I, q. 34 a. 3
Ob der Name „Wort“ eine Beziehung zu den Geschöpfen einschließt?
Quaestio 34 · Von der Person des Sohnes
Einwand 1: Es scheint, dass der Name „Wort“ keine Beziehung zu den Geschöpfen einschließt. Denn jeder Name, der eine Wirkung in den Geschöpfen konnotiert, wird von Gott essentiell ausgesagt. Aber Wort wird nicht essentiell, sondern persönlich ausgesagt. Daher schließt Wort keine Beziehung zu den Geschöpfen ein.
Einwand 2: Ferner wird alles, was eine Beziehung zu den Geschöpfen einschließt, von Gott zeitlich ausgesagt; wie „Herr“ und „Schöpfer“. Aber Wort wird von Gott von Ewigkeit her ausgesagt. Daher schließt es keine Beziehung zum Geschöpf ein.
Einwand 3: Ferner schließt Wort eine Beziehung zu der Quelle ein, von der es ausgeht. Wenn es daher eine Beziehung zum Geschöpf einschließt, folgt daraus, dass das Wort vom Geschöpf ausgeht.
Einwand 4: Ferner sind die Ideen (in Gott) viele gemäß ihren verschiedenen Beziehungen zu den Geschöpfen. Wenn daher Wort eine Beziehung zu den Geschöpfen einschließt, folgt daraus, dass es in Gott nicht nur ein Wort gibt, sondern viele.
Einwand 5: Ferner, wenn Wort eine Beziehung zum Geschöpf einschließt, kann dies nur sein, weil die Geschöpfe von Gott erkannt werden. Aber Gott erkennt nicht nur das Seiende; Er erkennt auch das Nicht-Seiende. Daher sind im Wort Beziehungen zum Nicht-Seienden impliziert; was falsch zu sein scheint.
Dagegen spricht, dass Augustinus sagt (Quaest. lxxxiii, qu. 63), dass „der Name Wort nicht nur die Beziehung zum Vater bezeichnet, sondern auch die Beziehung zu jenen Wesen, die durch das Wort gemacht sind, durch Seine wirkende Kraft.“
Ich antworte darauf, dass Wort eine Beziehung zu den Geschöpfen impliziert. Denn indem Gott sich selbst erkennt, erkennt Er jedes Geschöpf. Nun ist das im Geist empfangene Wort repräsentativ für alles, was aktuell verstanden wird. Daher gibt es in uns selbst verschiedene Worte für die verschiedenen Dinge, die wir verstehen. Aber weil Gott durch einen einzigen Akt sich selbst und alle Dinge versteht, ist Sein einziges Wort nicht nur Ausdruck des Vaters, sondern aller Geschöpfe.
Und wie die Erkenntnis Gottes in Bezug auf Gott nur erkennend ist, wohingegen sie in Bezug auf die Geschöpfe sowohl erkennend als auch wirkend ist, so ist das Wort Gottes nur Ausdruck dessen, was in Gott dem Vater ist, aber es ist sowohl Ausdruck als auch wirkend in Bezug auf die Geschöpfe; und deshalb heißt es (Ps 32,9): „Er sprach, und sie wurden gemacht“; weil im Wort die wirkende Idee dessen impliziert ist, was Gott macht.
Antwort auf Einwand 1: Die Natur ist auch indirekt im Namen der Person eingeschlossen; denn Person ist eine individuelle Substanz rationaler Natur. Daher impliziert der Name einer göttlichen Person, was die persönliche Beziehung betrifft, keine Beziehung zum Geschöpf, aber sie ist in dem impliziert, was zur Natur gehört. Doch hindert nichts daran, dass er eine Beziehung zu den Geschöpfen impliziert, insofern die Essenz in seiner Bedeutung eingeschlossen ist: denn wie es dem Sohn eigentlich zukommt, der Sohn zu sein, so kommt es Ihm eigentlich zu, gezeugter Gott oder gezeugter Schöpfer zu sein; und auf diese Weise schließt der Name Wort eine Beziehung zu den Geschöpfen ein.
Antwort auf Einwand 2: Da die Beziehungen aus Handlungen resultieren, schließen einige Namen die Beziehung Gottes zu den Geschöpfen ein, welche Beziehung auf die Handlung Gottes folgt, die in eine äußere Wirkung übergeht, wie erschaffen und regieren; und dergleichen werden Gott zeitlich zugeschrieben. Andere aber schließen eine Beziehung ein, die aus einer Handlung folgt, die nicht in eine äußere Wirkung übergeht, sondern im Agens verbleibt – wie erkennen und wollen: solche werden Gott nicht zeitlich zugeschrieben; und diese Art von Beziehung zu den Geschöpfen ist im Namen des Wortes impliziert. Auch ist es nicht wahr, dass alle Namen, die die Beziehung Gottes zu den Geschöpfen einschließen, Ihm zeitlich zugeschrieben werden; sondern nur jene Namen werden zeitlich zugeschrieben, die eine Beziehung einschließen, die auf die Handlung Gottes folgt, die in eine äußere Wirkung übergeht.
Antwort auf Einwand 3: Die Geschöpfe sind Gott nicht durch eine von den Geschöpfen selbst abgeleitete Erkenntnis bekannt, sondern durch Seine eigene Essenz. Daher ist es nicht notwendig, dass das Wort von den Geschöpfen ausgeht, obwohl das Wort Ausdruck der Geschöpfe ist.
Antwort auf Einwand 4: Der Name Idee wird hauptsächlich auferlegt, um die Beziehung zu den Geschöpfen zu bezeichnen; und deshalb wird er im Plural auf Gott angewendet; und er wird nicht persönlich ausgesagt. Aber der Name Wort wird hauptsächlich auferlegt, um den Sprecher zu bezeichnen, und folglich die Beziehung zu den Geschöpfen, insofern Gott, indem Er sich selbst versteht, jedes Geschöpf versteht; und so gibt es nur ein Wort in Gott, und das ist ein persönliches.
Antwort auf Einwand 5: Gottes Erkenntnis des Nicht-Seienden und Gottes Wort über das Nicht-Seiende sind dasselbe; weil das Wort Gottes nicht weniger enthält als die Erkenntnis Gottes, wie Augustinus sagt (De Trin. xv, 14). Dennoch ist das Wort Ausdruck und wirkend in Bezug auf das Seiende, aber es ist Ausdruck und offenbarend in Bezug auf das Nicht-Seiende.