I-II, q. 49 a. 3
Ob der Habitus eine Hinordnung auf den Akt besagt?
Quaestio 49 · Vom Habitus im Allgemeinen, hinsichtlich seines Wesens.
Einwand 1: Es scheint, dass der Habitus keine Hinordnung auf einen Akt besagt. Denn alles handelt insofern, als es im Akt ist. Aber der Philosoph sagt (De Anima iii, text 8), dass „wenn einer durch Habitus wissend geworden ist, er immer noch in einem Zustand der Potenz ist, aber anders als vor dem Lernen“. Also impliziert der Habitus nicht die Beziehung eines Prinzips zu einem Akt.
Einwand 2: Ferner gehört das, was in die Definition eines Dinges gesetzt wird, diesem wesentlich zu. Aber Prinzip des Handelns zu sein, wird in die Definition der Potenz [Macht/Kraft] gesetzt, wie wir in Metaph. v, text. 17 lesen. Also gehört es der Potenz wesentlich zu, Prinzip eines Aktes zu sein. Nun ist das, was wesentlich ist, das Erste in jeder Gattung. Wenn also auch der Habitus ein Prinzip des Aktes ist, folgt daraus, dass er der Potenz nachgeordnet ist. Und so werden Habitus und Disposition nicht die erste Spezies der Qualität sein.
Einwand 3: Ferner ist Gesundheit manchmal ein Habitus, und ebenso Magerkeit und Schönheit. Aber diese zeigen keine Beziehung zu einem Akt an. Also ist es für den Habitus nicht wesentlich, ein Prinzip des Aktes zu sein.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (De Bono Conjug. xxi), dass „Habitus das ist, wodurch etwas getan wird, wenn es notwendig ist“. Und der Kommentator sagt (De Anima iii), dass „Habitus das ist, wodurch wir handeln, wenn wir wollen“.
Ich antworte darauf, dass die Beziehung zu einem Akt dem Habitus zukommen kann, sowohl im Hinblick auf die Natur des Habitus als auch im Hinblick auf das Subjekt, in dem der Habitus ist. Im Hinblick auf die Natur des Habitus gehört es zu jedem Habitus, eine Beziehung zu einem Akt zu haben. Denn es ist dem Habitus wesentlich, eine gewisse Beziehung zur Natur eines Dinges zu implizieren, insofern er ihr angemessen oder unangemessen ist. Aber die Natur eines Dinges, welche das Ziel der Erzeugung ist, ist ferner auf ein anderes Ziel hingeordnet, welches entweder eine Operation ist oder das Produkt einer Operation, zu dem man mittels der Operation gelangt. Weshalb der Habitus eine Beziehung nicht nur zur eigentlichen Natur eines Dinges impliziert, sondern folglich auch zur Operation, insofern diese das Ziel der Natur ist oder dem Ziel förderlich. Woher auch (Metaph. v, text. 25) in der Definition des Habitus festgestellt wird, dass er eine Disposition ist, durch welche das, was disponiert ist, gut oder schlecht disponiert ist, entweder im Hinblick auf sich selbst, das heißt auf seine Natur, oder im Hinblick auf etwas anderes, das heißt auf das Ziel.
Aber es gibt einige Habitus, die sogar von Seiten des Subjekts, in dem sie sind, primär und prinzipiell eine Beziehung zu einem Akt implizieren. Denn wie wir gesagt haben, impliziert der Habitus primär und aus sich selbst heraus eine Beziehung zur Natur des Dinges. Wenn daher die Natur eines Dinges, in dem der Habitus ist, in eben dieser Beziehung zu einem Akt besteht, folgt daraus, dass der Habitus prinzipiell eine Beziehung zu einem Akt impliziert. Nun ist es klar, dass die Natur und der Begriff der Potenz [Vermögen] darin besteht, dass sie ein Prinzip des Aktes sein soll. Weshalb jeder Habitus, der einem Vermögen als Subjekt innewohnt, prinzipiell eine Beziehung zu einem Akt impliziert.
Antwort auf Einwand 1: Der Habitus ist ein Akt, insofern er eine Qualität ist: und in dieser Hinsicht kann er ein Prinzip der Operation sein. Er ist jedoch in einem Zustand der Potenz in Bezug auf die Operation. Weshalb der Habitus erster Akt genannt wird, und die Operation zweiter Akt; wie es in De Anima ii, text. 5 erklärt wird.
Antwort auf Einwand 2: Es ist nicht das Wesen des Habitus, auf die Potenz bezogen zu sein, sondern auf die Natur bezogen zu sein. Und da die Natur der Handlung vorausgeht, auf welche die Potenz bezogen ist, deshalb wird der Habitus als eine Spezies der Qualität vor die Potenz gesetzt.
Antwort auf Einwand 3: Gesundheit wird ein Habitus oder eine habituelle Disposition genannt in Beziehung zur Natur, wie oben gesagt. Aber insofern die Natur ein Prinzip des Aktes ist, impliziert sie folglich eine Beziehung zum Akt. Weshalb der Philosoph sagt (De Hist. Animal. x, 1), dass der Mensch oder eines seiner Glieder gesund genannt wird, „wenn er die Operation eines gesunden Menschen verrichten kann“. Und dasselbe gilt für andere Habitus.