
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
4 In ihm war das Leben, / und das Leben war das Licht der Menschen.
(Hom. v. [iv.] in Joan. c. 1, 2) Oder um eine andere Erklärung zu geben. Wir werden nicht bei „ohne ihn ist nichts gemacht“ Halt machen, wie die Häretiker es tun. Denn sie, die den Heiligen Geist als Geschöpf erweisen wollen, lesen: „Was in ihm gemacht wurde, war Leben.“ Aber das kann so nicht verstanden werden. Denn erstens war dies nicht der Ort, den Heiligen Geist zu erwähnen. Aber nehmen wir an, es wäre so; nehmen wir die Stelle für den Augenblick nach ihrer Lesart, so werden wir sehen, dass sie zu einer Schwierigkeit führt. Denn wenn gesagt wird: „Was in ihm gemacht wurde, war Leben“, so sagen sie, das hier erwähnte Leben sei der Heilige Geist. Aber dieses Leben ist auch Licht; denn der Evangelist fährt fort: „Das Leben war das Licht der Menschen.“ Daher nennen sie zufolge den Heiligen Geist das Licht aller Menschen. Aber das oben erwähnte Wort ist das, was er hier nacheinander Gott, Leben und Licht nennt. Nun ist das Wort Fleisch geworden. Daraus folgt, dass der Heilige Geist Mensch geworden ist, nicht der Sohn. Indem wir also diese Lesart verwerfen, nehmen wir eine passendere an, mit folgender Bedeutung: „Alles ist durch ihn gemacht, und ohne ihn ist nichts gemacht, was gemacht ist“: dort machen wir einen Halt und beginnen einen neuen Satz: „In ihm war Leben.“ „Ohne ihn ist nichts gemacht, was gemacht ist“ (γενητὸν), d. h. was gemacht werden konnte. Du siehst, wie er durch diesen kurzen Zusatz jede Schwierigkeit beseitigt, die folgen könnte. Denn indem er einführt „ohne ihn ist nichts gemacht“ und hinzufügt „was gemacht ist“, schließt er alle unsichtbaren Dinge ein und nimmt den Heiligen Geist aus; denn der Geist kann nicht gemacht werden. (δημιουργίας) Auf die Erwähnung der Schöpfung folgt die der Vorsehung. „In ihm war Leben.“ Wie eine Quelle, die gewaltige Wassertiefen hervorbringt und doch an der Quelle selbst nichts vermindert wird; so wirkt der Eingeborene. Wie groß auch immer seine Geschöpfe sind, er selbst ist um ihretwillen nicht geringer. Mit dem Wort „Leben“ ist hier nicht nur die Schöpfung gemeint, sondern jene Vorsehung, durch die das Geschaffene erhalten wird. Aber wenn dir gesagt wird, dass in ihm Leben war, so glaube nicht, dass er zusammengesetzt sei; denn wie der Vater Leben in sich selbst hat, so hat er dem Sohn gegeben, Leben in sich selbst zu haben. (Joh 5,26) Wie du also den Vater nicht zusammengesetzt nennen würdest, so solltest du es auch beim Sohn nicht tun.