I-II, q. 8 a. 3
Ob der Wille durch denselben Akt zum Ziel und zu den Mitteln bewegt wird?
Quaestio 8 · Vom Willen in Bezug auf das Gewollte
Einwand 1: Es scheint, dass der Wille durch denselben Akt zum Ziel und zu den Mitteln bewegt wird. Denn gemäß dem Philosophen (Topic. iii, 2) "ist dort, wo eine Sache wegen einer anderen ist, nur eine". Aber der Wille will die Mittel nur wegen des Ziels. Also wird er zu beiden durch denselben Akt bewegt.
Einwand 2: Ferner ist das Ziel der Grund für das Wollen der Mittel, so wie das Licht der Grund für das Sehen von Farben ist. Aber Licht und Farben werden durch denselben Akt gesehen. Also ist es dieselbe Bewegung des Willens, durch die er das Ziel und die Mittel will.
Einwand 3: Ferner ist es ein und dieselbe natürliche Bewegung, die durch den Zwischenraum zum Endpunkt strebt. Aber die Mittel verhalten sich im Vergleich zum Ziel wie der Zwischenraum zum Endpunkt. Also ist es dieselbe Bewegung des Willens, durch die er auf das Ziel und auf die Mittel gerichtet ist.
Dagegen spricht, dass Akte gemäß ihren Objekten unterschieden werden. Aber das Ziel ist eine andere Spezies des Guten als die Mittel, welche ein nützliches Gut sind. Also wird der Wille nicht durch denselben Akt zu beiden bewegt.
Ich antworte darauf, dass, da das Ziel an sich gewollt wird, wohingegen die Mittel als solche nur für das Ziel gewollt werden, es offensichtlich ist, dass der Wille zum Ziel bewegt werden kann, ohne zu den Mitteln bewegt zu werden; wohingegen er nicht zu den Mitteln als solchen bewegt werden kann, wenn er nicht zum Ziel bewegt wird. Dementsprechend wird der Wille auf zwei Arten zum Ziel bewegt: erstens zum Ziel schlechthin und an sich; zweitens als Grund für das Wollen der Mittel. Daher ist es offensichtlich, dass der Wille durch ein und dieselbe Bewegung zum Ziel als dem Grund für das Wollen der Mittel und zu den Mitteln selbst bewegt wird. Aber es ist ein anderer Akt, durch den der Wille schlechthin zum Ziel bewegt wird. Und manchmal geht dieser Akt dem anderen in der Zeit voraus; zum Beispiel wenn ein Mensch zuerst Gesundheit haben will und danach, indem er beratschlagt, durch welche Mittel er geheilt werden kann, will, dass der Arzt gerufen werde, um ihn zu heilen. Dasselbe geschieht in Bezug auf den Intellekt: denn zuerst versteht ein Mensch die Prinzipien an sich; aber danach versteht er sie in den Schlussfolgerungen, insofern er den Schlussfolgerungen aufgrund der Prinzipien zustimmt.
Antwort auf Einwand 1: Dieses Argument gilt in Bezug auf den Willen, der zum Ziel bewegt wird als Grund für das Wollen der Mittel.
Antwort auf Einwand 2: Wann immer Farbe gesehen wird, wird durch denselben Akt das Licht gesehen; aber das Licht kann gesehen werden, ohne dass die Farbe gesehen wird. In gleicher Weise will ein Mensch, wann immer er die Mittel will, durch denselben Akt das Ziel; aber nicht umgekehrt.
Antwort auf Einwand 3: Bei der Ausführung eines Werkes sind die Mittel wie der Zwischenraum und das Ziel wie der Endpunkt. Daher, so wie die natürliche Bewegung manchmal in der Mitte anhält und den Endpunkt nicht erreicht, so ist man manchmal mit den Mitteln beschäftigt, ohne das Ziel zu erreichen. Aber beim Wollen ist es umgekehrt: Der Wille kommt durch (das Wollen) des Ziels dazu, die Mittel zu wollen; so wie der Intellekt zu den Schlussfolgerungen durch die Prinzipien gelangt, welche "Mittelbegriffe" genannt werden. Daher kommt es vor, dass der Intellekt manchmal ein Mittel versteht und von dort nicht zur Schlussfolgerung fortschreitet. Und in gleicher Weise will der Wille manchmal das Ziel und schreitet doch nicht fort, die Mittel zu wollen.
Die Lösung für das Argument im gegenteiligen Sinne ist aus dem oben Gesagten klar (Artikel [2], ad 2). Denn das Nützliche und das Rechtschaffene sind nicht Spezies des Guten in gleichem Grade, sondern verhalten sich wie das, was um seiner selbst willen ist, und das, was um eines anderen willen ist: weshalb der Akt des Willens auf das eine gerichtet sein kann und nicht auf das andere; aber nicht umgekehrt.