenkundige Sünde ist, ist es, als ob Gott selbst es geböte."
Der Gehorsam gegenüber den Dienern des Herrn ist also der einzige sicherste Weg, den uns Christus gewiesen hat, um ein zweifelndes Gewissen zu beruhigen. Dafür müssen wir Gott danken. Wie sonst könnte eine skrupulöse Seele in ihren Zweifeln Ruhe finden?
Dieses Leiden der Skrupel – wahre Qual der Menschen, die Gott lieben, mehr noch als Krankheiten, Verfolgungen und andere Leiden – haben fast alle Heiligen erfahren. Die heilige Teresa von Jesus, die heilige Maria Magdalena de' Pazzi, die heilige Johanna Franziska Frémyot de Chantal und andere – wie haben sie die Heiterkeit wiedererlangt? Allein durch den Gehorsam. Was sagt Ihr nun? Seid Ihr überzeugt, dass Ihr, indem Ihr Eurem geistlichen Leiter gehorcht, sicher auf dem Weg Gottes wandelt?
Büßerin. Ja, dessen bin ich gewiss. Wie kommt es aber, dass ich, obwohl ich meinem geistlichen Leiter gehorche, seit mehr als zwei Jahren keine "Andacht" verspüre?
Bischof. Jetzt habe ich verstanden, warum Ihr keinen Frieden findet. Sagt mir aufrichtig: Sucht Ihr den Willen Gottes oder die Tröstungen und geistlichen Süßigkeiten? Wenn Ihr heilig werden wollt, tut von heute an nur noch den Willen Gottes, der Euch heilig haben will, auch wenn er Euch in diesem Leben Tröstungen versagt. Wenn Ihr keine Tröstungen habt, tröstet Euch mit der Hoffnung, den göttlichen Tröster bei Euch zu haben.
Zudem beklagt Ihr Euch über die Dürre, die Ihr seit Jahren erleidet... Wisset, dass die heilige Johanna Franziska Frémyot vierzig Jahre lang unter Dürre litt; die heilige Maria Magdalena de' Pazzi fünf Jahre lang Pein und Versuchungen erlitt, ohne die geringste Erleichterung. Und nach diesen fünf Jahren bat sie selbst den Herrn, ihr in diesem Leben keine fühlbaren Tröstungen mehr zu gewähren.
Der heilige Philipp Neri, obwohl ganz von der Liebe Gottes ergriffen, sagte: „Mein Jesus, ich habe dich nie geliebt, und ich möchte dich lieben." Ein andermal beharrte er: „Noch kenne ich dich nicht, mein Jesus, weil ich dich suche." Und er wiederholte: „Ich möchte dich lieben, mein Jesus, aber ich finde den Weg nicht. Ich suche dich und finde dich nicht." So die Heiligen.
Und Ihr lebt im Schrecken, weil Ihr Euch dürr fühlt und Gott nicht so findet, wie Ihr ihn finden möchtet?
Büßerin. Ja, Monsignore, aber das waren Heilige. Ich weiß nicht, ob Gott mir alle Beleidigungen vergeben hat, die ich ihm zugefügt habe, da ich nicht weiß, ob ich wirklich Schmerz darüber empfinde.
Bischof. Aber nein! Gefallt Ihr Euch etwa an den begangenen Sünden?
Büßerin. Nein, nein, Monsignore. Ich verabscheue und hasse sie mehr als den Tod.
Bischof. Wie könnt Ihr dann bezweifeln, dass Gott Euch vergeben hat? Die heiligen Väter versichern uns, dass, wer das begangene Böse hasst, der Vergebung Gottes sicher sein kann. Und außerdem ist es gewiss – so schreibt die heilige Teresa von Jesus –, dass, wer entschlossen ist, lieber zu sterben, als Gott zu beleidigen, mit Gewissheit annehmen darf, bereut zu haben und von Gott vergeben zu sein.
Sagt mir also: Seid Ihr wirklich entschlossen, jede Pein zu ertragen, um nur nicht die göttliche Gnade zu verlieren?
