
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Lukasevangelium 6
27 Euch, die ihr zuhört, sage ich: Liebt euere Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen. 28 Segnet die, die euch verfluchen, und betet für die, die euch verleumden. 29 Wer dich auf die eine Wange schlägt, dem halte auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch nicht den Rock. 30 Jedem, der dich bittet, gib; und von dem, der dir das Deine nimmt, fordere es nicht zurück. 31 Wie ihr wollt, dass euch die Leute tun, ebenso sollt auch ihr ihnen tun.
(Hom. 10. in 1 Cor.) Alles, was wir haben, empfangen wir von Gott. Aber wenn wir von „mein und dein“ sprechen, sind das nur bloße Worte. Denn wenn du behauptest, ein Haus sei dein, hast du einen Ausdruck gebraucht, dem die Substanz der Wirklichkeit fehlt. Denn sowohl die Luft, der Boden als auch die Feuchtigkeit gehören dem Schöpfer. Du wiederum bist der, der das Haus gebaut hat; aber obwohl der Gebrauch dir gehört, ist er unsicher, nicht nur wegen des Todes, sondern auch wegen des Ausgangs der Dinge. Deine Seele ist nicht dein Eigentum und wird dir ebenso wie alle deine Güter zugerechnet werden. Gott will, dass jene Dinge dein sind, die dir für deine Brüder anvertraut sind, und sie werden dein sein, wenn du sie für andere ausgeteilt hast. Wenn du aber, was dein ist, verschwenderisch für dich selbst ausgegeben hast, sind sie nun eines anderen geworden. Aber durch ein böses Verlangen nach Reichtum streiten die Menschen in einem Zustand, der Christi Worten widerspricht: Und von dem, der dir deine Güter nimmt, fordere sie nicht zurück.