
Hilarius von Poitiers
Catena Aurea · Matthäusevangelium 26
36 Darauf kam Jesus mit ihnen an ein Gehöft namens Getsemani und sagte zu den Jüngern: Setzt euch hier, während ich dorthin gehe und bete. 37 Und er nahm Petrus und die beiden Zebedäussöhne mit sich und begann sich zu betrüben und zu verzagen. 38 Da sagte er zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Bleibt hier und wacht mit mir!
Diese Worte: Er begann traurig und sehr bedrückt zu werden, werden von Häretikern so ausgelegt, dass die Furcht vor dem Tod den Sohn Gottes ergriffen habe, der (wie sie behaupten) weder von Ewigkeit gezeugt noch in der unendlichen Substanz des Vaters existierend, sondern aus dem Nichts von Dem hervorgebracht sei, der alle Dinge erschuf; und dass Er daher Anfechtung durch Trauer und Furcht vor dem Tod erlitten habe. Und wer den Tod fürchten kann, kann auch sterben; und wer sterben kann, obwohl Er nach dem Tod existieren soll, ist doch nicht ewig durch Den, der Ihn in vergangener Zeit gezeugt hat. Hätten diese den Glauben, die Evangelien anzunehmen, würden sie wissen, dass das Wort im Anfang Gott war und von Anfang an bei Gott, und dass die Ewigkeit Dessen, der zeugt, und Dessen, der gezeugt wird, ein und dieselbe ist. Wenn aber die Annahme des Fleisches, das mit seiner natürlichen Schwachheit behaftet ist, die Kraft jener unvergänglichen Substanz so infizierte, dass sie Schmerz unterworfen und vor dem Tod zurückschreckend wurde, würde sie dadurch auch der Verderbnis ausgesetzt, und so würde ihre Unsterblichkeit in Furcht verwandelt, und das, was in ihr ist, könnte irgendwann aufhören zu sein. Gott aber ist immer ohne Maß der Zeit, und wie Er ist, bleibt Er ewig. Nichts also in Gott kann sterben, noch kann Gott irgendeine Furcht aus Sich selbst haben.