Büßerin. Das ja, mein Monsignore. Ja mehr noch, mit Gottes Hilfe bin ich entschlossen, mich in Stücke reißen zu lassen, um nur nicht eine Sünde, auch nur eine lässliche, mit offenen Augen zu begehen.
Bischof. Nun, warum sollte Gott Euch hassen? Ihr fürchtet doch tatsächlich, dass Gott Euch hasst? Wenn Ihr wüsstet, wie sehr Gott Euch liebt, würdet Ihr vor Freude zu Boden sinken. Wisst Ihr nicht, dass Christus der Gute Hirte ist, der auf die Erde herabgestiegen ist, um uns sein Leben zu schenken und jedes Schäflein zu retten, auch wenn es sich freiwillig verirrt hat? Wie könnte er ein Schäflein verlassen, das bereit und willig ist zu sterben, ehe es ihm auch nur ein geringstes, freiwilliges Missfallen bereitet?
Büßerin. Aber ich weiß nicht, ob ich in irgendeine schwere Sünde eingewilligt habe oder nicht, und deswegen hat mich Gott vielleicht verlassen.
Bischof. Nein! Das ist ein schwerer Irrtum, den Ihr da äußert. Die Todsünde ist so schwer und abscheulich, dass es unmöglich ist, eine solche Sünde zu begehen, ohne sich ihrer bewusst zu sein. Der wahre Sünder zweifelt nicht, sondern ist sich gewiss, die göttliche Gnade verloren zu haben. Niemand verliert Gott, ohne es mit Gewissheit zu wissen. Wenn Ihr also zweifelt, Gott verloren zu haben, so seid ganz gewiss, dass Ihr ihn nicht verloren habt.
Büßerin. Und warum fehlt mir dann das Vertrauen zu Gott?
Bischof. Hört mich an. Das wahre Vertrauen besteht nicht darin, es zu fühlen, sondern darin, es zu wollen. Wollt Ihr auf Gott vertrauen? Wenn Ihr vertrauen wollt, besitzt Ihr das Vertrauen bereits.
Büßerin. Aber wo ist die Liebe Gottes in mir?
Bischof. Was ich vom Vertrauen gesagt habe, gilt auch für die Liebe Gottes. Auch die Liebe Gottes liegt im Willen. Wollt Ihr Gott lieben? Wenn Ihr ihn lieben wollt, liebt Ihr ihn schon. Seht, Ihr möchtet gern die Freude haben, dieses Vertrauen, diese Liebe zu Gott zu "verspüren".
Gott aber will, zu Eurem größeren geistlichen Nutzen, nicht, dass Ihr den Trost verspürt, Vertrauen und Liebe zu erfahren. Begnügt Euch damit, sie zu besitzen, ohne sie zu "fühlen". Dasselbe gilt für den Glauben: Es genügt, alles glauben zu wollen, was die Kirche lehrt, ohne zu glauben "fühlen" zu wollen. Es wird die Zeit kommen, da diese Wolken verschwinden, die Sonne wieder erscheint und Ihr einen doppelten Trost verspüren werdet.
Begnügt Euch einstweilen damit, sozusagen im Schatten zu bleiben und ganz dem Willen und der Barmherzigkeit Gottes überlassen zu leben.
Zu unserem Trost gibt es das Wort Gottes. Er selbst spricht ja zum Propheten Zacharias: „Sprich also zum Rest dieses Volkes und sage ihnen: So spricht der Herr der Heerscharen: Kehrt zurück zu mir, und ich werde mich euch zuwenden" (vgl. Sach 1,3).
Wenden wir uns ihm mit Liebe zu, und er wird uns sogleich die Zuneigung erwidern. Das Matthäusevangelium ist sehr deutlich: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich werde euch Ruhe geben" (vgl. Mt 11,28). Und der Prophet Jesaja schreibt: „Kommt her, wir wollen miteinander rechten, spricht der Herr: Wenn eure Sünden auch wie Scharlach wären, sie sollen weiß werden wie Schnee; wenn sie rot wären wie Purpur, sollen sie wie Wolle werden" (vgl. Jes 1,18).
