Pseudo-Augustinus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
45 Von der sechsten Stunde an aber kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46 Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 47 Als einige von den Umstehenden das hörten, sagten sie: Er ruft Elija. 48 Sofort lief einer von ihnen hin, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 49 Die Übrigen aber sagten: Lass, wir wollen sehen, ob Elija kommt, um ihn zu retten. 50 Da schrie Jesus noch einmal laut auf und gab den Geist auf.
(Vigil. cont. Felicianum. 14.) Fern sei von den Gläubigen jeder Verdacht, dass Christus unseren Tod so erfuhr, dass das Leben (soweit es kann) aufhörte zu leben. Wäre dies so gewesen, wie könnte irgendetwas während jener drei Tage als lebendig bezeichnet werden, wenn die Quelle des Lebens selbst ausgetrocknet wäre? Daher erfuhr die Gottheit Christi den Tod durch ihre Teilhabe an der Menschheit oder am menschlichen Gefühl, das sie freiwillig auf sich genommen hatte; aber sie verlor nicht die Eigenschaften ihrer Natur, durch die sie allen Dingen Leben gibt. Denn wenn wir sterben, ist ohne Zweifel der Verlust des Lebens durch den Leib nicht die Zerstörung der Seele, sondern die Seele, die den Leib verlässt, verliert nicht ihre eigenen Eigenschaften, sondern lässt nur los, was sie belebt hatte, und bewirkt, soweit es an ihr liegt, den Tod von etwas anderem, aber sie selbst trotzt dem Tod. Um nun von der Seele des Erlösers zu sprechen; sie konnte während dieser drei Tage von seinem Leib scheiden, ohne selbst zerstört zu werden, sogar nach den allgemeinen Gesetzen des Todes, und ohne die innewohnende Gottheit und seine einzigartige Gerechtigkeit in Betracht zu ziehen. Denn ich glaube, dass der Sohn Gottes nicht zur Strafe für Ungerechtigkeit starb, die er überhaupt nicht hatte, sondern nach dem Gesetz jener Natur, die er zur Erlösung des Menschengeschlechts auf sich genommen hatte.