I, q. 11 a. 4
Ob Gott im höchsten Maße einer ist?
Quaestio 11 · Die Einheit Gottes
Einwand 1: Es scheint, dass Gott nicht im höchsten Maße „einer“ ist. Denn „eines“ wird so genannt aufgrund der Beraubung der Teilung. Aber Beraubung kann nicht größer oder kleiner sein. Also ist Gott nicht mehr „einer“ als andere Dinge, die „eines“ genannt werden.
Einwand 2: Ferner scheint nichts unteilbarer zu sein als das, was der Wirklichkeit und der Möglichkeit nach unteilbar ist; wie ein Punkt und die Einheit. Aber ein Ding wird umso mehr „eines“ genannt, je unteilbarer es ist. Also ist Gott nicht mehr „einer“, als die Einheit „eines“ ist und ein Punkt „eines“ ist.
Einwand 3: Ferner ist das, was wesenhaft gut ist, im höchsten Maße gut. Also ist das, was wesenhaft „eines“ ist, im höchsten Maße „eines“. Aber jedes Seiende ist wesenhaft „eines“, wie der Philosoph sagt (Metaph. iv). Also ist jedes Seiende im höchsten Maße „eines“; und daher ist Gott nicht mehr „einer“, als irgendein anderes Seiendes „eines“ ist.
Dagegen spricht, was Bernhard sagt (De Consid. v): „Unter allen Dingen, die eins genannt werden, nimmt die Einheit der Göttlichen Dreifaltigkeit den ersten Platz ein.“
Ich antworte darauf, da „Eines“ ein ungeteiltes Seiendes ist, muss, wenn etwas im höchsten Maße „eines“ ist, es im höchsten Maße Seiendes und im höchsten Maße ungeteilt sein. Beides nun kommt Gott zu. Denn Er ist im höchsten Maße Seiendes, insofern sein Sein nicht durch irgendeine Natur bestimmt ist, der es hinzugefügt wäre; da Er das Sein selbst ist, subsistierend, absolut unbestimmt. Er ist aber im höchsten Maße ungeteilt, insofern Er weder der Wirklichkeit noch der Möglichkeit nach durch irgendeine Art der Teilung geteilt ist; da Er gänzlich einfach ist, wie oben gezeigt wurde (Quaestio [3], Artikel [7]). Daher ist es offensichtlich, dass Gott im höchsten Grade „einer“ ist.
Antwort auf Einwand 1: Obwohl Beraubung an sich betrachtet nicht des Mehr oder Weniger fähig ist, so kann doch, insofern ihr Gegenteil dem Mehr oder Weniger unterliegt, auch die Beraubung selbst im Lichte des Mehr und Weniger betrachtet werden. Daher wird ein Ding, je nachdem es mehr geteilt ist, oder weniger oder gar nicht teilbar ist, in dem Maße mehr, oder weniger, oder im höchsten Maße „eines“ genannt.
Antwort auf Einwand 2: Ein Punkt und die Einheit, welche das Prinzip der Zahl ist, sind nicht im höchsten Maße Seiendes, insofern sie Sein nur in irgendeinem Subjekt haben. Daher kann keines von beiden im höchsten Maße „eines“ sein. Denn wie ein Subjekt nicht im höchsten Maße „eines“ sein kann, wegen der Verschiedenheit in ihm von Akzidens und Subjekt, so auch kein Akzidens.
Antwort auf Einwand 3: Obwohl jedes Seiende durch seine Substanz „eines“ ist, ist doch nicht jede solche Substanz gleichermaßen die Ursache der Einheit; denn die Substanz einiger Dinge ist zusammengesetzt und die anderer einfach.