II-II, q. 165 a. 2
War die Art und Ordnung der ersten Versuchung angemessen?
Quaestio 165 · Von der Versuchung der Stammeltern
Einwand 1: Es scheint, dass die Art und Ordnung der ersten Versuchung nicht angemessen war. Denn so wie in der Ordnung der Natur der Engel über dem Menschen stand, so stand der Mann über der Frau. Nun kam die Sünde über den Menschen durch einen Engel: also hätte sie in gleicher Weise über die Frau durch den Mann kommen sollen; mit anderen Worten, die Frau hätte vom Mann versucht werden sollen und nicht umgekehrt.
Einwand 2: Ferner geschah die Versuchung unserer Stammeltern durch Einflüsterung. Nun kann der Teufel dem Menschen Einflüsterungen machen, ohne sich eines äußeren sinnlichen Geschöpfes zu bedienen. Da also unsere Stammeltern mit einem geistigen Verstand begabt waren und weniger an sinnlichen als an intelligiblen Dingen hingen, wäre es angemessener gewesen, den Menschen mit einer rein geistigen statt einer äußeren Versuchung zu versuchen.
Einwand 3: Ferner kann man ein Übel nicht angemessen einflüstern außer durch ein scheinbares Gut. Aber viele andere Tiere haben einen größeren Anschein des Guten als die Schlange. Daher wurde der Mensch vom Teufel unangemessenerweise durch eine Schlange versucht.
Einwand 4: Ferner ist die Schlange ein vernunftloses Tier. Nun ziemen Weisheit, Sprache und Strafe einem vernunftlosen Tier nicht. Daher wird die Schlange unpassend (Gen 3,1) als "listiger als alle Tiere des Feldes" beschrieben, oder als "das klügste aller Tiere" gemäß einer anderen Version [*Septuaginta]: und ebenso wird unpassend ausgesagt, sie habe zur Frau gesprochen und sei von Gott bestraft worden.
Dagegen spricht: Dasjenige, was das Erste in einer Gattung ist, sollte allem proportional sein, was ihm in dieser Gattung folgt. Nun finden wir in jeder Art von Sünde die gleiche Ordnung wie in der ersten Versuchung. Denn gemäß Augustinus (De Trin. xii, 12) beginnt sie mit der Begierde der Sünde in der Sinnlichkeit, bezeichnet durch die Schlange; erstreckt sich auf die niedere Vernunft durch das Vergnügen, bezeichnet durch die Frau; und reicht bis zur höheren Vernunft durch die Zustimmung zur Sünde, bezeichnet durch den Mann. Daher war die Ordnung der ersten Versuchung angemessen.
Ich antworte darauf: Der Mensch besteht aus einer zweifachen Natur, der intellektiven und der sensitiven. Daher bediente sich der Teufel, als er den Menschen versuchte, eines zweifachen Anreizes zur Sünde: einen aufseiten des Intellekts, indem er die göttliche Ähnlichkeit durch den Erwerb von Wissen versprach, welches der Mensch von Natur aus zu haben begehrt; den anderen aufseiten des Sinnes. Dies tat er, indem er auf jene sinnlichen Dinge zurückgriff, die dem Menschen am nächsten verwandt sind, teils indem er den Mann durch die Frau versuchte, die ihm in derselben Spezies verwandt war; teils indem er die Frau durch die Schlange versuchte, die ihnen in derselben Gattung verwandt war; teils indem er ihnen einflüsterte, von der verbotenen Frucht zu essen, die ihnen in der nächsten Gattung verwandt war.
Antwort auf Einwand 1: Im Akt der Versuchung war der Teufel die wirkende Hauptursache; wohingegen die Frau als Werkzeug der Versuchung gebraucht wurde, um den Fall des Mannes herbeizuführen, sowohl weil die Frau schwächer war als der Mann und folglich leichter zu täuschen, als auch weil der Teufel aufgrund ihrer Vereinigung mit dem Mann fähig war, den Mann besonders durch sie zu täuschen. Nun gibt es keine Gleichheit zwischen Hauptursache und Werkzeug, weil die Hauptursache an Macht übertreffen muss, was bei der instrumentalen Ursache nicht erforderlich ist.
