
Augustinus von Hippo
Catena Aurea · Matthäusevangelium 26
6 Als Jesus in Betanien war, im Hause Simons des Aussätzigen, 7 kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll kostbarem Salböl zu ihm und goss es über sein Haar, während er zu Tisch lag. 8 Als die Jünger das sahen, wurden sie ärgerlich und sagten: Wozu diese Verschwendung? 9 Das hätte man teuer verkaufen und den Erlös den Armen geben können. 10 Als Jesus das merkte, sagte er zu ihnen: Was kränkt ihr die Frau? Sie hat doch eine gute Tat an mir getan. 11 Denn Arme habt ihr ja allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. 12 Als sie dieses Salböl über meinen Leib goss, hat sie es für mein Begräbnis getan. 13 Amen, ich sage euch: Wo immer auf der ganzen Welt dieses Evangelium verkündet wird, da wird auch zu ihrem Gedächtnis erzählt werden, was sie getan hat.
(de Doctr. Christ. iii, 12.) Aber niemand denke, dass die Füße des Herrn von dieser Frau mit Salböl nach der Art gebadet wurden, die die Üppigen und Ausschweifenden gebrauchen. In allen Dingen dieser Art ist es nicht die Sache selbst, sondern die Gesinnung dessen, der sie gebraucht, die schuldhaft ist. Wer die Dinge so gebraucht, dass er die Grenzen überschreitet, die von guten Menschen, mit denen er lebt, beachtet werden, hat entweder eine Bedeutung in dem, was er tut, oder ist lasterhaft. Was aber bei anderen Laster ist, ist bei einer göttlichen oder prophetischen Person ein Zeichen einer großen Sache. Der gute Duft ist der gute Ruf, den einer durch die Werke eines guten Lebens erlangt hat, und der, indem er den Spuren Christi folgt, einen kostbarsten Duft auf seine Füße ausgießt.