II-II, q. 84 a. 2
Ob Anbetung eine körperliche Handlung bezeichnet?
Quaestio 84 · Von der Anbetung
Einwand 1: Es scheint, dass die Anbetung keine Handlung des Körpers bezeichnet. Es steht geschrieben (Joh 4,23): „Die wahren Anbeter werden den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten.“ Was aber im Geist geschieht, hat nichts mit einer Handlung des Körpers zu tun. Daher bezeichnet Anbetung keine Handlung des Körpers.
Einwand 2: Ferner ist das Wort Anbetung (adoratio) von „oratio“ [Gebet] abgeleitet. Das Gebet aber besteht hauptsächlich in einem inneren Akt, gemäß 1 Kor 14,15: „Ich will mit dem Geist beten, ich will auch mit dem Verstand beten.“ Daher bezeichnet Anbetung hauptsächlich einen geistigen Akt.
Einwand 3: Ferner gehören Handlungen des Körpers zur sinnlichen Erkenntnis: Wir nähern uns Gott aber nicht durch körperlichen, sondern durch geistigen Sinn. Daher bezeichnet Anbetung keine Handlung des Körpers.
Dagegen spricht eine Glosse zu Ex 20,5 („Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen“), die sagt: „Du sollst sie weder im Geiste verehren noch äußerlich anbeten.“
Ich antworte darauf, dass wir, wie Damascenus sagt (De Fide Orth. iv, 12), da wir aus einer doppelten Natur bestehen, einer intellektuellen und einer sinnlichen, Gott eine doppelte Anbetung darbringen; nämlich eine geistige Anbetung, die in der inneren Hingabe des Geistes besteht; und eine körperliche Anbetung, die in einer äußeren Demütigung des Körpers besteht. Und da in allen Akten der Latrie das Äußere auf das Innere als das Wichtigere bezogen wird, folgt daraus, dass die äußere Anbetung um der inneren Anbetung willen dargebracht wird; mit anderen Worten, wir zeigen Zeichen der Demut an unseren Körpern, um unsere Neigungen dazu anzuregen, sich Gott zu unterwerfen, da es unserer Natur entspricht, vom Sinnlichen zum Intelligiblen fortzuschreiten.
Antwort auf Einwand 1: Auch die körperliche Anbetung geschieht im Geist, insofern sie aus geistiger Hingabe hervorgeht und auf diese gerichtet ist.
Antwort auf Einwand 2: So wie das Gebet primär im Geist ist und sekundär in Worten ausgedrückt wird, wie oben dargelegt (Frage [83], Artikel [12]), so besteht auch die Anbetung hauptsächlich in einer inneren Ehrfurcht vor Gott, sekundär aber in gewissen körperlichen Zeichen der Demut; so bezeichnen wir, wenn wir das Knie beugen, unsere Schwäche im Vergleich zu Gott, und wenn wir uns niederwerfen, bekennen wir, dass wir aus uns selbst nichts sind.
Antwort auf Einwand 3: Obwohl wir Gott nicht mit den Sinnen erreichen können, wird unser Geist durch sinnliche Zeichen angeregt, sich Gott zu nähern.