I, q. 53 a. 1
Ob ein Engel örtlich bewegt werden kann?
Quaestio 53 · Von der Ortsbewegung der Engel
Einwand 1: Es scheint, dass ein Engel nicht örtlich bewegt werden kann. Denn wie der Philosoph beweist (Phys. vi, text 32, 86), „wird nichts bewegt, was keine Teile hat“; denn solange es im Terminus des „Woher“ ist, wird es nicht bewegt; und auch nicht, solange es im Terminus des „Wohin“ ist, denn dann ist es bereits bewegt; folglich bleibt nur, dass alles, was bewegt wird, während es bewegt wird, teilweise im Terminus des „Woher“ und teilweise im Terminus des „Wohin“ ist. Ein Engel aber ist ohne Teile. Also kann ein Engel nicht örtlich bewegt werden.
Einwand 2: Weiter ist die Bewegung „der Akt eines unvollkommenen Seienden“, wie der Philosoph sagt (Phys. iii, text 14). Ein seliger Engel aber ist nicht unvollkommen. Folglich wird ein seliger Engel nicht örtlich bewegt.
Einwand 3: Weiter geschieht Bewegung schlechthin aufgrund eines Mangels. Die heiligen Engel aber haben keinen Mangel. Also werden die heiligen Engel nicht örtlich bewegt.
Dagegen spricht, dass es für einen seligen Engel dasselbe bedeutet, bewegt zu werden, wie für eine selige Seele. Es muss aber notwendigerweise gesagt werden, dass eine selige Seele örtlich bewegt wird, da es ein Glaubensartikel ist, dass die Seele Christi in die Hölle hinabgestiegen ist. Also wird ein seliger Engel örtlich bewegt.
Ich antworte darauf, dass ein seliger Engel örtlich bewegt werden kann. Wie es jedoch einem Körper und einem Engel auf äquivoke Weise zukommt, an einem Ort zu sein, so verhält es sich auch mit der örtlichen Bewegung. Denn ein Körper ist insofern an einem Ort, als er vom Ort umfasst wird und dem Ort angemessen ist. Daher ist es für die örtliche Bewegung eines Körpers notwendig, dass sie dem Ort angemessen ist und dessen Erfordernissen entspricht. Daher kommt es, dass die Stetigkeit der Bewegung der Stetigkeit der Größe entspricht; und ebenso verhält es sich mit dem Früher und Später der örtlichen Bewegung, wie der Philosoph sagt (Phys. iv, text 99). Ein Engel aber ist nicht an einem Ort als ein Angemessenes und Umfasstes, sondern vielmehr als ein Umfassendes. Daher ist es für die örtliche Bewegung eines Engels nicht notwendig, dass sie dem Ort angemessen ist, noch dass sie den Erfordernissen des Ortes entspricht, so dass sie von daher Stetigkeit hätte; sondern es ist eine nicht-stetige Bewegung. Da nämlich der Engel nur durch Kraftberührung an einem Ort ist, wie oben gesagt wurde (Quaestio [52], Artikel [1]), folgt notwendigerweise, dass die Bewegung eines Engels an einem Ort nichts anderes ist als die verschiedenen Berührungen verschiedener Orte nacheinander und nicht zugleich; denn ein Engel kann nicht zugleich an mehreren Orten sein, wie oben gesagt wurde (Quaestio [52], Artikel [2]). Auch ist es nicht notwendig, dass diese Berührungen stetig sind. Dennoch kann eine gewisse Art von Stetigkeit in solchen Berührungen gefunden werden. Denn wie oben gesagt wurde (Quaestio [52], Artikel [1]), hindert uns nichts daran, einem Engel gemäß der Kraftberührung einen teilbaren Ort zuzuweisen; so wie einem Körper durch die Berührung der Größe ein teilbarer Ort zugewiesen wird. Wie also ein Körper nacheinander und nicht auf einmal den Ort verlässt, an dem er zuvor war, und daraus die Stetigkeit in seiner örtlichen Bewegung entsteht, so kann auch ein Engel nacheinander den teilbaren Ort verlassen, an dem er zuvor war, und so wird seine Bewegung stetig sein. Er kann aber auch auf einmal den ganzen Ort verlassen und sich im selben Augenblick auf das Ganze eines anderen Ortes anwenden, und so wird seine Bewegung nicht stetig sein.
Antwort auf Einwand 1: Dieses Argument verfehlt sein Ziel aus einem zweifachen Grund. Erstens, weil Aristoteles' Beweisführung von dem handelt, was der Quantität nach unteilbar ist, welchem ein notwendigerweise unteilbarer Ort entspricht. Und dies kann von einem Engel nicht gesagt werden.
Zweitens, weil Aristoteles' Beweisführung von einer Bewegung handelt, die stetig ist. Denn wäre die Bewegung nicht stetig, so könnte man sagen, dass ein Ding bewegt wird, wo es im Terminus des „Woher“ ist, und während es im Terminus des „Wohin“ ist: weil eben die Aufeinanderfolge von „Orten“ bezüglich desselben Dinges Bewegung genannt würde: daher könnte man sagen, dass das Ding bewegt wird, in welchem dieser „Orte“ es auch sein mag. Aber die Stetigkeit der Bewegung verhindert dies; denn nichts, was stetig ist, ist in seinem Terminus, wie klar ist, weil die Linie nicht im Punkt ist. Daher ist es notwendig, dass das bewegte Ding, während es bewegt wird, nicht gänzlich in einem der beiden Termini ist, sondern teilweise im einen und teilweise im anderen. Insofern also die Bewegung des Engels nicht stetig ist, greift Aristoteles' Beweis nicht. Insofern aber die Bewegung des Engels als stetig angenommen wird, kann so zugestanden werden, dass ein Engel, während er in Bewegung ist, teilweise im Terminus des „Woher“ und teilweise im Terminus des „Wohin“ ist (jedoch so, dass diese Teilhaftigkeit nicht auf die Substanz des Engels bezogen wird, sondern auf den Ort); denn zu Beginn seiner stetigen Bewegung ist der Engel im ganzen teilbaren Ort, von dem aus er bewegt zu werden beginnt; aber während er aktuell in Bewegung ist, ist er in einem Teil des ersten Ortes, den er verlässt, und in einem Teil des zweiten Ortes, den er einnimmt. Eben diese Tatsache, dass er die Teile zweier Orte einnehmen kann, kommt dem Engel daher zu, dass er einen teilbaren Ort durch Anwendung seiner Kraft einnehmen kann; wie es ein Körper durch Anwendung von Größe tut. Daher folgt bezüglich eines Körpers, der örtlich bewegbar ist, dass er der Größe nach teilbar ist; bezüglich eines Engels aber, dass seine Kraft auf etwas angewendet werden kann, das teilbar ist.
Antwort auf Einwand 2: Die Bewegung dessen, was in Potenz ist, ist der Akt eines unvollkommenen Agens. Aber die Bewegung, die durch Anwendung von Energie geschieht, ist der Akt eines Seienden im Akt: denn Energie impliziert Aktualität.
Antwort auf Einwand 3: Die Bewegung dessen, was in Potenz ist, ist der Akt eines Unvollkommenen; aber die Bewegung dessen, was im Akt ist, geschieht nicht aus einem eigenen Bedürfnis, sondern für das Bedürfnis eines anderen. Auf diese Weise wird der Engel wegen unseres Bedürfnisses örtlich bewegt, gemäß Hebr. 1,14: „Sie sind alle [*Vulg.: 'Sind sie nicht alle ...?'] dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Erbe des Heils empfangen sollen.“