
Johannes Chrysostomus
Catena Aurea · Matthäusevangelium 7
15 Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. 16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man etwa Trauben von Dornen oder Feigen von Disteln? 17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte, der schlechte Baum aber bringt schlechte Früchte. 18 Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. 19 Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen. 20 An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.
Er hatte ihnen nicht geboten, die falschen Propheten zu bestrafen, und daher zeigt Er ihnen die Schrecken jener Strafe, die von Gott kommt, indem Er spricht: Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Mit diesen Worten scheint Er auch auf die Juden zu zielen und ruft so das Wort Johannes des Täufers ins Gedächtnis, der ihnen mit genau denselben Worten die Strafe ankündigte. Denn er hatte so zu den Juden gesprochen und sie vor der drohenden Axt gewarnt, vor dem Baum, der abgehauen werden sollte, und dem Feuer, das nicht gelöscht werden konnte. Wenn man aber etwas genauer prüft, so sind hier zwei Strafen, abgehauen zu werden und verbrannt zu werden; und wer verbrannt wird, ist auch gänzlich aus dem Reich ausgeschlossen; was die härtere Strafe ist. Viele fürchten zwar nichts weiter als die Hölle; aber ich sage, dass der Verlust jener Herrlichkeit eine weit bitterere Strafe ist als die Qualen der Hölle selbst. Denn welches Übel, groß oder klein, würde ein Vater nicht auf sich nehmen, um einen teuersten Sohn zu sehen und zu genießen? So lasst uns auch von jener Herrlichkeit denken; denn kein Sohn ist seinem Vater so teuer wie die übrigen Guten, entschlafen und bei Christus zu sein. Der Schmerz der Hölle ist zwar unerträglich, doch sind zehntausend Höllen nichts gegenüber dem Fall aus jener seligen Herrlichkeit und dem Gehasstwerden von Christus.