
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 10
16 Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid also klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. 17 Nehmt euch in Acht vor den Menschen; denn sie werden euch den Gerichten überliefern und in ihren Synagogen geißeln. 18 Auch vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt um meinetwillen, ihnen und den Heiden zum Zeugnis.
(Hom. xxxiii.) Nachdem Er alle Sorge und Angst von den Aposteln genommen und sie mit wunderbaren Kräften ausgerüstet hat, fährt Er fort, die Übel vorherzusagen, die ihnen widerfahren sollten. Erstens, damit sie seine Kenntnis der Zukunft erkennen; zweitens, damit sie nicht denken, dass diese Dinge wegen mangelnder Macht ihres Meisters über sie kämen; drittens, damit sie nicht erstaunt wären, wenn diese Dinge unerwartet über sie kämen; viertens, damit sie nach dem Hören dieser Dinge in der Zeit seines Kreuzes nicht entmutigt würden; und schließlich, damit sie eine neue Art der Kriegsführung lernten. Er sendet sie unversorgt aus und befiehlt ihnen, sich an die zu wenden, die sie aufnehmen würden, um Unterstützung zu erhalten; aber Er bleibt nicht dabei stehen, sondern zeigt seine Macht noch weiter: Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter Wölfe. Wo man beachte, dass Er nicht bloß sagt ‚zu Wölfen‘, sondern mitten unter Wölfe, um darin seine vortreffliche Macht zu zeigen, dass die Schafe die Wölfe überwinden würden, obwohl sie mitten unter ihnen waren; und obwohl sie viele Bisse von ihnen empfingen, wurden sie doch nicht vernichtet, sondern bekehrten sie vielmehr. Und es ist eine viel größere und wunderbarere Macht, ihre Herzen zu ändern, als sie zu töten. Unter Wölfen lehrt Er sie, die Sanftmut der Schafe zu zeigen.