Suppl., q. 86 a. 2
Ob die Leiber der Verdammten unvergänglich sein werden?
Quaestio 86 · Von der Beschaffenheit, in der die Leiber der Verdammten auferstehen werden.
Einwand 1: Es scheint, dass die Leiber der Verdammten vergänglich sein werden. Denn alles, was aus Gegensätzen zusammengesetzt ist, muss notwendigerweise vergänglich sein. Nun werden die Leiber der Verdammten aus den Gegensätzen zusammengesetzt sein, aus denen sie auch jetzt zusammengesetzt sind, sonst wären sie nicht dieselben, weder der Spezies noch folglich der Zahl nach. Daher werden sie vergänglich sein.
Einwand 2: Ferner, wenn die Leiber der Verdammten nicht vergänglich sein werden, so wird dies entweder der Natur, der Gnade oder der Herrlichkeit geschuldet sein. Aber es wird nicht durch die Natur sein, da sie von derselben Natur sein werden wie jetzt; noch wird es durch Gnade oder Herrlichkeit sein, da ihnen diese Dinge gänzlich fehlen werden. Daher werden sie vergänglich sein.
Einwand 3: Ferner schiene es unvereinbar, die größte der Strafen von jenen zu nehmen, die sich im höchsten Grad der Unglückseligkeit befinden. Nun ist der Tod die größte der Strafen, wie der Philosoph erklärt (Ethik iii, 6). Daher sollte der Tod nicht von den Verdammten genommen werden, da sie im höchsten Grad der Unglückseligkeit sind. Daher werden ihre Leiber vergänglich sein.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Offb 9,6): „In jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und ihn nicht finden; sie werden begehren zu sterben, und der Tod wird vor ihnen fliehen.“
Ferner werden die Verdammten mit einer ewigen Strafe an Seele und Leib bestraft werden (Mt 25,46): „Diese werden in die ewige Strafe gehen.“ Dies wäre aber nicht möglich, wenn ihre Leiber vergänglich wären. Daher werden ihre Leiber unvergänglich sein.
Ich antworte darauf, dass, da es in jeder Bewegung ein Prinzip der Bewegung geben muss, Bewegung oder Veränderung einem Beweglichen auf zwei Weisen entzogen werden kann: erstens durch das Fehlen eines Bewegungsprinzips, zweitens durch ein Hindernis für das Bewegungsprinzip. Nun ist Verderbnis eine Art von Veränderung: und folglich kann ein Körper, der aufgrund der Natur seiner Prinzipien vergänglich ist, auf zwei Weisen unvergänglich gemacht werden. Erstens durch die völlige Entfernung des Prinzips, das zur Verderbnis führt, und auf diese Weise werden die Leiber der Verdammten unvergänglich sein. Denn da der Himmel kraft seiner Ortsbewegung das erste Prinzip der Veränderung ist und alle anderen sekundären Wirkursachen kraft dessen wirken und gleichsam dadurch bewegt werden, folgt, dass beim Aufhören der Himmelsbewegung kein Wirkendes mehr vorhanden ist, das den Körper verändern kann, indem es ihn von seiner natürlichen Eigenschaft ändert. Weshalb nach der Auferstehung und dem Aufhören der Himmelsbewegung keine Qualität mehr vorhanden sein wird, die fähig ist, den menschlichen Körper von seiner natürlichen Qualität zu verändern. Nun ist Verderbnis, wie das Werden, das Ziel der Veränderung. Daher werden die Leiber der Verdammten unvergänglich sein, und dies wird dem Zweck der göttlichen Gerechtigkeit dienen, da sie, ewig lebend, ewig bestraft werden. Dies steht im Einklang mit den Forderungen der göttlichen Gerechtigkeit, wie wir weiter unten darlegen werden (Artikel 3), so wie jetzt die Vergänglichkeit der Leiber dem Zweck der göttlichen Vorsehung dient, durch welche durch die Verderbnis des einen Dinges ein anderes erzeugt wird.
Zweitens geschieht dies dadurch, dass das Prinzip der Verderbnis gehindert wird, und auf diese Weise war der Leib Adams unvergänglich, weil die widerstreitenden Qualitäten, die im menschlichen Körper existieren, durch die Gnade der Unschuld davon abgehalten wurden, zur Auflösung des Körpers beizutragen: und noch viel mehr werden sie in den verherrlichten Leibern zurückgehalten werden, die gänzlich dem Geist unterworfen sein werden. So werden nach der allgemeinen Auferstehung die zwei vorgenannten Weisen der Unvergänglichkeit in den Leibern der Seligen vereint sein.
Antwort auf Einwand 1: Die Gegensätze, aus denen die Leiber zusammengesetzt sind, tragen als sekundäre Prinzipien zur Verderbnis bei. Denn das erste aktive Prinzip derselben ist die Himmelsbewegung: Weshalb es bei gegebener Bewegung des Himmels notwendig ist, dass ein aus Gegensätzen zusammengesetzter Körper verdirbt, sofern nicht eine mächtigere Ursache dies verhindert: Wenn hingegen die Himmelsbewegung entzogen wird, genügen die Gegensätze, aus denen ein Körper zusammengesetzt ist, nicht, um Verderbnis zu verursachen, selbst gemäß der Natur, wie oben erklärt. Aber die Philosophen wussten nichts von einem Aufhören der Himmelsbewegung; und folglich vertraten sie die Meinung, dass ein aus Gegensätzen zusammengesetzter Körper unweigerlich gemäß der Natur verdirbt.
Antwort auf Einwand 2: Diese Unvergänglichkeit wird aus der Natur resultieren, nicht als ob es irgendein Prinzip der Unverweslichkeit in den Leibern der Verdammten gäbe, sondern aufgrund des Aufhörens des aktiven Prinzips der Verderbnis, wie oben gezeigt.
Antwort auf Einwand 3: Obwohl der Tod schlechthin die größte der Strafen ist, hindert doch nichts daran, dass der Tod in gewisser Hinsicht zu einem Aufhören der Strafen beiträgt; und folglich kann die Beseitigung des Todes zur Vermehrung der Strafe beitragen. Denn wie der Philosoph sagt (Ethik ix, 9): „Das Leben ist für alle angenehm, denn alle begehren zu sein ... Aber wir dürfen dies nicht auf ein böses oder verdorbenes Leben beziehen, noch auf eines, das in Kummer verbracht wird.“ Dementsprechend, so wie das Leben schlechthin angenehm ist, nicht aber das Leben, das in Kümmernissen verbracht wird, so ist auch der Tod, der die Beraubung des Lebens ist, schlechthin schmerzhaft und die größte der Strafen, insofern er einen des primären Gutes beraubt, nämlich des Seins, mit dem andere Dinge entzogen werden. Aber insofern er einen eines bösen Lebens beraubt und eines solchen, das in Kummer verbracht wird, ist er ein Heilmittel für Schmerzen, da er ihnen ein Ende setzt; und folglich führt der Entzug des Todes zur Vermehrung der Strafen, indem er sie ewig macht. Wenn wir jedoch sagen, dass der Tod aufgrund des körperlichen Schmerzes, den die Sterbenden fühlen, strafweise ist, so werden die Verdammten zweifellos einen weit größeren Schmerz fortwährend fühlen: weshalb von ihnen gesagt wird, dass sie im „ewigen Tod“ sind, gemäß dem Psalm (48,15): „Der Tod wird sie weiden.“