
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 8
5 Als er nach Kafarnaum kam, trat ein Hauptmann an ihn heran mit der Bitte: 6 Herr, mein Knecht liegt gelähmt zu Hause und leidet große Qual. 7 Er sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn heilen! 8 Da antwortete der Hauptmann: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach trittst. Aber sprich nur ein Wort, so ist mein Knecht geheilt. 9 Denn auch ich bin ein Mann, der unter Befehlsgewalt steht, und habe Soldaten unter mir. Sage ich nun zu einem: Geh!, so geht er, und zu einem andern: Komm!, so kommt er, und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er es.
Aber einige sagen, daß dies zwei verschiedene Begebenheiten sind; eine Meinung, die viel für sich hat. Von jenem bei Lukas wird gesagt: Er liebt unser Volk und hat uns eine Synagoge gebaut; von diesem aber sagt Jesus: Ich habe in Israel nicht so großen Glauben gefunden; daher könnte es scheinen, daß der andere ein Jude war. Meiner Meinung nach aber sind beide dieselbe Person. Was Lukas berichtet, daß er zu Jesus sandte, er möge zu ihm kommen, verrät die freundlichen Dienste der Juden. Wir können annehmen, daß, als der Hauptmann zu Jesus gehen wollte, er von den Juden daran gehindert wurde, die sich anboten, selbst zu gehen, um ihn herbeizubringen. Sobald er aber von ihrer Aufdringlichkeit befreit war, sandte er, um zu sagen: Denke nicht, daß ich aus Mangel an Achtung nicht gekommen bin, sondern weil ich mich für unwürdig hielt, dich in mein Haus aufzunehmen. Wenn nun Matthäus berichtet, daß er dies nicht durch Freunde, sondern in eigener Person sagte, so widerspricht das nicht dem Bericht des Lukas; denn beide haben nur die Sorge des Hauptmanns dargestellt und daß er eine richtige Meinung von Christus hatte. Und wir können annehmen, daß er diese Botschaft zuerst durch Freunde zu ihm sandte, als er sich näherte, und später, als er dorthin gekommen war, sie selbst wiederholte. Wenn sie aber verschiedene Geschichten erzählen, dann widersprechen sie einander nicht, sondern ergänzen sich gegenseitig.