Suppl., q. 42 a. 2
Ob dieses Sakrament vor dem Sündenfall hätte eingesetzt werden sollen?
Quaestio 42 · Von der Ehe als Sakrament
Einwand 1: Es scheint, dass die Ehe nicht vor der Sünde hätte eingesetzt werden sollen. Denn das, was zum Naturgesetz gehört, bedarf keiner Einsetzung. Dies ist aber bei der Ehe der Fall, wie oben dargelegt wurde (Quaestio [41], Artikel [1]). Also hätte sie nicht eingesetzt werden sollen.
Einwand 2: Ferner sind Sakramente Heilmittel gegen die Krankheit der Sünde. Aber ein Heilmittel wird nicht bereitgestellt außer für eine tatsächliche Krankheit. Also hätte sie nicht vor der Sünde eingesetzt werden sollen.
Einwand 3: Ferner genügt eine Einsetzung für eine Sache. Nun wurde die Ehe auch nach der Sünde eingesetzt, wie im Text dargelegt (Sent. iv, D, 26). Also wurde sie nicht vor der Sünde eingesetzt.
Einwand 4: Ferner muss die Einsetzung eines Sakraments von Gott kommen. Vor der Sünde aber wurden die Worte bezüglich der Ehe nicht definitiv von Gott, sondern von Adam gesprochen; die Worte, die Gott sprach (Gen 1,22), "Wachset und mehret euch", waren auch an die tierische Schöpfung gerichtet, wo es keine Ehe gibt. Also wurde die Ehe nicht vor der Sünde eingesetzt.
Einwand 5: Ferner ist die Ehe ein Sakrament des Neuen Gesetzes. Aber die Sakramente des Neuen Gesetzes nahmen ihren Ursprung von Christus. Also hätte sie nicht vor der Sünde eingesetzt werden sollen.
Dagegen spricht, dass gesagt wird (Mt 19,4): "Habt ihr nicht gelesen, dass der, welcher den Menschen am Anfang schuf, sie als Mann und Frau schuf?"
Ferner wurde die Ehe zur Zeugung von Kindern eingesetzt. Aber die Zeugung von Kindern war für den Menschen vor der Sünde notwendig. Also geziemte es sich, dass die Ehe vor der Sünde eingesetzt wurde.
Ich antworte darauf, dass die Natur im Hinblick auf ein bestimmtes Gut zur Ehe neigt, welches Gut je nach den verschiedenen Zuständen des Menschen variiert, weshalb es notwendig war, dass die Ehe in den verschiedenen Zuständen des Menschen in Bezug auf jenes Gut verschiedenartig eingesetzt wurde. Folglich wurde die Ehe, insofern sie auf die Zeugung von Kindern ausgerichtet ist, was sogar notwendig war, als es keine Sünde gab, vor der Sünde eingesetzt; insofern sie ein Heilmittel für die Wunde der Sünde bietet, wurde sie nach der Sünde zur Zeit des Naturgesetzes eingesetzt; ihre Einsetzung gehört zum Mosaischen Gesetz hinsichtlich persönlicher Hindernisse; und sie wurde im Neuen Gesetz eingesetzt, insofern sie das Geheimnis der Vereinigung Christi mit der Kirche darstellt, und in dieser Hinsicht ist sie ein Sakrament des Neuen Gesetzes. Was andere Vorteile betrifft, die aus der Ehe resultieren, wie die Freundschaft und die gegenseitigen Dienste, die Ehemann und Ehefrau einander erweisen, so gehört ihre Einsetzung zum Zivilrecht. Da jedoch ein Sakrament wesentlich ein Zeichen und ein Heilmittel ist, folgt daraus, dass die Natur des Sakraments auf die Ehe hinsichtlich der mittleren Einsetzung zutrifft; dass sie passenderweise dazu bestimmt ist, einen Dienst der Natur zu erfüllen hinsichtlich der ersten Einsetzung; und hinsichtlich der zuletzt genannten Einsetzung, dass sie darauf ausgerichtet ist, eine Aufgabe der Gesellschaft zu erfüllen.
Antwort auf Einwand 1: Dinge, die in allgemeiner Weise zum Naturgesetz gehören, bedürfen der Einsetzung hinsichtlich ihrer Bestimmung, die je nach verschiedenen Zuständen variieren kann; so wie es zum Naturgesetz gehört, dass Übeltäter bestraft werden, aber dass diese oder jene Strafe für dieses oder jenes Verbrechen festgesetzt wird, wird durch positives Gesetz bestimmt.
Antwort auf Einwand 2: Die Ehe dient nicht nur als Heilmittel gegen die Sünde, sondern ist hauptsächlich für einen Dienst der Natur; und so wurde sie vor der Sünde eingesetzt, nicht in der Absicht eines Heilmittels.
Antwort auf Einwand 3: Es gibt keinen Grund, warum die Ehe nicht mehrere Einsetzungen gehabt haben sollte, entsprechend den verschiedenen Dingen, die in Verbindung mit der Ehe bestimmt werden mussten. Daher sind diese verschiedenen Einsetzungen nicht von derselben Sache in derselben Hinsicht.
Antwort auf Einwand 4: Vor der Sünde wurde die Ehe von Gott eingesetzt, als Er eine Gehilfin für den Mann aus seiner Rippe formte und zu ihnen sprach: "Wachset und mehret euch." Und obwohl dies auch zu den anderen Tieren gesagt wurde, sollte es von ihnen nicht in derselben Weise erfüllt werden wie von den Menschen. Was Adams Worte betrifft, so sprach er sie von Gott inspiriert, um zu verstehen, dass die Einsetzung der Ehe von Gott war.
Antwort auf Einwand 5: Wie klar dargelegt wurde, wurde die Ehe vor Christus nicht als Sakrament des Neuen Gesetzes eingesetzt.