I, q. 73 a. 3
Ob Segnung und Heiligung dem siebten Tag gebühren?
Quaestio 73 · Von dem, was zum siebten Tag gehört.
Einwand 1: Es scheint, dass Segnung und Heiligung dem siebten Tag nicht gebühren. Denn es ist üblich, eine Zeit gesegnet oder heilig zu nennen, weil in ihr etwas Gutes geschehen ist oder ein Übel vermieden wurde. Aber ob Gott wirkt oder von der Arbeit ablässt, Ihm wächst nichts zu und geht Ihm nichts verloren. Deshalb gebühren dem siebten Tag keine besondere Segnung oder Heiligung.
Einwand 2: Ferner leitet sich das lateinische "benedictio" [Segnung] von "bonitas" [Güte] ab. Es ist aber die Natur des Guten, sich auszubreiten und mitzuteilen, wie Dionysius sagt (Div. Nom. iv). Die Tage also, an denen Gott Geschöpfe hervorbrachte, verdienten eher einen Segen als der Tag, an dem Er aufhörte, sie hervorzubringen.
Einwand 3: Ferner wurde über jedes Geschöpf ein Segen ausgesprochen, wie bei jedem Werk gesagt wurde: "Gott sah, dass es gut war." Deshalb war es nicht notwendig, dass, nachdem alles hervorgebracht war, der siebte Tag gesegnet würde.
Dagegen spricht: Es steht geschrieben (Gen 2,3): "Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm geruht hatte von all seinem Werk."
Ich antworte darauf: Wie oben gesagt (Artikel [2]), wird Gottes Ruhe am siebten Tag auf zweifache Weise verstanden. Erstens, dass Er aufhörte, neue Werke hervorzubringen, obwohl Er die Geschöpfe, die Er gemacht hat, immer noch erhält und für sie sorgt. Zweitens, dass Er nach all seinen Werken in sich selbst ruhte. Gemäß der ersten Bedeutung also ziemt dem siebten Tag ein Segen, da sich, wie wir erklärten (Frage [72], ad 4), der Segen auf die Zunahme durch Vermehrung bezog; weshalb Gott zu den Geschöpfen, die Er segnete, sprach: "Wachset und mehret euch." Nun wird diese Zunahme durch Gottes Vorsehung über seine Geschöpfe bewirkt, welche die Zeugung von Gleichem aus Gleichem sichert. Und gemäß der zweiten Bedeutung ist es recht, dass der siebten Tag geheiligt wurde, da die besondere Heiligung eines jeden Geschöpfes im Ruhen in Gott besteht. Aus diesem Grund werden Dinge, die Gott geweiht sind, als geheiligt bezeichnet.
Antwort auf Einwand 1: Der siebte Tag wird als geheiligt bezeichnet, nicht weil Gott etwas zuwachsen oder von Ihm genommen werden könnte, sondern weil den Geschöpfen etwas hinzugefügt wird durch ihre Vermehrung und durch ihr Ruhen in Gott.
Antwort auf Einwand 2: In den ersten sechs Tagen wurden die Geschöpfe in ihren ersten Ursachen hervorgebracht, aber nachdem sie so hervorgebracht waren, werden sie vermehrt und erhalten, und dieses Werk gehört auch zur göttlichen Güte. Und die Vollkommenheit dieser Güte wird am deutlichsten durch die Erkenntnis, dass Gott in ihr allein seine eigene Ruhe findet und wir die unsere in ihrem Genuss finden können.
Antwort auf Einwand 3: Das Gute, das bei den Werken eines jeden Tages erwähnt wird, gehört zur ersten Einsetzung der Natur; der Segen aber, der dem siebten Tag angefügt ist, zu ihrer Fortpflanzung.