III, q. 90 a. 1
Ob der Buße irgendwelche Teile zuzuschreiben sind?
Quaestio 90 · Von den Teilen der Buße im Allgemeinen.
Einwand 1: Es scheint, dass der Buße keine Teile zugeschrieben werden sollten. Denn es ist die göttliche Kraft, die unser Heil in den Sakramenten auf verborgenste Weise wirkt. Nun ist die göttliche Kraft eins und einfach. Daher sollten der Buße, da sie ein Sakrament ist, keine Teile zugeschrieben werden.
Einwand 2: Ferner ist die Buße sowohl eine Tugend als auch ein Sakrament. Als Tugend werden ihr keine Teile zugeschrieben, da die Tugend ein Habitus ist, was eine einfache Qualität des Geistes ist. In gleicher Weise scheint es, dass der Buße als Sakrament keine Teile zugeschrieben werden sollten, da der Taufe und den anderen Sakramenten keine Teile zugeschrieben werden. Daher sollten der Buße überhaupt keine Teile zugeschrieben werden.
Einwand 3: Ferner ist die Materie der Buße die Sünde, wie oben dargelegt wurde (Frage [84], Artikel [2]). Der Sünde aber werden keine Teile zugeschrieben. Folglich sollten auch der Buße keine Teile zugeschrieben werden.
Dagegen spricht, dass die Teile eines Dinges jene sind, aus denen das Ganze zusammengesetzt ist. Nun setzt sich die Vollkommenheit der Buße aus mehreren Dingen zusammen, nämlich Reue, Bekenntnis und Genugtuung. Also hat die Buße Teile.
Ich antworte darauf, dass die Teile eines Dinges jene sind, in die das Ganze materiell geteilt wird; denn die Teile eines Dinges verhalten sich zum Ganzen wie die Materie zur Form. Daher werden die Teile als eine Art Materialursache gerechnet und das Ganze als eine Art Formalursache (Phys. ii). Dementsprechend finden wir überall dort, wo seitens der Materie eine Art Vielheit vorliegt, einen Grund, Teile zuzuweisen.
Nun wurde oben (Frage [84], Artikel [2], 3) dargelegt, dass im Sakrament der Buße menschliche Handlungen als Materie stehen. Da also mehrere Handlungen für die Vollkommenheit der Buße erforderlich sind, nämlich Reue, Bekenntnis und Genugtuung, wie wir im Folgenden zeigen werden (Artikel [2]), folgt daraus, dass das Sakrament der Buße Teile hat.
Antwort auf Einwand 1: Jedes Sakrament ist etwas Einfaches aufgrund der göttlichen Kraft, die darin wirkt. Aber die göttliche Kraft ist so groß, dass sie sowohl durch eines als auch durch vieles wirken kann; und aufgrund dieses Vielen können einem bestimmten Sakrament Teile zugeschrieben werden.
Antwort auf Einwand 2: Der Buße als Tugend werden keine Teile zugeschrieben, weil die menschlichen Handlungen, von denen es in der Buße mehrere gibt, sich zum Habitus der Tugend nicht wie ihre Teile verhalten, sondern wie ihre Wirkungen. Daraus folgt also, dass der Buße als Sakrament Teile zugeschrieben werden, zu dem sich die menschlichen Handlungen wie die Materie verhalten. In den anderen Sakramenten hingegen besteht die Materie nicht aus menschlichen Handlungen, sondern aus irgendeinem äußeren Ding, sei es einfach, wie Wasser oder Öl, oder zusammengesetzt, wie Chrisam; und deshalb werden den anderen Sakramenten keine Teile zugeschrieben.
Antwort auf Einwand 3: Sünden sind die entfernte Materie der Buße, insofern sie nämlich die Materie oder der Gegenstand der menschlichen Handlungen sind, welche die eigentliche Materie der Buße als Sakrament darstellen.