
Gregor der Große
Catena Aurea · Matthäusevangelium 10
16 Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid also klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. 17 Nehmt euch in Acht vor den Menschen; denn sie werden euch den Gerichten überliefern und in ihren Synagogen geißeln. 18 Auch vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt um meinetwillen, ihnen und den Heiden zum Zeugnis.
(Hom. in Ev. xvii. 4.) Denn wer das Amt des Predigers übernimmt, soll nicht Böses tun, sondern es erleiden und durch seine Sanftmut den Zorn der Erzürnten besänftigen und durch seine Wunden die Wunden der Sünder in ihrer Bedrängnis heilen. Und selbst wenn der Eifer für das Rechte es erfordern sollte, dass Er streng zu denen ist, die ihm unterstellt sind, wird seine Strenge selbst von Liebe und nicht von Grausamkeit sein, äußerlich die Rechte der Disziplin wahrend und innerlich die liebend, die Er zurechtweist. Zu viele, wenn ihnen die Zügel der Regierung anvertraut sind, brennen darauf, die Untergebenen sie fühlen zu lassen, zeigen die Schrecken der Autorität und vergessen, dass sie Väter sind, wünschen vielmehr, als Herren angesehen zu werden, verwandeln eine Stellung der Niedrigkeit in die einer hohen Herrschaft; wenn sie jemals äußerlich jemandem zu schmeicheln scheinen, hassen sie ihn innerlich; von solchen sprach Er oben: Sie kommen zu euch in Schafskleidern, aber innerlich sind sie reißende Wölfe. (Mat. 7:15.) Um dem vorzubeugen, sollten wir bedenken, dass wir als Schafe unter Wölfe gesandt sind, deren Unschuld wir bewahren sollen, ohne den Zahn der Bosheit zu haben.