Suppl., q. 38 a. 1
Ob der Bischof allein das Sakrament der Weihe spendet?
Quaestio 38 · Von den Spendern dieses Sakraments
Einwand 1: Es scheint, dass nicht nur ein Bischof das Sakrament der Weihe spendet. Denn die Handauflegung hat etwas mit der Konsekration zu tun. Nun legen aber nicht nur der Bischof, sondern auch die assistierenden Priester den Priestern, die geweiht werden, die Hände auf. Also spendet nicht nur ein Bischof das Sakrament der Weihe.
Einwand 2: Ferner empfängt ein Mensch die Weihegewalt, wenn ihm das überreicht wird, was zum Vollzug seiner Weihe gehört. Nun werden dem Subdiakon das Kännchen mit Wasser, das Becken und das Handtuch vom Archidiakon gegeben; ebenso dem Akolythen der Leuchter mit der Kerze und das leere Kännchen. Also spendet nicht nur der Bischof das Sakrament der Weihe.
Einwand 3: Ferner kann das, was zu einer Weihe gehört, niemandem anvertraut werden, der die Weihe nicht hat. Nun ist aber die Spendung der niederen Weihen gewissen Personen anvertraut, die keine Bischöfe sind, zum Beispiel Kardinalpriestern. Also gehört die Spendung von Weihen nicht zur bischöflichen Weihe.
Einwand 4: Ferner, wem das Hauptsächliche anvertraut ist, dem ist auch das Nebensächliche anvertraut. Nun ist das Sakrament der Weihe auf die Eucharistie hingeordnet wie das Nebensächliche auf das Hauptsächliche. Da also ein Priester die Eucharistie konsekriert, kann er auch Weihen spenden.
Einwand 5: Ferner besteht ein größerer Unterschied zwischen einem Priester und einem Diakon als zwischen Bischof und Bischof. Ein Bischof kann aber einen Bischof konsekrieren. Also kann ein Priester einen Diakon weihen.
Dagegen spricht: Die Diener werden durch ihre Weihen auf edlere Weise zum göttlichen Kult bestellt als die heiligen Gefäße. Die Konsekration der Gefäße aber kommt allein dem Bischof zu. Um wie viel mehr also die Konsekration der Diener.
Ferner steht das Sakrament der Weihe höher als das Sakrament der Firmung. Nun firmt aber allein der Bischof. Um wie viel mehr spendet also allein der Bischof das Sakrament der Weihe.
Ferner werden Jungfrauen durch ihre Konsekration nicht in einen Grad geistlicher Gewalt eingesetzt, wie es bei den Geweihten der Fall ist. Dennoch kann allein ein Bischof eine Jungfrau konsekrieren. Also kann er umso mehr allein die Weihe spenden.
Ich antworte darauf: Die bischöfliche Gewalt verhält sich zur Gewalt der niederen Weihen wie die Staatskunst, die das Gemeinwohl sucht, zu den niederen Tätigkeiten und Tugenden, die ein besonderes Gut suchen, wie aus dem oben Gesagten hervorgeht (Frage 37, Artikel 1). Nun schreibt die Staatskunst, wie in Ethik I, 2 dargelegt, den niederen Wissenschaften vor, welche Wissenschaft ein jeder pflegen soll, wie weit er sie betreiben soll und auf welche Weise. Daher kommt es dem Bischof zu, anderen ihre Plätze in allen göttlichen Diensten zuzuweisen. Deshalb firmt er allein, weil jene, die gefirmt werden, gleichsam das Amt empfangen, den Glauben zu bekennen; wiederum segnet er allein die Jungfrauen, die Abbilder der Kirche, der Braut Christi, sind, deren Sorge vornehmlich ihm anvertraut ist; und er ist es, der die Kandidaten für die Weihe zum Dienst der Weihen konsekriert und durch seine Konsekration die Gefäße bestimmt, die sie benutzen sollen; so wie auch weltliche Ämter in verschiedenen Städten von jenem vergeben werden, der die höchste Gewalt innehat, zum Beispiel vom König.
Antwort auf Einwand 1: Wie oben gesagt (Frage 37, Artikel 5), wird bei der Handauflegung nicht der Charakter der Priesterweihe gegeben, sondern die Gnade, die einen Menschen fähig macht, seine Weihe auszuüben. Und da jene, die zum Priestertum erhoben werden, der überreichsten Gnade bedürfen, legen die Priester zusammen mit dem Bischof ihnen die Hände auf; den Diakonen aber legt allein der Bischof die Hände auf.
Antwort auf Einwand 2: Da der Archidiakon gleichsam der Hauptdiener ist, werden alle Dinge, die zum Dienst gehören, von ihm überreicht, zum Beispiel die Kerze, mit der der Akolyth dem Diakon dient, indem er sie beim Evangelium vor ihm herträgt, und das Kännchen, mit dem er dem Subdiakon dient; und in gleicher Weise gibt er dem Subdiakon die Dinge, mit denen dieser den höheren Weihen dient. Und doch besteht die hauptsächliche Handlung des Subdiakons nicht in diesen Dingen, sondern in seiner Mitwirkung bezüglich der Materie des Sakraments; weshalb er den Charakter dadurch empfängt, dass ihm der Kelch vom Bischof überreicht wird. Andererseits empfängt der Akolyth den Charakter kraft der Worte des Bischofs, wenn ihm die vorgenannten Dinge – eher das Kännchen als der Leuchter – vom Archidiakon überreicht werden. Daher folgt nicht, dass der Archidiakon weiht.
Antwort auf Einwand 3: Der Papst, der die Fülle der bischöflichen Gewalt besitzt, kann einem, der kein Bischof ist, Dinge anvertrauen, die zur bischöflichen Würde gehören, vorausgesetzt, sie haben keine unmittelbare Beziehung zum wahren Leib Christi. Daher kann kraft seines Auftrags ein einfacher Priester die niederen Weihen spenden und firmen; nicht aber einer, der kein Priester ist. Auch kann ein Priester nicht die höheren Weihen spenden, die eine unmittelbare Beziehung zum Leib Christi haben, über dessen Konsekration die Gewalt des Papstes nicht größer ist als die eines einfachen Priesters.
Antwort auf Einwand 4: Obwohl die Eucharistie an sich das größte der Sakramente ist, setzt sie einen Menschen nicht in ein Amt ein, wie es das Sakrament der Weihe tut. Daher hinkt der Vergleich.
Antwort auf Einwand 5: Um das, was man hat, einem anderen zu verleihen, ist es notwendig, ihm nicht nur nahe zu sein, sondern auch die Fülle der Gewalt zu haben. Und da ein Priester in den hierarchischen Ämtern nicht die Fülle der Gewalt hat wie ein Bischof, folgt nicht, dass er andere zum Diakonat erheben kann, obwohl die letztere Weihe der seinen nahe ist.