
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
27 Euch, die ihr zuhört, sage ich: Liebt euere Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. 28 Segnet die, die euch verfluchen, und betet für die, die euch verleumden. 29 Wer dich auf die eine Wange schlägt, dem halte auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch nicht den Rock. 30 Jedem, der dich bittet, gib; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. 31 Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, ebenso sollt auch ihr ihnen tun.
Doch hierin irren wir nicht leicht, wenn wir nicht nur denen nichts geben, die bitten, sondern sie auch noch tadeln? Warum (sagst du) arbeitet er nicht, warum wird der Müßige gespeist? Sage mir, besitzt du denn durch Arbeit? Aber dennoch, wenn du arbeitest, arbeitest du dazu, dass du einen anderen tadelst? Nennst du einen Menschen habgierig wegen eines einzigen Laibs und Mantels? Du gibst nichts, mache dann keine Vorwürfe. Warum erbarmst du dich nicht selbst und hältst die zurück, die es tun würden? Wenn wir unterschiedslos für alle aufwenden, werden wir immer Erbarmen haben; denn weil Abraham alle bewirtet, bewirtet er auch Engel. Denn wenn ein Mensch ein Mörder und Räuber ist, verdient er dann, meinst du, nicht Brot zu haben? Lasst uns also nicht strenge Zensoren anderer sein, damit wir nicht selbst streng gerichtet werden.