Suppl., q. 10 a. 4
Ob die Beichte Hoffnung auf das Heil gibt?
Quaestio 10 · Von der Wirkung der Beichte
Einwand 1: Es scheint, dass die Hoffnung auf das Heil nicht als eine Wirkung der Beichte gerechnet werden sollte. Denn Hoffnung entspringt aus allen verdienstlichen Akten. Daher ist sie anscheinend nicht die eigentliche Wirkung der Beichte.
Einwand 2: Ferner gelangen wir zur Hoffnung durch Trübsal, wie aus Röm 5,3.4 hervorgeht. Nun erleidet der Mensch Trübsal hauptsächlich in der Genugtuung. Daher gibt eher die Genugtuung als die Beichte Hoffnung auf das Heil.
Dagegen spricht: „Die Beichte macht den Menschen demütiger und vorsichtiger“, wie der Magister im Text (Sent. iv, D, 17) feststellt. Das Ergebnis davon aber ist, dass der Mensch eine Hoffnung auf das Heil fasst. Also ist es die Wirkung der Beichte, Hoffnung auf das Heil zu geben.
Ich antworte darauf: Wir können keine Hoffnung auf die Vergebung unserer Sünden haben außer durch Christus: und da sich der Mensch durch die Beichte den Schlüsseln der Kirche unterwirft, welche ihre Kraft aus dem Leiden Christi beziehen, sagen wir daher, dass die Beichte Hoffnung auf das Heil gibt.
Antwort auf Einwand 1: Nicht unsere Handlungen, sondern die Gnade unseres Erlösers ist die Hauptursache der Hoffnung auf das Heil: und da sich die Beichte auf die Gnade unseres Erlösers stützt, gibt sie Hoffnung auf das Heil, nicht nur als ein verdienstlicher Akt, sondern auch als Teil eines Sakraments.
Antwort auf Einwand 2: Trübsal gibt Hoffnung auf das Heil, indem sie uns unsere eigene Tugend üben lässt und indem sie die Schuldigkeit zur Strafe abträgt: während die Beichte dies auch in der oben genannten Weise tut.