Antwort auf Einwand 2: Eine Einflüsterung, durch die der Teufel dem Menschen geistigerweise etwas eingibt, zeigt, dass der Teufel mehr Macht gegen den Menschen hat als die äußere Einflüsterung, da durch eine innere Einflüsterung zumindest die Einbildungskraft des Menschen vom Teufel verändert wird [*Vgl. FP, Frage [91], Artikel [3]]; wohingegen durch eine äußere Einflüsterung eine Veränderung lediglich an einem äußeren Geschöpf bewirkt wird. Nun hatte der Teufel vor der Sünde ein Minimum an Macht gegen den Menschen, weshalb er unfähig war, ihn durch innere Einflüsterung zu versuchen, sondern nur durch äußere Einflüsterung.
Antwort auf Einwand 3: Nach Augustinus (Gen. ad lit. xi, 3) "dürfen wir nicht annehmen, dass der Teufel die Schlange als sein Mittel der Versuchung wählte; sondern da er von der Lust zum Betrug besessen war, konnte er dies nur durch das Tier tun, das zu benutzen ihm erlaubt war."
Antwort auf Einwand 4: Nach Augustinus (Gen. ad lit. xi, 29) "wird die Schlange als sehr klug oder listig beschrieben wegen der List des Teufels, der seine Ränke in ihr wirkte: so sprechen wir von einer klugen oder listigen Zunge, weil sie das Werkzeug eines klugen oder listigen Mannes ist, um etwas klug oder listig zu raten. Auch verstand (Gen. ad lit. xi, 28) die Schlange in der Tat nicht die Laute, die durch sie an die Frau übermittelt wurden; noch wiederum dürfen wir glauben, dass ihre Seele in eine vernunftbegabte Natur verwandelt wurde, da nicht einmal Menschen, die von Natur aus vernunftbegabt sind, wissen, was sie sagen, wenn ein Dämon in ihnen spricht. Dementsprechend (Gen. ad lit. xi, 29) sprach die Schlange zum Menschen, so wie die Eselin, auf der Bileam saß, zu ihm sprach, außer dass Ersteres das Werk eines Teufels war, wohingegen Letzteres das Werk eines Engels war. Daher (Gen. ad lit. xi, 36) wurde die Schlange nicht gefragt, warum sie dies getan habe, weil sie dies nicht in ihrer eigenen Natur getan hatte, sondern der Teufel in ihr, der wegen seiner Sünde bereits zum ewigen Feuer verurteilt war: und die an die Schlange gerichteten Worte waren an den gerichtet, der durch die Schlange wirkte."
Überdies, wie wiederum Augustinus sagt (Super Gen. contra Manich. ii, 17,18), ist "seine, das heißt des Teufels Strafe, die hier erwähnt wird, jene, vor der wir uns gegen ihn hüten müssen, nicht jene, die bis zum Jüngsten Gericht aufgespart wird. Denn als zu ihm gesagt wurde: 'Du bist verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes', wird das Vieh über ihn gesetzt, nicht an Macht, sondern in der Bewahrung ihrer Natur, da das Vieh keine himmlische Glückseligkeit verlor, da es sie nie hatte, sondern sie leben weiter in der Natur, die sie empfingen." Es wird auch zu ihm gesagt: "'Auf deiner Brust und deinem Bauch sollst du kriechen'", gemäß einer anderen Version [*Septuaginta]. "Hier bezeichnet die Brust den Stolz, weil dort der Impuls der Seele herrscht, während der Bauch das fleischliche Begehren bezeichnet, weil dieser Teil des Körpers am weichsten bei der Berührung ist: und auf diesen kriecht er zu jenen, die er zu täuschen wünscht." Die Worte "'Erde sollst du essen alle Tage deines Lebens' können auf zwei Arten verstanden werden. Entweder 'Jene sollen dir gehören, die du durch irdische Lust täuschen wirst', nämlich Sünder, die unter dem Namen Erde bezeichnet werden, oder eine dritte Art der Versuchung, nämlich Neugierde, wird durch diese Worte bezeichnet: denn Erde essen heißt, in tiefe und dunkle Dinge zu blicken." Das Setzen von Feindschaft zwischen ihm und der Frau "bedeutet, dass wir vom Teufel nicht versucht werden können, außer durch jenen Teil der Seele, der die Ähnlichkeit einer Frau trägt oder widerspiegelt. Der Samen des Teufels ist die Versuchung zum Bösen, der Samen der Frau ist die Frucht guter Werke, wodurch der Versuchung zum Bösen widerstanden wird. Daher lauert die Schlange auf die Ferse der Frau, damit, wenn sie zu irgendeiner Zeit hin zu dem abfällt, was unerlaubt ist, das Vergnügen sie ergreifen möge: und sie bewacht seinen Kopf, damit sie ihn gleich zu Beginn der bösen Versuchung ausschließe."