I, q. 92 a. 3
Ob die Frau passenderweise aus der Rippe des Mannes gebildet wurde?
Quaestio 92 · Die Hervorbringung der Frau
Einwand 1: Es scheint, dass die Frau nicht aus der Rippe des Mannes hätte gebildet werden sollen. Denn die Rippe war viel kleiner als der Körper der Frau. Nun kann aus einem kleineren Ding ein größeres Ding nur gemacht werden – entweder durch Hinzufügung (und dann hätte die Frau eher als aus dem Hinzugefügten gemacht beschrieben werden sollen, statt aus der Rippe selbst) – oder durch Verdünnung, weil, wie Augustinus sagt (Gen. ad lit. x): „Ein Körper kann nicht an Umfang zunehmen außer durch Verdünnung.“ Aber der Körper der Frau ist nicht verdünnter als der des Mannes – zumindest nicht im Verhältnis einer Rippe zu Evas Körper. Daher wurde Eva nicht aus einer Rippe Adams gebildet.
Einwand 2: Ferner gab es in jenen Dingen, die zuerst erschaffen wurden, nichts Überflüssiges. Daher gehörte eine Rippe Adams zur Integrität seines Körpers. Wenn also eine Rippe entfernt wurde, blieb sein Körper unvollkommen; was unvernünftig anzunehmen ist.
Einwand 3: Ferner kann eine Rippe nicht ohne Schmerz vom Menschen entfernt werden. Aber es gab keinen Schmerz vor der Sünde. Daher war es nicht recht, dass eine Rippe vom Mann genommen wurde, damit Eva daraus gemacht würde.
Dagegen spricht, dass geschrieben steht (Gen 2,22): „Gott baute die Rippe, die Er von Adam nahm, zu einer Frau.“
Ich antworte darauf, dass es recht war, dass die Frau aus einer Rippe des Mannes gemacht wurde. Erstens, um die gesellschaftliche Vereinigung von Mann und Frau zu bezeichnen, denn die Frau sollte weder „Autorität über den Mann gebrauchen“, und so wurde sie nicht aus seinem Haupt gemacht; noch war es recht, dass sie der Verachtung des Mannes als seine Sklavin unterworfen sei, und so wurde sie nicht aus seinen Füßen gemacht. Zweitens wegen der sakramentalen Bedeutung; denn aus der Seite des am Kreuz schlafenden Christus flossen die Sakramente – nämlich Blut und Wasser –, auf denen die Kirche gegründet wurde.
Antwort auf Einwand 1: Einige sagen, dass der Körper der Frau durch eine stoffliche Vermehrung gebildet wurde, ohne dass etwas hinzugefügt wurde; auf dieselbe Weise, wie unser Herr die fünf Brote vermehrte. Aber dies ist ganz unmöglich. Denn eine solche Vermehrung der Materie geschähe entweder durch eine Veränderung der Substanz der Materie selbst oder durch eine Veränderung ihrer Abmessungen. Nicht durch Veränderung der Substanz der Materie, sowohl weil die Materie, an sich betrachtet, ganz unveränderlich ist, da sie eine potentielle Existenz hat und nichts als die Natur eines Subjekts besitzt, als auch weil Quantität und Größe dem Wesen der Materie selbst äußerlich sind. Weshalb die Vermehrung von Materie ganz unverständlich ist, solange die Materie selbst dieselbe bleibt, ohne dass ihr etwas hinzugefügt wird; es sei denn, sie erhält größere Abmessungen. Dies impliziert Verdünnung, was bedeutet, dass dieselbe Materie größere Abmessungen erhält, wie der Philosoph sagt (Phys. iv). Zu sagen also, dass dieselbe Materie vergrößert wird, ohne verdünnt zu werden, heißt Widersprüchliches zu verbinden – nämlich die Definition mit der Abwesenheit des Definierten.
Da also bei einer solchen Vermehrung der Materie keine Verdünnung ersichtlich ist, müssen wir eine Hinzufügung von Materie annehmen: entweder durch Schöpfung oder, was wahrscheinlicher ist, durch Umwandlung. Daher sagt Augustinus (Tract. xxiv in Joan.), dass „Christus fünftausend Männer mit fünf Broten sättigte, auf dieselbe Weise, wie Er aus wenigen Samen die Kornernte hervorbringt“ – das heißt durch Umwandlung der Nahrung. Dennoch sagen wir, dass die Mengen mit fünf Broten gespeist wurden oder dass die Frau aus der Rippe gemacht wurde, weil eine Hinzufügung zu der bereits existierenden Materie der Brote und der Rippe gemacht wurde.
Antwort auf Einwand 2: Die Rippe gehörte zur integralen Vollkommenheit Adams, nicht als Individuum, sondern als Prinzip des Menschengeschlechts; so wie der Samen zur Vollkommenheit des Erzeugers gehört und durch eine natürliche und lustvolle Tätigkeit freigesetzt wird. Viel mehr also war es möglich, dass durch die göttliche Macht der Körper der Frau aus der Rippe des Mannes hervorgebracht wurde.
Hieraus ist klar, wie auf den dritten Einwand zu antworten ist.