I-II, q. 54 a. 3
Ob die Habitus in gute und schlechte eingeteilt werden?
Quaestio 54 · Von der Unterscheidung der Habitus
1. Einwand: Es scheint, dass die Habitus nicht in gute und schlechte eingeteilt werden. Denn gut und schlecht sind Gegensätze. Nun bezieht sich derselbe Habitus auf Gegensätze, wie oben dargelegt wurde (Artikel 2, Einwand 1). Daher werden Habitus nicht in gute und schlechte eingeteilt.
2. Einwand: Ferner ist das Gute mit dem Seienden austauschbar; so dass es, da es allen gemeinsam ist, nicht als spezifischer Unterschied gelten kann, wie der Philosoph erklärt (Topic. IV). Wiederum kann das Böse, da es eine Beraubung und ein Nicht-Seiendes ist, kein Seiendes unterscheiden. Daher können Habitus nicht spezifisch in gute und böse eingeteilt werden.
3. Einwand: Ferner kann es verschiedene schlechte Habitus über ein und denselben Gegenstand geben; zum Beispiel Unmäßigkeit und Gefühllosigkeit in Angelegenheiten der Begierde: und in gleicher Weise kann es mehrere gute Habitus geben; zum Beispiel menschliche Tugend und heroische oder göttliche Tugend, wie der Philosoph deutlich feststellt (Ethic. VII, 1). Daher werden Habitus nicht in gute und schlechte eingeteilt.
Dagegen spricht, dass ein guter Habitus einem schlechten Habitus entgegengesetzt ist, wie Tugend dem Laster. Nun werden Gegensätze spezifisch in gute und schlechte Habitus eingeteilt.
Ich antworte darauf, dass, wie oben dargelegt (Artikel 2), Habitus nicht nur hinsichtlich ihrer Gegenstände und aktiven Prinzipien spezifisch verschieden sind, sondern auch in ihrer Beziehung zur Natur. Dies geschieht nun auf zwei Weisen. Erstens aufgrund ihrer Angemessenheit oder Unangemessenheit zur Natur. Auf diese Weise ist ein guter Habitus spezifisch von einem schlechten Habitus verschieden: da ein guter Habitus einer ist, der zu einem Akt disponiert, welcher der Natur des Handelnden angemessen ist, während ein böser Habitus einer ist, der zu einem Akt disponiert, welcher der Natur unangemessen ist. So sind Akte der Tugend der menschlichen Natur angemessen, da sie der Vernunft entsprechen, wohingegen Akte des Lasters von der menschlichen Natur abweichen, da sie gegen die Vernunft sind. Daher ist es klar, dass Habitus spezifisch durch den Unterschied von gut und schlecht unterschieden werden.
Zweitens werden Habitus in Bezug auf die Natur dadurch unterschieden, dass ein Habitus zu einem Akt disponiert, der einer niedrigeren Natur angemessen ist, während ein anderer Habitus zu einem Akt disponiert, der einer höheren Natur geziemt. Und so ist die menschliche Tugend, die zu einem der menschlichen Natur geziemenden Akt disponiert, verschieden von der göttlichen oder heroischen Tugend, die zu einem Akt disponiert, der einer höheren Natur geziemt.
Antwort auf den 1. Einwand: Derselbe Habitus kann sich auf Gegensätze beziehen, insofern die Gegensätze in einem gemeinsamen Aspekt übereinkommen. Niemals jedoch geschieht es, dass entgegengesetzte Habitus in einer Spezies sind: da die Gegensätzlichkeit der Habitus der Gegensätzlichkeit des Aspekts folgt. Dementsprechend werden Habitus in gute und schlechte eingeteilt, nämlich insofern ein Habitus gut und ein anderer schlecht ist; aber nicht aufgrund dessen, dass ein Habitus etwas Gutes ist und ein anderer über etwas Schlechtes handelt.
Antwort auf den 2. Einwand: Nicht das Gute, das jedem Seienden gemeinsam ist, ist ein Unterschied, der die Spezies eines Habitus konstituiert; sondern ein bestimmtes Gut aufgrund der Angemessenheit zu einer bestimmten, nämlich der menschlichen, Natur. In gleicher Weise ist das Böse, das einen Unterschied der Habitus konstituiert, keine reine Beraubung, sondern etwas Bestimmtes, das einer bestimmten Natur widerstreitet.
Antwort auf den 3. Einwand: Mehrere gute Habitus über ein und dasselbe spezifische Ding sind verschieden in Bezug auf ihre Angemessenheit zu verschiedenen Naturen, wie oben dargelegt. Aber mehrere schlechte Habitus in Bezug auf eine Handlung sind verschieden in Bezug auf ihr verschiedenes Widerstreiten gegen das, was im Einklang mit der Natur ist: so sind verschiedene Laster über ein und dieselbe Materie einer einzigen Tugend entgegengesetzt.