Origenes
Catena Aurea · Johannesevangelium 1
4 In ihm war das Leben, / und das Leben war das Licht der Menschen.
(t. ii. c. 12, 13.) Oder so: Unser Heiland wird von einigen Dingen gesagt, nicht um seiner selbst willen, sondern um anderer willen; von anderen wiederum sowohl um seiner selbst als auch um anderer willen. Wenn es also heißt: „Was in ihm gemacht wurde, war Leben“, müssen wir untersuchen, ob das Leben für ihn selbst und andere ist, oder nur für andere; und wenn für andere, für wen? Nun sind das Leben und das Licht dieselbe Person: Er ist das Licht der Menschen: Er ist daher ihr Leben. Der Heiland wird hier Leben genannt, nicht für sich, sondern für andere; deren Licht er auch ist. Dieses Leben ist untrennbar vom Wort, von der Zeit an, da es ihm hinzugefügt wird. Denn die Vernunft oder das Wort muss zuvor in der Seele existieren, sie von Sünde reinigend, bis sie rein genug ist, das Leben zu empfangen, das so in jeden eingepfropft oder eingeboren wird, der sich selbst geeignet macht, das Wort Gottes zu empfangen. Daher beachte, dass, obwohl das Wort selbst im Anfang nicht gemacht wurde, da der Anfang nie ohne das Wort war, dennoch das Leben der Menschen nicht immer im Wort war. Dieses Leben der Menschen wurde gemacht, insofern es das Licht der Menschen war; und dieses Licht der Menschen konnte nicht sein, bevor der Mensch war; das Licht der Menschen wird nämlich relativ zu den Menschen verstanden. Und deshalb sagt er: „Was im Wort gemacht wurde, war Leben“; nicht: „Was im Wort war, war Leben.“ Einige Handschriften lesen, nicht unrichtig: „Was gemacht wurde, ist in ihm Leben.“ Wenn wir das Leben im Wort als den verstehen, der unten sagt: „Ich bin das Leben“, werden wir bekennen, dass keiner, der nicht an Christus glaubt, lebt, und dass alle, die nicht in Gott leben, tot sind. (Joh 11,25; 14,6)