
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 27
45 Von der sechsten Stunde an aber kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 46 Um die neunte Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lema sabachtani?, das heißt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 47 Als einige von den Umstehenden das hörten, sagten sie: Er ruft Elija. 48 Sofort lief einer von ihnen hin, nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken. 49 Die Übrigen aber sagten: Lass, wir wollen sehen, ob Elija kommt, um ihn zu retten. 50 Da schrie Jesus noch einmal laut auf und gab den Geist auf.
(in Serm. non occ.) Als nun nichts von Leiden mehr zu erdulden übrig war, verweilt der Tod noch, wissend, dass er dort nichts hat. Der alte Feind ahnte etwas Ungewöhnliches. Diesen Menschen, den ersten und einzigen, fand er ohne Sünde, frei von Schuld, nichts den Gesetzen seiner Gerichtsbarkeit schuldig. Aber verbündet mit jüdischem Wahnsinn kommt der Tod erneut zum Angriff und fällt verzweifelt den Lebensspender an. Und Jesus, als er wieder mit lauter Stimme geschrien hatte, gab den Geist auf. Warum sollten wir Anstoß daran nehmen, dass Christus aus dem Schoß des Vaters kam, um unsere Knechtschaft auf sich zu nehmen, damit er uns seine Freiheit verleihe; um unseren Tod auf sich zu nehmen, damit wir durch seinen Tod befreit würden; indem er den Tod verachtete, erhob er uns Sterbliche zu Göttern, hielt sie der irdischen Dinge für würdig, die himmlischen zu empfangen? Denn da die göttliche Macht so strahlend in der Betrachtung ihrer Werke hervorleuchtet, ist es ein Beweis grenzenloser Liebe, dass sie für ihre Untertanen leidet, für ihre Knechte stirbt. Dies war also die erste Ursache des Leidens des Herrn, dass er bekannt haben wollte, wie groß Gottes Liebe zum Menschen ist, der lieber geliebt als gefürchtet werden wollte. Die zweite war, dass er mit noch größerer Gerechtigkeit das Todesurteil aufhebe, das er mit Gerechtigkeit gefällt hatte. Denn wie der erste Mensch durch Schuld den Tod durch Gottes Urteil auf sich geladen und denselben seinen Nachkommen überliefert hatte, kam der zweite Mensch, der keine Sünde kannte, vom Himmel, damit der Tod verurteilt werde, der, beauftragt, die Schuldigen zu ergreifen, es gewagt hatte, den Urheber der Sündlosigkeit zu berühren. Und es ist kein Wunder, wenn er für uns niederlegte, was er von uns genommen hatte, nämlich sein Leben, da er doch andere so große Dinge für uns getan und uns so viel geschenkt hat.