II-II, q. 134 a. 3
Ob die Materie der Großartigkeit die großen Ausgaben sind?
Quaestio 134 · Von der Großmunzigkeit
Einwand 1: Es scheint, dass die Materie der Großartigkeit nicht die großen Ausgaben sind. Denn es gibt nicht zwei Tugenden über dieselbe Materie. Die Freigebigkeit aber handelt von den Ausgaben, wie oben dargelegt (Frage [117], Artikel [2]). Also handelt die Großartigkeit nicht von den Ausgaben.
Einwand 2: Ferner ist „jeder großartige Mann freigebig“ (Ethic. iv, 2). Aber die Freigebigkeit handelt eher von Gaben als von Ausgaben. Also handelt auch die Großartigkeit nicht hauptsächlich von Ausgaben, sondern von Gaben.
Einwand 3: Ferner gehört es zur Großartigkeit, ein äußeres Werk hervorzubringen. Aber nicht einmal große Ausgaben sind immer das Mittel, um ein äußeres Werk hervorzubringen, zum Beispiel wenn jemand viel ausgibt, um Geschenke zu senden. Also sind Ausgaben nicht die eigentliche Materie der Großartigkeit.
Einwand 4: Ferner sind nur die Reichen zu großen Ausgaben fähig. Aber die Armen können alle Tugenden besitzen, da „die Tugenden nicht notwendigerweise das äußere Vermögen erfordern, sondern sich selbst genügen“, wie Seneca sagt (De Ira i; De vita beata xvi). Also handelt die Großartigkeit nicht von großen Ausgaben.
Dagegen spricht, dass der Philosoph sagt (Ethic. iv, 2), dass „die Großartigkeit sich nicht, wie die Freigebigkeit, auf alle Geldgeschäfte erstreckt, sondern nur auf die kostspieligen, worin sie die Freigebigkeit an Maßstab übertrifft.“ Also handelt sie nur von großen Ausgaben.
Ich antworte darauf, dass es, wie oben dargelegt (Artikel [2]), zur Großartigkeit gehört, das Tun eines großen Werkes zu beabsichtigen. Nun sind für das Tun eines großen Werkes verhältnismäßige Ausgaben notwendig, denn große Werke können nicht ohne große Ausgaben hervorgebracht werden. Daher gehört es zur Großartigkeit, viel auszugeben, damit ein großes Werk in geziemender Weise vollendet werde. Weshalb der Philosoph sagt (Ethic. iv, 2), dass „ein großartiger Mann ein großartigeres Werk mit gleichen“, d.h. verhältnismäßigen, „Ausgaben hervorbringen wird.“ Nun sind Ausgaben die Verausgabung einer Geldsumme; und ein Mensch kann daran gehindert werden, diese Verausgabung zu tätigen, wenn er das Geld zu sehr liebt. Daher kann gesagt werden, dass die Materie der Großartigkeit sowohl diese Ausgaben selbst sind, welche der großartige Mann nutzt, um ein großes Werk hervorzubringen, als auch das Geld selbst, das er verwendet, um große Kosten auf sich zu nehmen, sowie auch die Liebe zum Geld, welche der großartige Mann mäßigt, damit er nicht daran gehindert werde, viel auszugeben.
Antwort auf Einwand 1: Wie oben dargelegt (Frage [129], Artikel [2]), erfahren jene Tugenden, die sich auf äußere Dinge beziehen, eine gewisse Schwierigkeit, die aus der Gattung der Sache selbst entsteht, um welche die Tugend bekümmert ist, und eine andere Schwierigkeit außerdem, die aus der Größe eben dieser Sache entsteht. Daher die Notwendigkeit zweier Tugenden, die sich mit dem Geld und seinem Gebrauch befassen; nämlich der Freigebigkeit, die den Gebrauch des Geldes im Allgemeinen betrachtet, und der Großartigkeit, die das betrachtet, was groß im Gebrauch des Geldes ist.
Antwort auf Einwand 2: Der Gebrauch des Geldes betrifft den freigebigen Mann auf eine Weise und den großartigen Mann auf eine andere. Denn er betrifft den freigebigen Mann, insofern er aus einer geordneten Neigung in Bezug auf Geld hervorgeht; weshalb jeder gebührende Gebrauch von Geld (wie Gaben und Ausgaben), dessen Hindernisse durch eine mäßige Liebe zum Geld beseitigt werden, zur Freigebigkeit gehört. Aber der Gebrauch des Geldes betrifft den großartigen Mann in Beziehung auf ein großes Werk, das hervorgebracht werden muss, und dieser Gebrauch ist unmöglich ohne Ausgaben oder Aufwand.
Antwort auf Einwand 3: Der großartige Mann macht auch Schenkungen von Gaben, wie in Ethic. iv, 2 dargelegt, aber nicht unter dem Aspekt der Gabe, sondern eher unter dem Aspekt der Ausgabe, die auf die Hervorbringung eines Werkes gerichtet ist, zum Beispiel um jemanden zu ehren oder um etwas zu tun, das Ehre auf den ganzen Staat zurückstrahlen lässt: wie wenn er das verwirklicht, wonach der ganze Staat strebt.
Antwort auf Einwand 4: Der Hauptakt der Tugend ist die innere Wahl, und eine Tugend kann diese ohne äußeres Vermögen haben: so dass auch ein armer Mann großartig sein kann. Aber Güter des Vermögens sind als Instrumente für die äußeren Akte der Tugend erforderlich: und auf diese Weise kann ein armer Mann den äußeren Akt der Großartigkeit in Dingen, die schlechthin groß sind, nicht vollbringen. Vielleicht aber kann er es in Dingen tun, die im Vergleich zu einem bestimmten Werk groß sind; welches, obwohl an sich klein, dennoch großartig im Verhältnis zu seiner Gattung getan werden kann: denn klein und groß sind relative Begriffe, wie der Philosoph sagt (De Praedic. Cap. Ad aliquid).