III, q. 51 a. 1
Ob es für Christus angemessen war, begraben zu werden?
Quaestio 51 · Vom Begräbnis Christi
Einwand 1: Es scheint unangemessen für Christus, begraben worden zu sein, denn es wird von Ihm gesagt (Ps 87,6): "Ich bin geworden wie ein Mensch ohne Hilfe, frei unter den Toten." Die Leiber der Toten aber werden in einem Grab eingeschlossen, was der Freiheit entgegenzustehen scheint. Daher scheint es für Christus nicht angemessen, begraben zu werden.
Einwand 2: Ferner sollte mit Christus nichts geschehen, außer es wäre unserem Heil förderlich. Das Begräbnis Christi scheint aber in keiner Weise zu unserem Heil beizutragen. Daher war es für Ihn nicht angemessen, begraben zu werden.
Einwand 3: Ferner scheint es unpassend für Gott, der über den hohen Himmeln ist, in die Erde gelegt zu werden. Was aber dem toten Leib Christi widerfährt, wird Gott aufgrund der Union zugeschrieben. Daher scheint es für Christus unziemlich, begraben zu werden.
Dagegen spricht, dass unser Herr (Mt 26,10) von der Frau, die Ihn salbte, sagte: "Sie hat ein gutes Werk an mir getan", und dann fügte Er hinzu (Mt 26,12): "Denn indem sie dieses Salböl auf meinen Leib goss, hat sie es für mein Begräbnis getan."
Ich antworte darauf, Es war für Christus angemessen, begraben zu werden. Erstens, um die Wahrheit seines Todes zu bekräftigen; denn niemand wird ins Grab gelegt, wenn nicht Gewissheit über den Tod besteht. Daher lesen wir (Mk 15,44.45), dass Pilate sich durch sorgfältige Nachforschung vom Tod Christi vergewisserte, bevor er die Erlaubnis zu seinem Begräbnis gab. Zweitens, weil durch Christi Auferstehung aus dem Grab denjenigen, die im Grab sind, Hoffnung gegeben wird, durch Ihn wieder aufzuerstehen, gemäß Joh 5,25.28: "Alle, die in den Gräbern sind, werden die Stimme des Sohnes Gottes hören... und die sie hören, werden leben." Drittens, als Vorbild für jene, die, indem sie der Sünde geistlich sterben, "vor der Unruhe der Menschen" (Ps 30,21) verborgen sind. Daher heißt es (Kol 3,3): "Ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott." Weshalb auch die Getauften, die durch den Tod Christi der Sünde sterben, gleichsam mit Christus durch das Untertauchen begraben werden, gemäß Röm 6,4: "Wir sind mit Christus begraben durch die Taufe in den Tod."
Antwort auf Einwand 1: Obwohl begraben, erwies sich Christus als "frei unter den Toten": denn obgleich im Grab eingeschlossen, konnte Er nicht gehindert werden, durch die Auferstehung hervorzugehen.
Antwort auf Einwand 2: Wie der Tod Christi unser Heil bewirkte, so auch sein Begräbnis. Daher sagt Hieronymus (Super Marc. xiv): "Durch Christi Begräbnis stehen wir wieder auf"; und zu Jes 53,9: "Er wird die Gottlosen für sein Begräbnis geben", sagt eine Glosse: "Er wird Gott und dem Vater die Heiden geben, die ohne Frömmigkeit waren, weil Er sie durch seinen Tod und sein Begräbnis erkauft hat."
Antwort auf Einwand 3: Wie in einer Rede auf dem Konzil von Ephesus gesagt wird [*P. iii, cap. 9]: "Nichts, was den Menschen rettet, ist für Gott herabwürdigend; es zeigt Ihn nicht als leidensfähig, sondern als barmherzig": und in einer anderen Rede desselben Konzils [*P. iii, cap. 10]: "Gott erachtet nichts als Schmach, was Anlass zum Heil der Menschen ist. So sollst du die Natur Gottes nicht für so gering achten, als ob sie bisweilen Schmähungen unterworfen sein könnte."