Gott verfolgt den Sünder gleichsam weinend vor Mitleid über seinen Zustand und ruft: „Warum wollt ihr denn sterben, Haus Israel?" (vgl. Ez 33,11). Das heißt so viel wie: Warum wollt ihr euch verdammen, meine Kinder, während ich bereit bin, euch zu retten, wenn ihr euch mir zuwendet?
Wenn nun Gott so zu den im Sünde verharrenden Menschen spricht, wie könnte er dann eine Person verlassen, die ihn lieben will?
Sagt mir aufrichtig: Fühlt Ihr Euch an Dinge dieser Welt gebunden, an eine bestimmte Person, an materielle Güter? Seid Ihr ehrgeizig, zu glänzen, wollt Ihr anderen vorgezogen werden? Wenn dem so ist, gebt acht auf das, was der heilige Johannes vom Kreuz schreibt: „Jede kleine Bindung, sei es auch nur ein einfacher Faden, kann Euch daran hindern, zu Gott aufzufliegen und ganz sein zu sein."
Büßerin. Nein, durch Gottes Gnade, nein. Mir scheint nicht, so sehr an die Dinge dieser Welt gebunden zu sein, dass ich deswegen eine freiwillige Sünde begehen würde. Dennoch sehe ich mich voller Unvollkommenheiten. Unter anderem tut es mir leid, verachtet zu werden, und deswegen empfinde ich manchmal Groll.
Bischof. Und was tut Ihr, nachdem Ihr das, was Ihr "Groll" nennt, empfunden habt?
Büßerin. Ich demütige mich. Ich bitte Gott, mir zu vergeben, und bete darum, es nicht mehr zu tun. Ich bitte Gott, mir dazu die Kraft zu geben. Dennoch bleibe ich unruhig. Es scheint mir unmöglich, dass ich heilig werden könnte. Ja, es erscheint mir geradezu als Hochmut, heilig werden zu wollen.
Bischof. Gut so. Fahrt nur so fort. Aber unruhig zu leben nützt nichts. Wenn Ihr "fallt" – sozusagen – auch hundertmal am Tag, verhaltet Euch stets so: Bereut und nehmt Euch, mit Gottes Hilfe, vor, nicht mehr zu "fallen". Vertraut auf Christus und dann... bleibt ruhig. Wisset, dass es keine Vermessenheit ist, wenn Ihr nach einem "Fall" hofft, heilig zu werden.
Vielmehr wäre es Hochmut, sich nach einer Unvollkommenheit zu verwirren und zu entmutigen, als hätten uns unsere Vorsätze garantiert, nicht mehr zu fallen. Also: Demut und Vertrauen zu Gott.
Und nun genug. Ich habe Euch zugehört und alle Eure Ängste und Zweifel verstanden: ob Ihr Euch retten werdet oder nicht, ob Ihr Euch gegenwärtig in der Gnade Gottes befindet oder nicht. Was Ihr mir bisher gesagt habt, genügt mehr als ausreichend. Und sprecht mir nicht mehr von Zweifeln und Ängsten.
Ich kenne nun Euer Gewissen gut. Ich möchte Euch nur noch einige Hinweise geben, die Euch ein wenig Frieden schenken können, wenn Ihr Euch beängstigt fühlt. Ich spreche gewiss nicht von jenem Frieden, der Euch von jedem Schatten der Furcht befreien könnte. Den wahren und vollkommenen Frieden gewährt Gott uns erst im Himmel. In diesem Leben will er, dass wir etwas Furcht verspüren, sonst würden wir vergessen, ihn um seine göttliche Hilfe zu bitten, und würden nicht mehr auf seine Barmherzigkeit vertrauen. Eben deshalb lässt Gott zu, dass wir von Ängsten beunruhigt werden, damit wir nicht aufhören, uns an ihn zu wenden.
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