II-II, q. 13 a. 1
Ob die Gotteslästerung dem Glaubensbekenntnis entgegengesetzt ist?
Quaestio 13 · Von der Sünde der Gotteslästerung im Allgemeinen
Einwand 1: Es scheint, dass die Gotteslästerung dem Glaubensbekenntnis nicht entgegengesetzt ist. Denn lästern heißt, dem Schöpfer eine Schmach oder Beleidigung zuzufügen. Dies gehört aber eher zum bösen Willen gegen Gott als zum Unglauben. Also ist die Gotteslästerung dem Glaubensbekenntnis nicht entgegengesetzt.
Einwand 2: Ferner sagt eine Glosse zu Eph 4,31 ("Alle Gotteslästerung ... soll von euch weichen"): "was gegen Gott oder die Heiligen begangen wird". Das Glaubensbekenntnis aber handelt scheinbar nicht von anderen Dingen als denen, die Gott betreffen, welcher der Gegenstand des Glaubens ist. Daher ist die Gotteslästerung nicht immer dem Glaubensbekenntnis entgegengesetzt.
Einwand 3: Ferner gibt es nach einigen drei Arten der Gotteslästerung. Die erste ist, wenn von Gott etwas Unziemliches bejaht wird; die zweite, wenn Ihm etwas Ziemliches abgesprochen wird; die dritte, wenn etwas Gott Eigentümliches einem Geschöpf zugeschrieben wird, so dass die Gotteslästerung scheinbar nicht nur Gott, sondern auch seine Geschöpfe betrifft. Der Gegenstand des Glaubens aber ist Gott. Daher ist die Gotteslästerung dem Glaubensbekenntnis nicht entgegengesetzt.
Dagegen spricht, dass der Apostel sagt (1 Tim 1,12.13): "Ich war zuvor ein Lästerer und Verfolger", und danach: "Ich habe es unwissend getan in meinem Unglauben." Daher scheint es, dass die Gotteslästerung zum Unglauben gehört.
Ich antworte darauf, dass das Wort Gotteslästerung (blasphemia) die Herabwürdigung einer überragenden Güte zu bezeichnen scheint, besonders derjenigen Gottes. Gott nun ist, wie Dionysius sagt (Div. Nom. 1), das Wesen der wahren Güte selbst. Daher gehört alles, was Gott ziemt, zu seiner Güte, und was Ihm nicht ziemt, ist weit entfernt von der Vollkommenheit der Güte, welche sein Wesen ist. Folglich würdigt jeder, der entweder etwas leugnet, was Gott ziemt, oder Ihm etwas Unziemliches bejaht, die göttliche Güte herab.
Dies kann nun auf zwei Weisen geschehen. Erstens bloß hinsichtlich der Meinung im Verstand; zweitens, wenn sich mit dieser Meinung eine gewisse Verabscheuung in den Affekten verbindet, so wie andererseits der Glaube an Gott durch die Liebe zu Ihm vollendet wird. Dementsprechend liegt diese Herabwürdigung der göttlichen Güte entweder allein im Verstand oder auch in den Affekten. Wenn sie nur im Gedanken ist, ist es eine Gotteslästerung des Herzens; wenn sie sich aber äußerlich in der Rede verrät, ist die Gotteslästerung dem Glaubensbekenntnis entgegengesetzt.
Antwort auf Einwand 1: Wer gegen Gott spricht mit der Absicht, Ihn zu schmähen, würdigt die göttliche Güte herab, nicht nur hinsichtlich der Falschheit in seinem Verstand, sondern auch aufgrund der Bosheit seines Willens, wodurch er die Gott gebührende Ehre verabscheut und zu hindern sucht, und dies ist die vollkommene Gotteslästerung.
Antwort auf Einwand 2: So wie Gott in seinen Heiligen gepriesen wird, insofern das Lob den Werken gilt, die Gott in seinen Heiligen wirkt, so fällt auch die Gotteslästerung gegen die Heiligen als Konsequenz auf Gott zurück.
Antwort auf Einwand 3: Eigentlich gesprochen wird die Sünde der Gotteslästerung nicht auf diese Weise in drei Arten unterteilt: denn Unziemliches zu bejahen oder Ziemliches von Gott zu leugnen, unterscheidet sich lediglich wie Bejahung und Verneinung. Diese Verschiedenheit bewirkt aber keine unterschiedlichen Arten von Habitus, da die Falschheit von Bejahungen und Verneinungen durch dieselbe Erkenntnis bekannt wird, und es dieselbe Unwissenheit ist, die auf beide Weisen irrt, da Verneinungen durch Bejahungen bewiesen werden, gemäß Poster. I, 25. Ferner scheint es auf dasselbe hinauszulaufen, Geschöpfen Dinge zuzuschreiben, die Gott eigen sind, wie etwas Unziemliches von Ihm zu behaupten; denn was Gott eigen ist, ist Gott selbst: und einem Geschöpf das zuzuschreiben, was Gott eigen ist, heißt zu behaupten, dass Gott dasselbe sei wie ein Geschöpf.